Gottesdienstverbot und Jesus im Netz

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Gottesdienstverbot und Jesus im Netz
Corona-Pandemie versetzte auch Kirchen in Hessen in Ausnahmezustand 
Gottesdienstverbote, das Verschieben von Konfirmationen und Trauungen um Monate - das hat es bei den Kirchen seit Menschengedenken nicht gegeben. Das Jahr 2020 stellte auch die Gläubigen vor neue Herausforderungen.
28.12.2020
epd
Jens Bayer-Gimm / Christian Prüfer

Früh im vergangenen Jahr waren auch die Kirchen geschockt. Am 19. Februar tötete in Hanau ein rassistisch motivierter Täter zehn Menschen und sich selbst. Notfallseelsorger waren im Einsatz, Kirchen öffneten ihre Türen für Trostsuchende, Hunderte versammelten sich zu Friedensgebeten. Nur wenige Tage danach, am Rosenmontag, raste im nordhessischen Volkmarsen ein Autofahrer in einen Faschingsumzug und verletzte zahlreiche Menschen. Über das Motiv des Mannes ist bis heute nichts bekannt. Auch hier waren Notfallseelsorger im Einsatz, die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann und der Fuldaer Bischof Michael Gerber riefen in einem gemeinsamen Gottesdienst am Faschingsdienstag zum Zusammenhalt auf.

Zu höheren Ehren kam der Limburger Bischof Georg Bätzing. Nachdem es ihm gelungen war, das von seinem Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst im Bistum verspielte Vertrauen wieder zurückzugewinnen, wählten ihn die katholischen Bischöfe Anfang März zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Bätzing nannte als seine Hauptaufgaben die Aufarbeitung der Missbrauchsverbrechen und die Fortsetzung der innerkirchlichen Reformen. Zur Ökumene sagte er, Christinnen und Christen könnten in Zukunft nur gemeinsam eine Wirkung in der säkularen Gesellschaft haben. In den folgenden Monaten sprach sich Bätzing für die Segnung wiederverheirateter Geschiedener sowie schwuler und lesbischer Paare aus und plädierte für Diakoninnen in der katholischen Kirche.

Beerdigungen im allerkleinsten Kreis

Mitte März griff die Corona-Pandemie massiv in das Leben der Kirchen ein: Mit dem ersten "Lockdown" Mitte März wurden auch Gottesdienste verboten, besonders bitter war dies am Osterfest. Konfirmationen, Trauungen und Taufen mussten oftmals um Monate verschoben werden, Beerdigungen durften nur im allerkleinsten Kreis stattfinden. Die Kirchen unterstützten die strikten staatlichen Anordnungen um des Lebensschutzes willen. Nun schlug die Stunde der Internet-affinen Kirchengemeinden.

Landauf, landab nahmen Gemeinden Andachten und Gottesdienste als Video oder Podcast zum Anhören auf und stellten sie auf ihre Homepage und auf Social-Media-Plattformen. Teilweise wurden bei den Internet-Gottesdiensten mehr Besucher verzeichnet als sonst beim Kirchgang. Viele Kirchen öffneten zur stillen Andacht ihre Türen, Kirchenmitglieder boten Einkaufshilfen für Menschen in Quarantäne an. Anfang Mai wurden Gottesdienste wieder erlaubt, aber unter strengen Hygienevorschriften. So dürfen seither die Gläubigen nicht mehr singen, Chöre und Bläser treten nicht mehr auf.

Missbrauch schonungslos aufklären

In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck fielen sogar die Frühjahrs- und die Herbstsynode aus, Anfang 2021 soll eine Synode digital stattfinden. Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) stimmte im September in der auf einen Tag verkürzten Sitzung dem Prioritätenprozess "ekhn2030" für die zukünftige Entwicklung zu. Die Ausgaben der Kirche bis 2030 müssten um 140 Millionen Euro verringert werden, erläuterte Kirchenpräsident Volker Jung. 

Das Bistum Mainz legte im Oktober den Zwischenbericht eines Aufarbeitungsprojekts zu sexuellem Missbrauch vor. Verantwortliche hatten demnach in der Vergangenheit viele Fälle vertuscht und ein hartes Vorgehen gegen die Täter verhindert. Nach über einjähriger intensiver Prüfung von Akten und über 100 Gesprächen mit Betroffenen geht der Bericht für den Zeitraum zwischen 1945 und 2019 von mindestens 273 Beschuldigten und 422 Opfern von Missbrauch und sexuellen Grenzverletzungen aus. Bischof Peter Kohlgraf sagte, das Bistum wolle eine schonungslose Aufklärung.

Seelsorge gewinnt an Bedeutung

Die Corona-Krise führte auch zu Einnahmenseinbußen der Kirchen. Die im November erstmals als Videokonferenz abgehaltene EKHN-Synode beschloss die Schließung zweier Tagungshäuser in der bisherigen Form, das Bistum Mainz schließt drei Tagungshäuser und gibt die Trägerschaft für fünf Schulen auf.

Anfang Dezember wurde Sabine Bertram-Schäfer als neue evangelische Pröpstin für Nord-Nassau eingeführt. Die bisherige Dekanin des Dekanats Büdinger Land tritt ihr Amt Anfang Januar als Nachfolgerin von Annegret Puttkammer an. Diese wechselt zum Jahresende als Direktorin zum Neukirchener Erziehungsverein nach Neukirchen-Vluyn bei Duisburg, einem der größten deutschen Kinder- und Jugendhilfeträger.

Als die Regierungschefs Mitte Dezember wieder einen strengen "Lockdown" beschlossen, waren die Kirchen erleichtert, dass die Weihnachtsgottesdienste unter Beachtung der Vorsichtsmaßnahmen stattfinden durften. Die Seelsorge sei für Menschen in der durch die Pandemie belastenden Situation angesichts vieler Kranker und zunehmender Todesfälle derzeit besonders wichtig, erklärten die EKHN und die kurhessische Kirche.

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