Pastor räumt Betrugsvorwürfe teilweise ein

Pastor räumt Betrugsvorwürfe teilweise ein
Angeklagter: «Ich habe mich in einem Tunnel befunden»
Mehr als 160 Fälle von Betrug und Urkundenfälschung werden ihm vorgeworfen. Am Freitag gestand ein Pastor vor dem Landgericht Hildesheim einen Teil davon ein. Er habe aus Not gehandelt und ohne Quittungen günstiger einkaufen wollen.

Im Betrugsprozess gegen einen suspendierten Pastor vor dem Landgericht Hildesheim hat der Angeklagte am Freitag einen Teil der Vorwürfe eingeräumt. Zugleich entschuldigte sich der 61-Jährige für seine Taten: "Mir ist es ein großes Bedürfnis zu sagen, dass mir das, was ich getan habe, unendlich leidtut", sagte er zu Beginn des zweiten Verhandlungstages. Die Staatsanwaltschaft wirft dem evangelischen Theologen vor, dem Kirchenamt in Hildesheim fingierte Quittungen und selbst gefertigte Rechnungen vorgelegt zu haben, um sich dann das Geld erstatten zu lassen.

Ihm wird gewerbsmäßiger Betrug und Urkundenfälschung in 163 Fällen zur Last gelegt. Laut Anklageschrift beläuft sich der Schaden auf mehr als 52.000 Euro. Rund 10.000 Euro soll der Theologe bereits zurückgezahlt haben (AZ: 20 KLs 12 Js 18186/17).

Der Pastor saß auf der Anklagebank neben seiner Frau, die ihn als Beistand begleitete. Er betonte, er habe sich nicht bereichern wollen. Als Gründe für seine Taten nannte er berufliche und gesundheitliche Belastungen. Er habe immer das Beste für seine Gemeinde gewollt. Zugleich habe seine Familie Erkrankungen bei seiner Tochter und bei ihm selbst verkraften müssen.

So habe er im Kampf gegen eine Krebserkrankung 2014 und 2015 auf alternative Operationsmethoden zurückgreifen müssen. Diese hätten jeweils 15.000 Euro gekostet. "Ich musste die selber bezahlen, weil das damals eine neue Methode war." Er sei in Panik geraten, auch aus Angst, als Versorger auszufallen, sagte der Vater dreier heute erwachsener Kinder. Hinzu seien berufliche Belastungen gekommen, über die er innerhalb der Kirche mit niemandem habe sprechen können. "Ich habe mich in einem Tunnel befunden."

Laut Staatsanwaltschaft sollen sich die Betrugsfälle zwischen September 2012 und Dezember 2016 ereignet haben, als der Mann Pastor in Eime bei Hildesheim war. So habe er sich eine zusätzliche Einnahmequelle verschaffen wollen. Für die Anschaffung der in den Rechnungen aufgeführten Gegenstände und Leistungen sei er als Kirchenvorstandsvorsitzender ermächtigt gewesen, sagte der Pastor. Es sei auch nie etwas beanstandet worden. Die Liste reicht von Essenslieferungen über Bücher, Kleidung, Spielzeug, Gartengeräte und Geschirr bis zu Musikinstrumenten und Bastelbedarf.

Der Pastor gab zu, dass für Rechnungen und Quittungen über insgesamt knapp 8.400 Euro kein Gegenwert bestehe. Dieses Geld habe er aber 2018 erstattet. In anderen Fällen habe er zwar selbst Belege angefertigt, die gekauften Waren seien aber der Gemeinde zugute gekommen. Er habe auf Angebote etwa aus den Kleinanzeigen, dem Internet oder von "Schwarzen Brettern" zurückgegriffen, um Geld zu sparen. Nicht alle Verkäufer hätten dafür die nötigen Rechnungen oder Quittungen ausstellen wollen.

Auf Nachfrage der Richterin nach den ersten der vielen Anklagepunkten gestand er ein, die Rechnung eines Landgasthofes von 315 Euro am Computer selbst erstellt zu haben, "um Geld zu bekommen". Schilder, die er laut den Belegen mehrmals für den Friedhof bestellt hatte, seien jedoch von einem Mann geliefert worden, an dessen Namen er sich nicht mehr erinnere. Die Richterin hakte nach: "Da drängt sich auf, dass das Schwarz ist, Schwarzarbeit." Dieser Gedanke sei ihm nicht gekommen, sagte der Pastor. Der Prozess wird am Montag mit der Befragung zu den einzelnen Anklagepunkten fortgesetzt.

Für gewerbsmäßigen Betrug in Tateinheit mit gewerbsmäßiger Urkundenfälschung sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Eine rechtskräftige Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr würde nach Auskunft der hannoverschen Landeskirche für den Pastor automatisch zu einem Ausscheiden aus dem Dienst mit Verlust der Pensionsansprüche führen. Bis zum Mai sind 16 Fortsetzungstermine angesetzt.

Meldungen

Top Meldung
 Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 4" im Hafen von Palermo.
Das Rettungsschiff "Sea-Watch 4" kann den Hafen von Palermo nach sechs Monaten wieder verlassen. Das Verwaltungsgericht der italienischen Stadt hob die Blockade des Schiffs bis zu einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) auf.