Protest gegen Braunkohle mit Blockaden und Gottesdienst

Protest gegen Braunkohle mit Blockaden und Gottesdienst
Zwischen friedlichen Demos und illegalen Aktionen: Tausende Menschen beteiligten sich am Klima-Protest in Garzweiler. Aktivisten schafften es, auf den Tagebau vorzudringen, und blockierten Zufahrtswege. Die Polizei nahm knapp 50 Demonstranten fest.

Protestzüge, Mahnwachen und eine Eucharistiefeier in einem von der Abbaggerung bedrohten Dorf: Mit einem Aktionswochenende haben mehrere tausend Kohlekraftgegner und Klimaaktivisten rund um den Tagebau Garzweiler für einen schnelleren Ausstieg aus der Kohleverstromung demonstriert. Aufgerufen zu dem Protest hatten "Fridays for Future" sowie die Initiativen "Die Kirche(n) im Dorf lassen" und "Alle Dörfer bleiben", die sich für den Erhalt der Ortschaften rund um den Tagebau im rheinischen Braunkohlerevier einsetzen. Aktivisten von "Ende Gelände" versuchten mit illegalen Aktionen, Teile der Kohle- und Gasinfrastruktur zu blockieren. Die Polizei Aachen meldete 47 Festnahmen.

Bei einer Kundgebung in Jüchen-Hochneukirch wurde der im Sommer beschlossene Kohleausstieg bis 2038 als "Kohlestromverlängerungsgesetz" kritisiert. Damit lasse der Bundestag noch für 18 Jahre die Zerstörung von Dörfern und Wäldern zu, sagte ein Sprecher von "Alle Dörfer bleiben" vor rund 400 Teilnehmern.

Der Einladung zu einem Gottesdienst am Samstagabend in Keyenberg folgten 100 Menschen. Der zu Erkelenz gehörende Ort soll dem Abbau der Braunkohle zum Opfer fallen, nur wenige Dorfbewohner sind noch dort. Die Braunkohle zerstöre die Lebensgrundlagen der Menschen, deshalb sei Ungehorsam Pflicht, sagte Julia Les von "Die Kirche(n) im Dorf lassen". Die Eucharistie vor einer bereits aufgegebenen Gaststätte in Keyenberg wurde zusammen mit einem katholischen Priester gefeiert.

Das Aktionswochenende hatte am frühen Samstagmorgen mit Blockaden von "Ende Gelände" begonnen. Laut Aachener Polizei besetzen Aktivisten unter anderen den Kohlebunker am Braunkohlenkraftwerk Weisweiler und Teile der Hambachbahn, die Braunkohle aus dem Tagebau Hambach in umliegende Kraftwerke bringt. Auch drangen etwa 500 Demonstranten in den Tagebau Garzweiler ein, weitere 200 versuchten, den Betrieb des Gaskraftwerk Lausward bei Düsseldorf zu stören.

Die Polizei war am Samstag mit Hundertschaften im Einsatz. Am Rande des Tagebaus sei es zu Rangeleien gekommen, teilte die Polizei Aachen am Sonntag mit. Die Beamten hätten zum Teil Pfefferspray und körperliche Gewalt einsetzen müssen, um Demonstranten zurückzudrängen. 47 Personen seien nach Verübung einer Straftat festgenommen und 64 in Gewahrsam genommen worden. Der Großteil sei nach Feststellung der Personalien entlassen worden, hieß es. Demnach erhielten weitere 300 Demonstranten einen Platzverweis für den Bereich des Tagebaus und wurden mit Bussen weggebracht. Zwei Demonstrationen mit Mahnwachen in Aachen mit je bis zu 250 Teilnehmern verliefen laut Polizei dagegen friedlich.

Nach Angaben von "Ende Gelände" beteiligten sich rund 3.200 Aktivisten an den Aktionen. Man habe erfolgreich die Kohleinfrastruktur im rheinischen Kohlerevier blockiert, erklärte eine Sprecherin. Erstmals sei das Gaskraftwerk Lausward besetzt worden, "um Erdgas als Klimakiller zu entlarven". So werde bei der Produktion und dem Transport des Erdgases Methan freigesetzt, was ein deutlich stärkeres Treibhausgas als CO2 sei. Damit sei Gas über die gesamte Produktionskette genauso klimaschädlich wie Kohlekraft, betonte die Sprecherin. "Es ist Wahnsinn, Milliarden in Erdgas, Pipelines und Frackinghäfen statt in Erneuerbare Energien zu investieren. Erdgas ist eine fossile Sackgasse."

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