Bischof Meister sieht interreligiösen Dialog durch Coronakrise belastet

 Symbole der Weltreligionen: OM-Symbol für Hinduismus, Menora für das Judentum, Kreuz für das Christentum, Koran für den Islam, Buddhafigur für Buddhismus

©epd-bild/Jörn Neuman

Der Interreligiöse Dialog ist durch die Pandemie gestört, denn nur "wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturräumen mit jeweils anderen Glaubensvorstellungen in verschiedenen Sprachen miteinander ins Gespräch kämen, entstehe eine besondere Nähe", so Bischof Meister.

Bischof Meister sieht interreligiösen Dialog durch Coronakrise belastet
Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat dazu aufgerufen, nach dem Ende der Coronakrise den interreligiösen Dialog wieder zu intensivieren. Es belaste alle Beteiligten, dass sich die Begegnungen auf diesem Gebiet wegen der Pandemie derzeit nicht weiterentwickeln könnten, sagte Meister.

Meister sagte am Donnerstagabend bei einem Online-Meeting mit Vertretern aus Kirche und Judentum, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturräumen mit jeweils anderen Glaubensvorstellungen in verschiedenen Sprachen miteinander ins Gespräch kämen, entstehe eine besondere Nähe. "Diese emotionale Dichte ist in diesen Monaten gefährdet", sagte der evangelische Bischof, der dem Judentum seit einem Studienaufenthalt in Jerusalem eng verbunden ist.

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister setzt sich für den interreligiösen Dialog ein.

Zu dem Online-Gespräch unter dem Titel "Beziehungs-weise" hatten sich auf Einladung der Hanns-Lilje-Stiftung rund hundert Teilnehmer:innen in einer Videokonferenz zusammengeschaltet. Anlass war der 80. Geburtstag des Rabbiners Gabor Lengyel vor rund zwei Wochen. Der in Ungarn geborene Lengyel ist seit 2009 Rabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Lengyel sagte, er mache sich momentan Sorgen über einen möglichen Zerfall der liberalen Demokratie und über entsprechende Entwicklungen nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch in den USA und in Israel: "Mein Wunsch ist, dass Sie sich stark engagieren für die Verteidigung unserer Demokratie - überall, wo sie leben."

Der Rabbiner rief die Zuhörer dazu auf, der Judenfeindlichkeit in der Gesellschaft entgegenzutreten. Diese Grundhaltung dürfe sich aber nicht nur auf antisemitische Vorfälle beschränken: "Ich bin genauso sensibel, wenn in meinem Umfeld oder anderswo rassistische oder fremdenfeindliche Äußerungen auftreten." Lengyel betonte zugleich: "Mein Judentum lasse ich mir durch Antisemitismus nicht beeinflussen. Mein Judentum besteht aus jüdischen Quellen, Lehren und Werten."

Im christlich-jüdischen Dialog dürften nicht nur schwierige Stellen aus dem Neuen Testament betrachtet werden, sagte der Rabbiner weiter. Auch in der Torah gebe es schwierige Verse. "Ich ringe ständig mit meinen eigenen Quellen. Und das ist für mich eine Bereicherung."

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