Hier ist das Läuten noch Handarbeit

Kirche St. Kilian und Kunigunde in Berglein, einem Ortsteil von Oberdachstetten

©epd-bild/Timm Schamberger

Die Glocken von Kirche St. Kilian und Kunigunde werden immer noch von Hand geläutet. Mesnerin Liselotte Herrmann und Hans Birkmann machen das mit Inbrunst.

Hier ist das Läuten noch Handarbeit
Kirchengemeinde in Berglein lehnt Elektrifizierung ab
Muskelkraft ist vor den Gottesdiensten im bayerischen Berglein, einem Ortsteil von Oberdachstetten im Landkreis Ansbach, gefragt. In dem kleinen Ort mit 55 Evangelischen läutet Mesnerin Liselotte Herrmann die Glocke nach wie vor von Hand.

Nach knapp zwei Jahren ist die kleine Dorfkirche von Berglein, einem Ortsteil von Oberdachstetten, nun innen und außen fertig renoviert. Der kleine Ort liegt im Landkreis Ansbach, er gehört zum Dekanat Leutershausen und die dortige Kirchengemeinde mit ihren 55 Evangelischen wäre eine wie viele in Westmittelfranken, wenn - ja, wenn es da nicht diese kleine Besonderheit gäbe: Zu den Gottesdiensten und jeden Abend um 18 Uhr läutet Mesnerin Liselotte Herrmann die Glocke im Kirchturm weiterhin von Hand.

Seit 2007 ist Herrmann Mesnerin in der Kirchengemeinde. Sie wohnt nur wenige Meter von der Kirche St. Kilian und Kunigunde entfernt. Natürlich versucht sie, immer pünktlich zu sein, doch das klappt nicht immer, wie Pfarrer Jürgen Metschl verrät. "Manchmal kommt auch etwas dazwischen. Aber das Läuten gehört einfach mit dazu", sagt er. Es sei auch "eine Art von Gemeindebindung", dass noch von Hand geläutet wird. Seit elf Jahren ist er Pfarrer in Oberdachstetten, Mitteldachstetten, Berglein und Obersulzbach. 1.300 evangelische Christen leben in den Kirchengemeinden.

Schwierigkeit liegt im Schwungholen

Vor seiner Zeit sei die Frage im Raum gestanden, die Glocken mit ihren braunen Stricken, die vom Kirchturm bis in den Innenraum reichen, durch eine elektrische Anlage zu ersetzen. Doch Berglein lehnte solche Plänen ab. Hans Birkmann läutete schon als kleiner Bub die Glocken in der Kirche, insgesamt mehr als 60 Jahre hat er zusammengebracht. "Die Glocken ziehen einen nach oben, wenn man sie aufhalten will. Das war ein großer Spaß für uns Kinder", stellt das frühere Mitglied des Kirchenvorstands fest. Heute springt er ein, wenn gerade Not an der Frau oder am Mann ist.

Die historischen Glocken in der Kirche St. Kilian und Kunigunde in Berglein.

An "normalen" Tagen ist Liselotte Herrmann alleine beim Läuten und betätigt nur die größere Glocke. Die Schwierigkeit liege darin, sie erst einmal in Schwung zu bringen, sagt die Mesnerin. Wichtig sei auch, "den Strick wieder schön nach oben zu bringen, sonst schlägt die Glocke einfach nicht richtig". Viel zusätzlichen Sport brauche sie durch das tägliche Läuten nicht mehr zu machen, sagt Herrmann mit einem Augenzwinkern. Ein wenig Bewegung mit ihrem Hund und das reiche ihr dann, erzählt die Mesnerin.

Auch in Mitteldachstetten gebe es eine Glocke, die von Hand geläutet wird, sagt Pfarrer Metschl. Auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm habe bei einem Besuch schon mal versucht, zu läuten, erzählt Hans Birkmann. Sein Fazit: "Er hat sich gar nicht so schlecht angestellt". Früher sei das Läuten auch Teil des Konfirmandenunterrichts gewesen.

Renovierungen kosten knapp 400.000 Euro

Vor rund acht Jahren stellte Pfarrer Metschl fest, dass am Kirchturm ein paar Dachziegel verrutscht waren und Wasser eingedrungen war. Ein neuer Dachstuhl musste her. Gutachter kamen - die Folge war eine komplette Außenrenovierung. Das Gebälk im Kirchturm wurde jetzt erneuert - und damit auch die Glockenaufhängung. Das Dach vom Kirchenschiff ist neu gedeckt und das kleine Gotteshaus bekam einen neuen Anstrich. Im Innenraum zogen Handwerker eine neue Säule für die Statik ein und auch an der Orgel fanden Sanierungsarbeiten statt.

Die Pünktlichkeit des Läutens nicht so wichtig, es sei eher "eine Art von Gemeindebindung", Pfarrer Jürgen Metschl.

Die endgültige Summe für die Arbeiten steht noch nicht fest. Pfarrer Metschl rechnet mit Kosten von knapp 400.000 Euro. Rund zwei Jahre dauerten die Arbeiten an der mehr als 600 Jahre alten Kirche. Im Jahr 1415 taucht ihr Name erstmals in einer Urkunde auf. Zu den Gottesdiensten komme ein fester Stamm von 20 Besuchern. "Prozentual ist das viel, aber von den reinen Zahlen her doch eher wenig", räumt der Pfarrer lächelnd ein.

Noch eine Besonderheit auf dem Friedhof

Eine weitere Besonderheit in Berglein sind zwei Grabsteine auf dem Friedhof. Einer stammt aus dem Jahr 1811 und erzählt aus dem Leben des Weinhändlers Georg Michael Binder. "Diese zwei Grabsteine, die den kompletten Lebenslauf der Verstorbenen enthalten, sind schon sehr ungewöhnlich und zeigen, dass in Berglein neben überwiegend Bauern auch Händler und Handwerker gelebt haben", sagt Pfarrer Jürgen Metschl.

Heute befinde sich die kleine Gemeinde stark im Wandel. Alte Menschen sterben oder kommen ins Heim, andere ziehen weg, stellt der Pfarrer fest. "Bei denen, die neu ins Dorf kommen, fehlt oftmals die Anbindung an die Kirche", erklärt Jürgen Metschl. Er wünsche sich noch mehr Miteinander, freue sich aber über das Engagement der Menschen, die sich darum kümmern, dass die Glocke in Berglein weiter regelmäßig läutet.

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