EKD-Ratsvorsitzender bestürzt über Lage im Flüchtlingslager Moria

Der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm

©epd-bild/Christian Ditsch

Der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, ist bestürzt über die Situation im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.

EKD-Ratsvorsitzender bestürzt über Lage im Flüchtlingslager Moria
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat "mit Trauer und Entsetzen" auf die Bilder vom brennenden Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos reagiert.
09.09.2020
epd/evangelisch.de

Der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, hat seine Bestürzung über die Situation im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos zum Ausdruck gebracht. "Mit Trauer und Entsetzen habe ich heute Morgen die Bilder vom brennenden Lager Moria gesehen", erklärte Bedford-Strohm am Mittwoch: "Das Ausmaß des Brandes lässt Schlimmes befürchten. Noch ist unklar, ob Menschen zu Tode gekommen sind. Meine Befürchtungen sind groß. Und meine Gebete intensiv."

"Das Leid, das Tausende Menschen dort seit Monaten ertragen, lässt sich kaum in Worte fassen", fügte Bedford-Strohm hinzu, der auch bayerischer Landesbischof ist. Seit langer Zeit sei auf die schlimmen Zustände in dem Lager hingewiesen und Abhilfe gefordert worden. "Trotzdem durften nur wenige Menschen das Lager verlassen. Die vollständige Überfüllung ist geblieben", kritisierte der EKD-Ratsvorsitzende. Jetzt müsse den Menschen sofort und dauerhaft geholfen werden.

"Ein Alptraum, für den es kaum Worte gibt"

Auch Diakonie-Präsident Ulrich Lilie äußerte sich bestürzt über die aktuelle Situation in Moria. "Das Worst-Case-Szenario ist nun eingetreten, vor dem wir seit Monaten warnen: Die Feuer in Moria sind ein Fanal der Hoffnungslosigkeit und Wut, wei noch immer keine menschenwürdige Lösung gefunden wurde", sagte Lilie am Mittwoch. "Hier tragen wir, Deutschland und die EU, die Verantwortung."

Nach Berichten von Helfern sei rund ein Drittel von Moria abgebrannt, betroffen sei unter anderem das Zentrallager, schrieb der Geschäftsführer der Organisation Wadi, Thomas Osten Sacken, am Mittwochmorgen auf Facebook. Auf den von ihm veröffentlichten Bildern waren zerstörte Notunterkünfte und qualmende Flächen zu sehen. Es sei "ein Alptraum, für den es kaum Worte gibt".

"Wir sahen, wie sich das Feuer in Moria ausbreitete und die ganze Nacht wütete", berichtete Marco Sandrone von "Ärzte ohne Grenzen" aus Lesbos. Der Ort sei in Flammen eingeschlossen gewesen. "Wir sahen, wie die Menschen aus einer brennenden Hölle flüchteten." Kinder seien zutiefst verängstigt, die Eltern unter Schock.

Bewohner flohen vor dem Brand

Das Feuer in dem mit mehr als 12.000 Menschen völlig überfüllten Lager war laut der griechischen Nachrichtenagentur ANA gegen zwei Uhr in der Nacht ausgebrochen. Wie die offenbar mehreren Brände entstanden, war zunächst unklar. Tausende Menschen brachten sich nach Informationen der Hilfsorganisation medico international vor den Flammen in Sicherheit und irren nun über die Insel. Berichte über Verletzte oder Tote lagen zunächst nicht vor.

Dem Brand waren Proteste von Geflüchteten gegen ihre inhumane Unterbringung und Versorgung sowie gegen unzureichende Maßnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung mit Covid-19 vorausgegangen. Seit dem ersten offiziellen Corona-Fall Anfang September war die Zahl der bestätigten Fälle auf 35 angestiegen.

Flüchtlingslager Moria:

Moria auf der Insel Lesbos ist mit mehr als 12.000 Bewohnern das größte griechische Flüchtlingslager. In den vergangenen Jahren kam es bei Protesten gegen die Lebensbedingungen in den überfüllten Zelten immer wieder zu Bränden. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) setzte die Zusammenarbeit mit den Behörden beim Transport geretteter Flüchtlinge vom Hafen zum EU-Hotspot-Lager Moria wegen der Missachtung von Mindeststandards zweitweise aus.

Aufgrund der geografischen Lage der Insel in der nördlichen Ägäis vor der türkischen Küste ist Lesbos seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 das Ziel von Booten, die in den ersten Morgenstunden übersetzen. In den vergangenen Monaten soll die griechische Küstenwache einige der Boote in türkische Gewässer abgedrängt haben. Nichtregierungsorganisationen warfen den griechischen Behörden daraufhin illegale Zurückweisung von Flüchtlingen auf See vor.

Meldungen

Top Meldung
Die Vesperkirchen in Nürnberg und Schweinfurt sollen trotz hoher Corona-Infektionszahlen nicht ausfallen. Sie werden Anfang 2021 aber in neuer Form und deutlich kleiner geplant, wie die Organisatoren am Montag dem epd sagten.