Glücksspielforscher warnt vor Online-Casinos

Glücksspielforscher warnt vor Online-Casinos
28.09.2020
epd-Gespräch: Lothar Veit
epd

Bremen (epd). Der Bremer Glücksspielforscher Gerhard Meyer sieht die Zuwachsraten von Online-Casinos mit großer Sorge. "Wir wissen von den Anbietern, dass die Erträge weltweit deutlich gestiegen sind", sagte der Psychologie-Professor dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er selbst habe eine massive Zunahme der Werbung wahrgenommen, da er zu Forschungszwecken oft einschlägige Seiten aufrufe. "Ich werde fast jeden Tag mit Werbemails und Bonus-Angeboten bombardiert, nach dem Motto: Setzen Sie 50 Euro ein, dann können Sie mit 100 Euro spielen", sagte Meyer, der auch die Bremer Fachstelle Glücksspielsucht leitet.

Online-Glücksspiel ist in Deutschland bislang noch verboten - außer in Schleswig-Holstein. Erst die Neuregelung des Glücksspiel-Staatsvertrages, der am 1. Juli 2021 in Kraft treten soll, wird Online-Casinos erlauben. Meyer begrüßt zwar, dass es legale Angebote geben soll, weil Verbote im Internet nicht durchzusetzen seien. Er hält es aber für problematisch, "dass jene Anbieter, die über Jahre illegale Angebote auf dem deutschen Markt präsentiert haben, jetzt praktisch damit belohnt werden, dass diese in die Legalität überführt werden".

Aus suchtpräventiver Sicht sei ein staatliches Monopol der bessere Weg. So sei es beispielsweise in Norwegen geregelt, sagte Meyer. Dort gebe es zudem eine Verlust-Obergrenze für den gesamten Glücksspielbereich und eine personalisierte Karte, die jeder Glücksspieler verwenden müsse. "Darauf werden Einsätze, Gewinne und Verluste registriert - und wenn das Limit erreicht ist, ist eben Schluss", erläuterte der Wissenschaftler.

Schutzmöglichkeiten wie die "Selbstsperre" sieht Meyer positiv. Spielsüchtige können etwa in Niedersachsen seit Anfang Juni ein Formular ausfüllen, mit dem sie sich freiwillig den Zugang zu ihrer Spielhalle verwehren lassen. Doch eigentlich seien auch Spielhallen-Betreiber von sich aus dazu verpflichtet, erkennbar süchtige Spieler vom Zocken abzuhalten. Hier bestehe allerdings ein Interessenkonflikt: "Es ist der Süchtige, der viel Geld in die Kassen spült."

Problemspieler erkennt man laut Meyer daran, dass sie immer häufiger kommen, ihre Einsätze steigern, bei Verlusten aggressiv werden oder stundenlang gleichgültig vor den Geräten sitzen und sich nicht mehr über Gewinne freuen.

Sein Institut hat unlängst am Beispiel Hessens untersucht, wie die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt werden. Das Bundesland hatte als erstes ein landesweites Sperrsystem für Spielhallen eingeführt. "Die Sperren beruhten fast ausschließlich auf Selbstsperren der Spieler, der Anteil der Fremdsperren durch die Anbieter lag bei weniger als einem Prozent." Die Betreiber der Spielotheken würden den gesetzlichen Vorgaben damit nicht gerecht.