Garnisonkirche: Bundeswehr will Ausstellung im neuen Turm fördern

Garnisonkirche: Bundeswehr will Ausstellung im neuen Turm fördern

Die Bundeswehr will die im neuen Potsdamer Garnisonkirchturm geplante Ausstellung mit 350.000 Euro fördern. Ein entsprechender Betrag sei im Haushaltsentwurf für 2021 enthalten, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag in Berlin und bestätigte damit einen Bericht der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag). Die Summe sei jedoch noch nicht freigegeben.

Ob, in welcher Form und in welcher Höhe die Mittel ausgezahlt werden können, sei noch offen, sagte der Sprecher. Dies sei abhängig von einem noch ausstehenden Antrag der Stiftung an das Verteidigungsministerium und von den noch laufenden Gesprächen zum Thema.

Die Dauerausstellung solle nach bisherigen Planungen zentrale historische Themen "im Beziehungsdreieck Kirche, Militär und Staat in Deutschland" aufnehmen, zitiert die "Märkische Allgemeine" eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums. Ziel der Ausstellung auf einer Fläche von 300 Quadratmetern sei, zur Beschäftigung mit der Geschichte des historischen Ortes anzuregen. Geplant sei eine einmalige Zuwendung für eine Dauerausstellung.

Der knapp 90 Meter hohe Turm der 1945 bei einem alliierten Luftangriff weitgehend zerstörten und 1968 in der DDR abgerissenen Garnisonkirche wird seit 2017 wieder aufgebaut. Der Neubau am historischen Standort soll voraussichtlich 2022 fertiggestellt werden. Der Bund will das rund 40,5 Millionen Euro teure Bauprojekt mit mehr als 20 Millionen Euro fördern. Fünf Millionen Euro sollen aus kirchlichen Krediten finanziert werden. Für eine Machbarkeitsstudie zum möglichen Wiederaufbau des Kirchenschiffs hat der Bund zusätzlich rund 750.000 Euro eingeplant.

Die evangelische Kirche will den neuen Turm für Friedens- und Versöhnungsarbeit nutzen. Der Wiederaufbau des Kirchturms ist vor allem wegen der Geschichte der einstigen preußischen Militärkirche umstritten. Zu Beginn der NS-Zeit hielt Hitler im März 1933 am sogenannten "Tag von Potsdam" zur Reichstagseröffnung eine Rede in der Kirche.

Gegner des Wiederaufbaus kritisierten die finanzielle Unterstützung durch die Bundeswehr und sprachen von einem hochproblematischen Interessenskonflikt. Ausgerechnet die Bundeswehr, deren Rechtsextremismus-Problem sich zuletzt im KSK-Skandal gezeigt habe, solle nun die "Dauerausstellung in der rekonstruierten Kriegskirche" mit 350.000 Euro finanzieren, erklärte die Initiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" am Donnerstag. "Sich die Aufarbeitung der Verstrickung von Militär und Faschismus von der Bundeswehr finanzieren zu lassen, ist in etwa so ergiebig, als würde man sich Recherchen zu den Skandalen in der Fleischindustrie von Tönnies bezahlen lassen." Die Bestrebungen für den Wiederaufbau der Garnisonkirche seien Mitte der 80er Jahre von rechtsextremen Kreisen der Bundeswehr in Gang gesetzt worden.

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