Pfälzer Synode wählt Nachfolge für Kirchenpräsident Schad

Sondersynode in Speyer

© epd-bild/LK

Auf einer Sondersynode in Speyer entscheidet die pfälzische Landeskirche über die Nachfolge von Kirchenpräsident Christian Schad. Zur Wahl stellen sich Diakoniepfarrer Albrecht Bähr (links) und die Oberkirchenrätinnen Dorothee Wüst (Mitte) und Marianne Wagner (rechts).

Pfälzer Synode wählt Nachfolge für Kirchenpräsident Schad
Bei einer Sondersitzung am Samstag , 19. September, stimmen die pfälzischen Synodalen darüber ab, wer zukünftig das Amt von Kirchenpräsident Christian Schad übernimmt. Drei unterschiedlich profilierte Theologen - zwei Frauen und ein Mann - stehen zur Wahl.
18.09.2020
Hartmut Metzger
epd

Wenn die pfälzische Landessynode am 19. September in Speyer zusammenkommt, um einen neuen Kirchenpräsidenten oder eine neue Kirchenpräsidentin zu wählen, kann es spannend werden: Der Ausgang dieser Wahl ist nach Einschätzungen aus den vier kirchenpolitischen Gruppen, die in der Synode die Meinungsbildung organisieren, so offen wie noch nie. Zum einen ist angesichts der aktuellen Kirchenkrise das besondere Profil jedes einzelnen Kandidaten gefragt. Zum anderen gibt es die früher doch recht verbindlichen Absprachen in Personalfragen schon seit einigen Jahren nicht mehr. Der neue Kirchenpräsident oder die neue Kirchenpräsidentin soll die Evangelische Kirche der Pfalz in den nächsten sieben Jahren in einem möglichst breiten Konsens repräsentieren. Kirchenpräsident Schad, der auch der Union Evangelischer Kirchen (UEK) vorsteht, geht Ende Februar 2021 in den Ruhestand.

Leitungserfahren und reformfreudig

Drei Personen bewerben sich um die Nachfolge:  Die 58-jährige Marianne Wagner lebt in Neustadt an der Weinstraße und ist seit 2016 als Oberkirchenrätin zuständig für das theologische Personal und Planungsfragen. Zudem ist sie die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten. Dorothee Wüst ist 55 Jahre alt und wohnt in Kaiserslautern. Seit 2019 kümmert sie sich, ebenfalls als Oberkirchenrätin, um Schul- und Bildungsfragen. Der 59-jährige Albrecht Bähr kommt aus dem saarpfälzischen Kirkel. Er ist seit 2002 Beauftragter der Diakonie in Rheinland-Pfalz und seit 2011 Diakoniepfarrer der Landeskirche.



Albrecht Bähr ist aufgrund seiner vielfältigen diakonischen Aufgaben nicht nur leitungserfahren, sondern auf der kommunal- und landespolitischen Ebene auch sehr gut vernetzt. Vor dem Hintergrund hoher Austrittszahlen und erheblicher finanzieller Probleme sieht er die Landeskirche an einem Wendepunkt: "Behutsame Veränderungen reichen nicht mehr aus", sagt er. Mehr Führung sei nötig, um die Prozesse zu bündeln und es den Gemeinden zu ermöglichen, ihre Arbeit vor Ort sicherzustellen. Die Kirche müsse diakonischer in Erscheinung treten und sich von ihren steifen, dem Staat ähnlichen Strukturen befreien. Er fühle sich belastbar und stehe für die Präsenz vor Ort, sagt Bähr.

Urvertrauen gegen Machtverlust

Auch Marianne Wagner bringt Leitungserfahrung aus ihrer weltweiten Tätigkeit in der Mission und im Pfarramt für Weltmission und Ökumene mit. Sie gilt als eine erfahrene Moderatorin und versteht die Krise der Kirche an erster Stelle als eine geistliche Herausforderung. Strukturen seien Hilfsmittel und keine Heilmittel zur Erneuerung der Kirche, sagt sie. Kirche müsse Neues wagen, um den Menschen von heute mit dem Evangelium zu dienen. Wagner will einer um sich greifenden Angst vor Machtverlust ein Mehr an christlichem Urvertrauen entgegensetzen. Kirche müsse ein Ort sein, an dem Menschen ins Gespräch kommen, untereinander und mit Gott.

Dorothee Wüst sammelte ihre Führungserfahrung vor allem in der Landeskirche. Sie war Gemeindepfarrerin sowie ab 2012 Dekanin in Kaiserslautern. Sie hält Veränderungen in der Kirche an vielen Stellen für erforderlich: "Wir erleben, dass Menschen mit den Fragen ihres Lebens ringen, aber bei uns keine Antworten mehr vermuten." Kommunikation bezeichnet sie als einen Schlüsselbegriff für kirchliches Handeln und das Evangelium von Jesus Christus als "nach wie vor das Beste, was dieser Welt passieren kann". Dafür müsse Kirche vor Ort erreichbar, ansprechbar und auskunftsfähig sein.

In den vier kirchenpolitischen Gruppen - der Arbeitskreis Offene Kirche (AOK), die Kirchlich-Theologische Arbeitsgemeinschaft (KTA), der Synodale Gesprächskreis (SGK) und das Synodale Forum - ist man sich einig: Die pfälzische Landessynode hat eine echte Wahl, und falsch wählen kann die Synode kaum.