Tote bei Protesten gegen Polizeigewalt in Nigeria

Tote bei Protesten gegen Polizeigewalt in Nigeria
UN und EU sind alarmiert und rufen zu Zurückhaltung auf
In Nigeria protestieren Menschen seit Tagen gegen Polizeigewalt. Auch eine Ausgangssperre hielt sie nicht davon ab. Aber die Sicherheitskräfte schlugen die Proteste wieder blutig nieder. Das löst international Empörung aus.

Das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften gegen Massenproteste in Nigeria hat international Kritik ausgelöst. UN-Generalsekretär Antònio Guterres verurteilte laut seinem Sprecher am Mittwoch die Polizeigewalt in dem westafrikanischen Land. In der Wirtschaftsmetropole Lagos hatten Sicherheitskräfte Medienberichten zufolge etwa 20 Menschen erschossen und mindestens 50 verletzt, die gegen Polizeigewalt auf die Straße gegangen waren.

Bewaffnete Soldaten hatten laut einem Bericht des Senders BBC am Dienstagabend Demonstranten in der Vorstadt Lekki daran gehindert, sich zu versammeln, und anschließend das Feuer auf sie eröffnet. In Lagos gilt wegen der Unruhen eine ganztägige Ausgangssperre. Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari rief Medienberichten zufolge am Mittwoch das Land zur Ruhe auf, äußerte sich aber nicht zu den Berichten über die Toten. Die nigerianische Armee bezeichnete die Berichte auf Twitter als Falschinformationen.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erklärte, der Tod der Demonstranten sei alarmierend. Er forderte die Behörden auf, die Vorfälle zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch mehrere Prominente, darunter die frühere amerikanische Außenministerin Hillary Clinton und der nigerianische Fußballprofi Odion Ighalo kritisierten die Gewalt.

In mehreren Städten des westafrikanischen Landes gehen Menschen seit Tagen auf die Straße, um gegen den übermäßigen Einsatz von Gewalt durch die Sicherheitskräfte zu demonstrieren. Präsident Buhari hat als Reaktion auf die Proteste die Auflösung der Spezialeinheit Sars angekündigt, die wegen ihrer Brutalität berüchtigt war. Zwischen 2017 und 2020 sei Sars für mindestens 82 Fälle von Folter, Misshandlung und außergerichtlicher Hinrichtung verantwortlich, heißt es in einem Bericht von Amnesty International. Die vorwiegend jugendlichen Demonstranten fordern jedoch weitgehendere Polizeireformen.

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