Bundestagsvizepräsident Oppermann überraschend gestorben

Bundestagsvizepräsident Oppermann überraschend gestorben
Politiker aller Fraktionen trauern um Göttinger Sozialdemokraten
Er galt als verlässlich und fair, war parteiübergreifend respektiert: Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann ist im Alter von 66 Jahren plötzlich gestorben. Bundespräsident Steinmeier würdigt den SPD-Politiker als charakterstarken Kämpfer.

Der plötzliche Tod von Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann sorgt für Bestürzung. Wie das ZDF am Montag mitteilte, sollte der 66-jährige Sozialdemokrat am Sonntag aus seiner Heimatstadt Göttingen für ein Interview live in die Sendung "Berlin direkt" geschaltet werden. Während der erste Beitrag der Sendung lief, sei Oppermann zusammengebrochen. Der Notruf sei sofort getätigt und der Politiker in die Uniklinik Göttingen gebracht worden. Politiker aller Parteien brachten ihre Betroffenheit zum Ausdruck.

Der Jurist Oppermann gehörte seit 2005 dem Bundestag an und war seit 2017 dessen Vizepräsident. In der vorangegangenen Legislaturperiode war der vierfache Vater Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Oppermann gehörte der evangelischen Kirche an.

Flaggen auf Halbmast

Am Bundestag wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) wies darauf hin, dass Oppermann gerade seinen Abschied aus der aktiven Politik im kommenden Jahr angekündigt habe und "voller Vorfreude auf kommende Projekte war". Umso betroffener mache sein plötzlicher Tod.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Oppermann als "einen charakterstarken Kämpfer für Demokratie, für den Rechtsstaat, für Fortschritt und Gerechtigkeit". In einem Kondolenzschreiben an dessen Lebensgefährtin Petra Kirchhoff betonte er: "Er war mir über viele Jahre Weggefährte, Berater und guter Freund."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte Trauer. Sie habe Oppermann über viele Jahre als verlässlichen und fairen sozialdemokratischen Partner in großen Koalitionen geschätzt, erklärte sie. Als Vizepräsident des Bundestags habe er sich "in turbulenter Zeit um unser Parlament verdient gemacht". Oppermanns Frau und seinen Kindern gelte ihr aufrichtiges Beileid, sagte die Kanzlerin laut einem Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) twitterte: "Der Tod von Thomas Oppermann ist ein Schock für uns alle. Unser Land verliert einen versierten Politiker, der Bundestag einen herausragenden Vizepräsidenten und die SPD einen leidenschaftlichen und kämpferischen Genossen. Wir alle verlieren einen Freund - und sind traurig." Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) schrieb: "Thomas hat sich mit Leidenschaft und Verstand um unser Land und die Sozialdemokratie verdient gemacht." Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte: "Das ist eine Nachricht, bei der die Zeit stehenbleibt."

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) postete bei Facebook: "Wir waren seit dem ersten Semester sehr enge Freunde und dementsprechend fühle ich mich." Er betonte: "Thomas Oppermann hatte immer ein tiefes, ehrliches Engagement, unsere Gesellschaft besser zu machen. Und das ist ihm an vielen Stellen auch gelungen." Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schrieb, noch am Freitag habe Oppermann ihn angerufen, um sich für Kulturprojekte einzusetzen. Sein plötzlicher Tod erinnere an das wirklich Wichtige im Leben.

Viele Bundestagsabgeordnete äußerten ebenfalls ihre Bestürzung. Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Alexander Gauland erklärten, das Parlament "verliert mit ihm einen fairen Vizepräsidenten und einen aufrechten Demokraten, der stets auf Sachlichkeit bedacht war". Linksfraktionschef Dietmar Bartsch erklärte: "Er war ein feiner Mensch - verlässlich und mit Herzblut bei der Sache." Grünen-Chefin Annalena Baerbock twitterte: "Deine humorvolle, unprätentiöse, einfach feine Art wird uns sehr fehlen." FDP-Chef Christian Lindner schrieb: "Wir verlieren einen klugen, debattenstarken und humorvollen Politiker."

Die Göttinger Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hob Oppermanns Einsatz für Menschenrechte hervor und teilte mit, er habe in seinem Abgeordnetenbüro "Verfolgte aus aller Welt" empfangen. Auch im evangelischen Kirchenkreis Göttingen wurde die Nachricht vom Tod des Politikers mit Trauer und Bestürzung aufgenommen. Oppermann habe "unglaublich viel für Göttingen getan", sagte Superintendent Friedrich Selter. Neben prominenten Projekten wie dem im Aufbau befindlichen Kunstquartier, dem Museum "Forum Wissen" und dem Neubau der Universitätsmedizin habe er sich "in vieler Hinsicht auch hinter uns als Kirche gestellt".

 

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