Käßmann fordert in Corona-Krise mehr Wertschätzung für Pflegekräfte

Margot Käßmann

© epd-bild/Meike Boeschemeyer

Margot Käßmann fordert in der Corona-Krise mehr Wertschätzung für Pflegekräfte.

Käßmann fordert in Corona-Krise mehr Wertschätzung für Pflegekräfte
Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat sich für mehr Wertschätzung in der Corona-Krise für Pflegekräfte ausgesprochen. Es werde geradezu ignoriert, was da geleistet werde, sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Das tut mir fast weh, dass unsere Gesellschaft das so wenig wahrnimmt."

Käßmann verwies in dem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview  dem Südwestrundfunk in Berlin:, welche Anstrengungen gerade jetzt zu Weihnachten aufgebracht würden, um Corona-Schnelltests noch so nebenbei in den Einrichtungen zu organisieren. Das sei ein Kraftakt. Dass Pflegekräfte so schlecht bezahlt würden, könne sie nicht verstehen. Es brauche "Wertschätzung auch in der Bezahlung", fügte die Buchautorin und ehemalige hannoversche Landesbischöfin hinzu.

Die Situation der Pflege und der alten Menschen werde in der Gesellschaft gerne verdrängt, sagte Käßmann weiter. Die aktuelle Lage habe die bestehenden Probleme wie ein Brennglas verschärft: die Einsamkeit vieler Menschen, die Belastung der Familien, der berufstätigen Mütter und Alleinerziehenden. "Die große Mehrheit in unserem Land hat sich solidarisch verhalten", sagte sie dem Südwestrundfunk. Oft liege der Fokus allerdings auf den Lauten, die sich in den Vordergrund spielen wollten. In diesem Unzufriedenheitspotenzial suchten nun einige nach neuen Wählergruppen. "Das finde ich besonders perfide", sagte Käßmann in dem Interview, das der Radiosender SWR2 am Samstag ausstrahlt.

Käßmann brachte ihre Bestürzung über die hohe Zahl der Corona-Toten zum Ausdruck. Viele Menschen seien inzwischen sehr bedrückt. Immer mehr würden inzwischen jemanden kennen, der verstorben sei. Dass aus ihrer Sicht so wenig über die Toten gesprochen werde, liege sicher daran, dass die Opfer nicht sichtbar seien. "Heißt es, wenn jemand alt ist und stirbt, ist das für die Gesellschaft nicht so relevant?", fragte die Theologin: "Ich finde, wir müssten auch mehr darüber sprechen, wer sind diese Menschen, wie haben sie gelebt, damit die Zahlen Gesichter und Biografien bekommen und auch die Angehörigen in der Trauer nicht alleingelassen werden."

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