Studie: Indien könnte zehnmal mehr Corona-Fälle haben als bekannt

Studie: Indien könnte zehnmal mehr Corona-Fälle haben als bekannt

Indien könnte einer Antikörper-Studie zufolge bereits mehr als 60 Millionen Corona-Fälle haben und damit zehnmal mehr als offiziell angegeben. Wie die Zeitung "Indian Express" am Mittwoch berichtete, zeigen jüngste Erhebungen zum Antikörper-Status in der Bevölkerung eine Positiv-Rate von 6,6 Prozent. Für die Studie hatte der Indian Council of Medical Research (ICMR), das höchste, staatliche Gesundheitsgremium des Landes, im August mehr als 29.000 Inder untersucht. Bei der letzten Antikörper-Studie im Mai lag die Positiv-Rate bei nur 0,73 Prozent.

ICMR-Leiter Balram Bhargava warnte, dass eine Herdenimmunität noch keinesfalls erreicht sei. "Die Daten zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung weiterhin ansteckbar ist", sagte der Mediziner. Schutzmaßnahmen seien weiter unbedingt erforderlich. Besonders stark seien städtische Armenviertel von Covid-19 betroffen. Hier hätten Schätzungen zufolge mehr als 15 Prozent der Bewohner Corona-Antikörper, verglichen mit über acht Prozent in den übrigen Stadtgebieten und gut vier Prozent auf dem Land.

Indien hatte am Montag die Marke von sechs Millionen Corona-Fällen überschritten. Am Mittwoch wurden 80.472 Neuinfektionen und damit über 6,2 Millionen Fälle verzeichnet. Das südasiatische Land mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern ist nach den USA weltweit am schlimmsten betroffen. Nirgendwo sonst steigen die Infektionszahlen im Moment so schnell. Die Zahl der Corona-Todesfälle in Indien lag bei 97.497 - der dritthöchste Wert weltweit.

Trotz des dramatischen Anstiegs der Neuinfektionen bleibt die Regierung bei ihrem Entschluss, weitere Corona-Einschränkungen zu lockern, nachdem Millionen Menschen im Zuge eines wochenlangen Lockdowns ihre Arbeit verloren haben. Die Wirtschaft ist zwischen April und Juni um fast 24 Prozent geschrumpft.

Indien hatte im März eine strikte Ausgangssperre für das gesamte Land erlassen, als lediglich einige Hundert Fälle registriert waren. Kritiker monieren, dass der lange Lockdown nicht genutzt worden sei, um Krankenhäuser besser auszustatten und Test-Kapazitäten aufzubauen. Stattdessen sei eine Massenwanderung von Millionen Arbeitslosen aus den Städten auf das Land ausgelöst worden, wo sich das Virus rasch verbreitete. Im Juni wurden trotz steigender Infektionszahlen die Beschränkungen schrittweise gelockert, um das Wirtschaftswachstum wieder zu beleben.

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