Bischofskonferenz: Hilfestellung zum Suizid keine Lösung

Bischofskonferenz: Hilfestellung zum Suizid keine Lösung

In der Debatte um die Sterbehilfe hat die katholische Deutsche Bischofskonferenz ein besseres Angebot für ein erträgliches Lebensende gefordert. Die Palliativversorgung und die Hospizarbeit müssten gefördert werden, entscheidend sei auch die professionelle Hilfe bei Depressionen, erklärte der Ständige Rat der Bischofskonferenz am Dienstag nach einer Online-Sitzung zu Fragen des assistierten Suizids und der damit verbundenen öffentlichen Diskussion. Gerade das Leben in dunklen Momenten, in der Verzweiflung oder in schwerer Krankheit behalte seine Würde. In diesen Situationen gehe es um die Entwicklung von Lebensperspektiven und gerade nicht um die Hilfestellung zum Suizid.

Zudem sei der subtile Druck, dem assistierten Suizid aus Sorge zuzustimmen, am Ende des Lebens anderen zur Last zu fallen, eine große Gefahr, so der Ständige Rat weiter: "Wir glauben, dass dieser Druck sich von Kranken und Sterbenden nicht mehr fernhalten ließe, wenn der assistierte Suizid zu einem Normalmodell des Sterbens würde." Das Ermöglichen von Angeboten des assistierten Suizids in kirchlichen und caritativen Einrichtungen wäre mit dem "Wesenskern unseres Einsatzes für das Leben nicht vereinbar."

Es könne Situationen im Leben geben, in denen Menschen Suizidwünsche entwickeln oder sich gar zu suizidalen Handlungen gedrängt fühlen, räumen die Bischöfe ein: "Solche Situationen entziehen sich einer abschließenden moralischen Beurteilung von außen." Der Blick auf die aktuelle Suizidforschung zeige jedoch, dass ein Suizidwunsch in den meisten Fällen die Folge von Ängsten, Verzweiflung und Aussichtlosigkeit in Extremsituationen sei und deshalb gerade nicht als Ausdruck der Selbstbestimmung verstanden werden kann.

Der Präsident des evangelischen Diakonie-Bundesverbandes, Ulrich Lilie, hatte sich gemeinsam mit anderen Vertretern der Kirche für die Möglichkeit zur Suizidassistenz in diakonischen Einrichtungen ausgesprochen. Offiziell lehnt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) organisierte Suizidassistenz ab. Die Hilfe beim Suizid, bei dem in der Regel Sterbewilligen ein todbringendes Medikament überlassen wird, ist zu unterscheiden von der aktiven Sterbehilfe, bei der ein Dritter das Mittel selbst verabreicht. Sie steht in Deutschland unter Strafe.

Die Debatte um Suizidassistenz war durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem vergangenen Februar wieder aufgeflammt. Das Gericht kippte das Verbot der organisierten - sogenannten geschäftsmäßigen - Hilfe bei der Selbsttötung mit der Begründung, dass das Recht auf selbstbestimmtes Sterben auch die Hilfe Dritter erlaube.

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