Argentinien stimmt für Abtreibungsgesetz

Argentinien stimmt für Abtreibungsgesetz

Nach jahrelanger politischer Auseinandersetzung sind in Argentinien Abtreibungen jetzt straffrei. In der Nacht zu Mittwoch stimmte der Senat mit 38 Ja- gegen 29 Nein-Stimmen für ein historisches Abtreibungsgesetz. Zuvor hatte schon das Unterhaus zugestimmt. Demnach können Schwangerschaften bis zur 14. Woche straffrei beendet werden. Die Kosten trägt das öffentliche Gesundheitssystem. Vor dem Kongress hatten sich Tausende Unterstützer des Gesetzes versammelt, die nach der Abstimmung in Jubel ausbrachen und zu einem Straßenfest zusammenkamen.

Das Gesetz zur Legalisierung von Abtreibungen hatte der linksgerichtete Präsident Alberto Fernández vorangetrieben. Der Peronist löste damit auch ein Wahlversprechen ein. Vor zwei Jahren war sein Vorgänger Mauricio Macri mit einem fast identischen Gesetzesvorhaben noch im Kongress gescheitert. Fernández hatte betont, es gehe um den Schutz der Frauen: "Abtreibungen passieren, sie sind ein Fakt", sagte er. Die Gesellschaft müsse die Entscheidung der Frauen respektieren. Das Gesetz sei ein Beitrag zur öffentlichen Gesundheit.

Schätzungen zufolge gibt es in Argentinien pro Jahr zwischen 370.000 und 520.000 heimliche Abtreibungen. Danach müssen mehr als 50.000 Frauen behandelt werden, weil bei den Abbrüchen gepfuscht wird oder es zu Komplikationen kommt. Laut Amnesty International sind Komplikationen nach illegalen Abtreibungen die Hauptursache für die Müttersterblichkeit in dem südamerikanischen Land.

Die katholische Kirche positionierte sich strikt gegen das Abtreibungsgesetz. Unmittelbar vor der Abstimmung sandte der aus Argentinien stammende Papst Franziskus eine Botschaft an das Land, in der er um den Schutz des ungeborenen Lebens warb.

Bisher waren Abtreibungen nur nach Vergewaltigung oder bei Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt. Doch es gab auch immer wieder Fälle, in denen sich Ärzte in dem katholischen Land weigerten, einen Schwangerschaftsabbruch trotz medizinischer Indikation vorzunehmen. Mit dem neuen Gesetz werden Ärzte deshalb verpflichtet, innerhalb eines Zeitraums von zehn Tagen die Abtreibung durchzuführen.

Argentinien ist das größte Land in Lateinamerika, das Abtreibungen straffrei stellt. Nur auf Kuba, in Uruguay und Guyana sind Abtreibungen in den ersten Schwangerschaftswochen erlaubt. Andere Länder ermöglichen unter bestimmten Bedingungen wie Vergewaltigungen und bei Gefahr für das Leben der Mutter Unterbrechungen der Schwangerschaft. In El Salvador, Honduras, Nicaragua, Haiti und der Dominikanischen Republik steht jegliche Form von Abtreibung unter Strafe und wird mit hohen Gefängnisstrafen geahndet.

Meldungen

Top Meldung
Susanne Bei der Wieden wird Kirchenpräsidentin
Am Ende ging es trotz technischer Schwierigkeiten schnell. Die digital tagende Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hat erstmals eine Frau an die Spitze gewählt. Sie will die Kirche menschennah positionieren und sprachfähiger machen.