EKD will bis 2030 gut 17 Millionen Euro einsparen

bunte Sparschweine

© Ivan Bajic/iStockphoto/Getty Images

Bis zum Jahr 2030 will die Evangelische Kirche in Deutschland gut 17 Millionen Euro einsparen.

EKD will bis 2030 gut 17 Millionen Euro einsparen
Schon lange ist klar, die evangelische Kirche muss sparen. Kurz vor der Jahrestagung des Kirchenparlaments legt das Kirchenamt in Hannover Zahlen vor: Bis 2030 sollen 17 Millionen Euro eingespart werden. Die Streichliste ist lang.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will bis zum Jahr 2030 rund 17 Millionen Euro einsparen. Wegen zu erwartender geringerer Einnahmen müsse die EKD rund 30 Prozent ihres finanziellen Aufwands kürzen, sagte der Leiter der EKD-Finanzabteilung, Carsten Simmer, am Freitag bei einer Video-Pressekonferenz. Ab dem Haushalt für das Jahr 2022 sollen Einsparungen in mehreren Bereichen vorgenommen werden.

Die kirchliche Haushälterschaft sei immer schon langfristig angelegt gewesen, sagte Simmer. Die prognostizierte Entwicklung der kirchlichen Finanzen und die Corona-Pandemie seien jetzt Anlass, die langfristige Finanzstrategie bis 2030 in den Blick zu nehmen. Basis der Finanzplanung bis 2030 ist eine von Freiburger Forschern im vergangenen Jahr erstellte Prognose. Demnach könnte sich die Zahl der Kirchenmitglieder und auch die Finanzkraft der Kirchensteuereinnahmen bis 2060 halbieren.

Austritte, Eintritte, Taufen und Sterbefälle in der Evangelischen Kirche in Deutschland im Jahr 2019.

Der EKD-Haushalt, der durch Umlagen aus den 20 evangelischen Landeskirchen finanziert wird, soll 2030 ein Volumen von rund 95,9 Millionen Euro haben. Würde man die Aufgaben- und Aufwandstruktur nicht anpassen, würde der Haushalt 2030 mit rund neun Millionen im Minus stehen, sagte Simmer. Dieses Minus müsse ausgeglichen werden. Außerdem wollen die Finanzplaner aber zusätzlich acht Millionen Euro erwirtschaften: vier Millionen Euro Puffer und vier Millionen Euro als Investitionssumme für Innovationen. So kommen die Haushälter auf eine Summe von 17 Millionen Euro, um die die Aufwendungen reduziert werden müssen. Man habe alle Aufgabenbereiche im Haushalt nach Einsparpotenzial durchforstet, sagte Simmer. Vergleichswert sei der Haushalt aus dem Jahr 2019.

Einsparmöglichkeiten sieht die EKD laut Simmer unter anderem bei der Finanzierung kirchlicher Hochschulen, wie etwa der Kirchlichen Hochschule für Kirchenmusik, der Hochschule in Wuppertal-Bethel und der im bayerischen Neuendettelsau. Der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen sollen ebenfalls Zuschüsse gestrichen werden. Auch die Finanzierung der unabhängigen Männer- und Frauenarbeit soll um knapp 70 Prozent reduziert werden. Die Johannes-a-Lasco-Bibliothek in Emden, für die die EKD im Haushalt 2019 noch 100.000 Euro veranschlagt hatte, soll bis 2030 gar keine Mittel mehr erhalten. Die Liste der möglichen Einsparungen enthält darüber hinaus zahlreiche weitere Bereiche, in denen EKD-Zuschüsse gekürzt werden sollen.

Die Finanzstrategie und der Haushalt für das Jahr 2021 werden auf der Jahrestagung der EKD-Synode, dem obersten Beschlussgremium der EKD, beraten, die am 8. und 9. November wegen der Corona-Pandemie ausschließlich digital tagen wird. Das sei eine ziemliche Herausforderung, sagte Synodenpräses Irmgard Schwaetzer. Man erhalte sich mit der digitalen Tagung aber statt einer Absage ein Stück Handlungsfreiheit.

Kirchenkonferenz, Synode, Rat der EKD - wer gehört eigentlich welchem Entscheidungsgremium in der Evangelischen Kirche in Deutschland an? Und wer wählt diese Gremien, wer ist drin und was machen sie eigentlich so ganz genau? Hier gibt's Antworten auf diese Fragen.

Neben der Finanzstrategie wird die Synode der EKD auch über die inhaltliche Ausrichtung der Kirche beraten. Die Delegierten werden über ein Reformpapier mit zwölf Leitsätzen abstimmen, das den Titel "Hinaus ins Weite - Kirche auf gutem Grund" trägt. Darin geht es um Reformen der Kirchenstrukturen wie etwa eine stärkere Zusammenarbeit der 20 Landeskirchen in der EKD, die Weitergabe des Glaubens in einer zunehmend säkularen Gesellschaft, Ökumene und die öffentliche Sichtbarkeit der Kirche. "Wir können nicht weitermachen wie bisher", betonte Schwaetzer.

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