Amtsärzte wollen Verbot von Präsenzgottesdiensten an Weihnachten

Präsenzgottesdienste an Weihnachten

© epd-bild/Thomas Lohnes

Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, appelliert an die Politik, Präsenzgottesdienste zu Weihnachten aufgrund der aktuellen Corona-Infektionslage zu verbieten.

Amtsärzte wollen Verbot von Präsenzgottesdiensten an Weihnachten
Bedford-Strohm: Keine "generelle Absageempfehlung" an Gemeinden
Die Chefin des Verbands der Mediziner im öffentlichen Gesundheitsdienst, Teichert, plädiert für ein Verbot von Präsenzgottesdiensten an Weihnachten. Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm verweist auf Digital-Angebote und die Verantwortung vor Ort.

Unmittelbar vor den Feiertagen dauert die Debatte um die Corona-Ansteckungsgefahr bei Weihnachtsgottesdiensten an. Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, appellierte wegen der weiterhin hohen Zahl der Neuinfektionen an die Politik, Präsenzgottesdienste an den Feiertagen zu verbieten. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, will keine "generelle Absageempfehlung" an die Gemeinden richten. "Das muss jetzt vor Ort entschieden werden", sagte er dem Radiosender Bayern2.

 

Teichert sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch): "In diesem Jahr sollten Präsenzgottesdienste bundesweit untersagt werden." "Weil wir wissen, wie leicht sich das Virus gerade bei Gottesdiensten übertragen kann, dürfen wir zu Weihnachten angesichts der hohen Infektionszahlen kein zusätzliches Risiko eingehen", fügte die Medizinerin hinzu.

Unterdessen verwies der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm in der "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch) auf "extrem strenge Hygienekonzepte in den Gottesdiensten, die auch peinlichst genau eingehalten werden". Dem Radiosender Bayern2 sagte der bayerische Landesbischof am Mittwoch, es gebe Menschen, für die Gottesdienstübertragungen im Internet und im Fernsehen eine Alternative seien. Es gebe aber auch einsame Menschen, die einen Gottesdienst vor Ort benötigen, den sie gemeinsam mit anderen Menschen feiern.

Vielerorts haben evangelische und katholische Gemeinden Präsenzgottesdienste zu Weihnachten abgesagt, ein staatliches Gottesdienstverbot gibt es jedoch in keinem der 16 Bundesländer. Wegen regionaler nächtlicher Ausgangssperren wurden Christmetten an Heiligabend teils vorverlegt.

Bedford-Strohm: "Kein Wort von der Spitze" zu Verzicht

Während die westfälische und die lippische Landeskirche ihren Gemeinden dringend zu einem Verzicht auf Präsenzgottesdienste geraten haben, will Bedford-Strohm dazu "kein Wort von der Spitze" äußern. Er habe keine Entscheidungsgewalt für ganz Deutschland, sagte er dem Radiosender SWR2. Die Inzidenzwerte seien regional unterschiedlich. Deshalb setze er darauf, dass die Gemeinden "sehr klug mit dieser eigenen Verantwortung umgehen".

Die Ärztevertreterin Teichert beklagte, dass viele Menschen offenbar nicht verstanden hätten, wie ernst die Lage in der Corona-Pandemie sei. "Sie feiern immer noch Partys oder tummeln sich in den Läden. Der harte Lockdown kann aber nur dann zu einem Rückgang der Infektionszahlen führen, wenn sich wirklich alle Bevölkerungsgruppen in Deutschland an die Regeln halten", sagte sie. Teichert forderte Bund, Länder und Kommunen auf, die Corona-Maßnahmen in einigen Milieus noch besser zu vermitteln, damit alle Menschen, die in Deutschland leben, auch darüber informiert seien.

Das Robert Koch-Institut meldete am Mittwoch einen neuen Höchstwert an Corona-Todesfällen: Binnen 24 Stunden starben 962 Menschen an oder mit dem Virus. Die Zahl der Toten stieg damit auf 27.968. Zudem wurden 24.740 Neuinfektionen verzeichnet, eine Woche zuvor waren es 27.728, Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag bei 195,1 - weit über der angestrebten Inzidenz von 50, die als Grenze für die Nachverfolgbarkeit von Kontakten durch die Gesundheitsämter gilt.

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