Bischof Wiesemann: Missbrauch erschüttert Vertrauen

Bischof Wiesemann: Missbrauch erschüttert Vertrauen

Die im Bistum Speyer neu bekanntgewordenen Vorwürfe des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen haben nach den Worten des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann das Vertrauen in die katholische Kirche schwer erschüttert. Mit der Einrichtung eines Betroffenenbeirats und einer unabhängigen Kommission wolle das Bistum die Aufarbeitung und Prävention von sexuellem Missbrauch "jetzt wirklich mit allen Kräften angehen", sagte Wiesemann am Mittwoch in Speyer vor Journalisten. Eine "neue Kultur der Achtsamkeit" sei nötig.

Elf weitere mutmaßlich von Missbrauch Betroffene hätten sich in den vergangenen Wochen bei den beiden Missbrauchsbeauftragten gemeldet, sagte Generalvikar Andreas Sturm. Weitere Erkenntnisse im Fall des früheren verstorbenen Generalvikars und obersten Juristen des Bistums, Prälat Rudolf Motzenbäcker, gebe es bisher nicht. Diesem werfen drei Männer sexuellen Missbrauch vor, einer von ihnen spricht von systematischem Missbrauch in einem ehemaligen von Nonnen geführten Speyerer Kinderheim. Durch den Missbrauchsskandal rechne das Bistum mit weiteren Kirchenaustritten, sagte Sturm. 36 Verdachtsfälle seien dem Bistum im vergangenen Jahr gemeldet worden.

Bischof Wiesemann machte indes deutlich, dass der Zölibat, die Ehelosigkeit von Priestern, "keinen Automatismus für Missbrauch" begründe. Die Abschaffung des Zölibats stehe in der katholischen Kirche nicht zur Diskussion. Dennoch müsse über die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Priesterweihe von Verheirateten nachgedacht werden. Das Bistum wolle zukünftig außerdem mehr Laien an Leitungsaufgaben beteiligen und demokratisch-synodale Strukturen fördern. Er lasse sich gerne in gemeinsame Entscheidungsprozesse einbinden, doch setze das Bischofsamt als höchstes Leitungsamt auch Grenzen, sagte Wiesemann.

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