"Gute Nachbarschaft" - Manifest von Weilheimer Religionsvertretern

"Gute Nachbarschaft" - Manifest von Weilheimer Religionsvertretern
Ein Manifest der guten Nachbarschaft haben Vertreter von evangelischen, katholischen und muslimischen Gemeinden im Landkreis Weilheim-Schongau unterzeichnet. Zur guten Nachbarschaft gehöre neben dem Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Achtung der Schöpfung besonders der Schutz Andersgläubiger und Andersdenkender vor übler Nachrede, heißt es in dem Papier.

In dem Papier, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, steht weiter: "Rassismus, Islamfeindlichkeit, christenfeindliche Übergriffe und Antisemitismus haben in unseren Religionsgemeinschaften keinen Platz." Zu den Unterzeichnern gehören neben Pfarrer:innen auch die Imame der Islamischen Gemeinde Penzberg, der beiden Milli-Görüs-Gemeinden von Schongau und Peißenberg sowie der Ditib-Gemeinden von Schongau und Weilheim.

Die Initiative für die Erklärung entstand im Zuge des Integrationskonzepts, das der Landkreis derzeit erstellt. Der Arbeitskreis "Gesellschaft" unter dem Vorsitz des evangelischen Pfarrers von Schongau, Jost Herrmann, hatte den interreligiösen Austausch angestoßen. Nach drei Begegnungen Anfang 2020, an denen laut Herrmann rund 20 Geistliche aller Religionsgemeinschaften teilgenommen hatten, wurde die gemeinsame Erklärung nun coronabedingt Ende September unterzeichnet.

Den muslimischen Vertretern der Runde sei es ein großes Anliegen gewesen, jegliche Gewalt im Namen der Religion zu verurteilen, berichtete Jost Herrmann auf epd-Anfrage. "Sie wollten sehr klar zum Ausdruck bringen, dass Islamisten sich nicht auf den Koran berufen können", sagte der Pfarrer. Der Argwohn mancher christlicher Vertreter, dass dies nur Lippenbekenntnisse sein könnten, habe in den offenen Gesprächen ausgeräumt werden können. Hilfreich sei eine Einladung zur muslimischen Gebetszeit gewesen, an der die Pfarrer:innen teilnehmen konnten. Hauptpunkt der gemeinsamen Erklärung sei, "dass wir in unseren jeweiligen Gemeinden aktiv dagegen halten, wenn Klischees bedient werden".

Das Manifest sei als Auftakt zu mehr interreligiöser Begegnung gedacht. Zwei- bis dreimal im Jahr wolle man sich künftig zu Gesprächen treffen. Was die Treffen jetzt schon geschaffen hätten, sei eine Struktur, deren Fehlen sonst oft beklagt werde. "Es hat fast ein Jahr gedauert, aber jetzt haben wir eine Adressliste aller Beteiligten, auch der muslimischen Imame und Vereinsvorstände", sagte Jost Herrmann. So könne man künftig schnell reagieren und binnen kurzer Zeit gemeinsam öffentlich Stellung beziehen, "wenn irgendwo ein Anschlag passiert".

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