DGB fordert Schritte gegen Lohngefälle zwischen Ost und West

DGB fordert Schritte gegen Lohngefälle zwischen Ost und West

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert politische Schritte gegen das weitere bestehende Lohngefälle zwischen West- und Ostdeutschland. "Der Gesetzgeber könnte es zum Beispiel erleichtern, Tarifverträge für allgemein verbindlich zu erklären", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). "Auch könnte er vorschreiben, dass nur noch solche Unternehmen bei der öffentlichen Auftragsvergabe zum Zug kommen, die auch Tariflöhne zahlen. Das ist in vielen Bundesländern bereits der Fall, aber leider noch nicht in allen."

Die Bundesregierung stellt am Mittwoch ihren Bericht zum Stand der deutschen Einheit vor. Diese sei grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte, aber eine mit Schattenseiten, sagte Hoffmann. Er beklagte, "dass Menschen in den neuen Bundesländern deutlich längere Arbeitszeiten haben und deutlich geringere Löhne". Das vertrage sich nicht mit der angestrebten Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in Deutschland.

Das Problem liegt nach den Worten von Hoffmann unter anderem darin, dass die Tarifbindung im Osten noch niedriger sei als im Westen. Er beklagte, dass sich viele Arbeitgeber weigerten, einem Arbeitgeberverband beizutreten. Auch machten viele von sogenannten OT-Mitgliedschaften Gebrauch, also von Mitgliedschaften ohne Tarifbindung. "Wenn die Arbeitgeber das nicht von sich aus stoppen, dann brauchen wir gesetzlichen Flankenschutz", betonte Hoffmann.

Der Zeitung zufolge lag das Durchschnittseinkommen sozialversicherungspflichtig Beschäftigter 2019 im Westen bei 3.526 Euro. Im Osten waren es 2.827 Euro und damit jeden Monat 699 Euro oder 19,8 Prozent weniger, wie das Blatt unter Berufung auf das Bundesarbeitsministerium berichtet.

epd fu

Meldungen

Top Meldung
 Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 4" im Hafen von Palermo.
Zum wiederholten Mal sitzt ein Seenotrettungsschiff in Italien fest: Die deutsche "Sea-Watch 4" darf Palermo nicht verlassen, nachdem Inspektoren Sicherheitsmängel moniert haben. Die EKD kritisierte die Maßnahme als "humanitäres Armutszeugnis".