Klöster Loccum und Amelungsborn öffnen sich für Frauen

Touristin im Kloster Loccum bei Nienburg

© epd-bild / Nigel Treblin

Jetzt dürfen Frauen nicht nur als Touristen bei Führungen im Kloster Loccum bei Nienburg teilnehmen, sondern es können auch weibliche Mitglieder in das Konvent berufen werden.

Klöster Loccum und Amelungsborn öffnen sich für Frauen
Konvente ändern nach fast 900 Jahren ihre Verfassung
Rund 900 Jahre lang galten die Konvente der Klöster Loccum und Amelungsborn in Niedersachsen als Bastionen für Männer - obwohl durch Sonderregelungen auch bereits vereinzelt Frauen dort Mitglied waren. Jetzt haben sie ihre Verfassungs geändert.

Die evangelischen Klöster Loccum bei Nienburg und Amelungsborn bei Holzminden öffnen nach fast 900 Jahren ihre Konvente für Frauen. Künftig können auch weibliche Mitglieder in die Konvente berufen werden, wie beide Klöster am Dienstag mitteilten. Zuletzt beschloss das Kloster Loccum am Montagabend eine entsprechende Änderung seiner Verfassung. Dadurch könnten Frauen künftig auch als Priorin oder Äbtissin an die Spitze der Klöster rücken, hieß es. Als Konvent wird die Versammlung stimmberechtigter Mitglieder einer Gemeinschaft bezeichnet.

Der Beschluss solle nicht als Bruch mit einer jahrhundertealten Tradition verstanden werden, sondern als Respekt vor der vor vielen Jahrzehnten eingeführten Frauenordination, betonten der Prior des Klosters Loccum und Geistliche Vizepräsident der Landeskirche Hannovers, Arend de Vries, sowie der Hildesheimer Regionalbischof und Abt des Klosters Amelungsborn, Eckhard Gorka, in einer gemeinsamen Erklärung: "Wir erleben das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche und im Pfarramt als große Bereicherung und wünschen uns das in Zukunft auch für unsere Konvente."

Das 1163 gegründete Kloster Loccum in der ehemaligen Zisterziener-Abtei.

Die Konvente der beiden Klöster hätten diesen Beschluss in getrennten Sitzungen gefasst, hieß es. Der Entscheidung seien intensive theologische Beratungen und Abstimmungen mit den jeweils weiteren Mitgliedern der klösterlichen Familien vorangegangen, sagte Gorka.

Ehemalige Zisterzienserklöster

Die Klöster Loccum und Amelungsborn sind ehemalige Zisterzienserklöster. Bis zur Reformationszeit lebten dort Mönche, dann gingen die Klöster zum evangelischen Glauben über. Die heutigen Mitglieder des Konvents leben außerhalb der Klostermauern und kommen jeweils zu Tagungen in den Klöstern zusammen. In Loccum werden zudem angehende Pastorinnen und Pastoren ausgebildet.

Im Loccum gehörte mit der früheren Landesbischöfin Margot Käßmann bereits einmal eine Frau zum Konvent. Ihre Mitgliedschaft war jedoch in ihrem besonderen Amt begründet, nicht in einer Berufung. Gegenwärtig gehört die Studiendirektorin des Predigerseminars Loccum, Adelheid Ruck-Schröder, durch ihr besonderes Amt automatisch zum Konvent. Formal blieb es bislang jedoch bei der Regelung, dass Frauen nicht durch Berufung Mitglied des derzeit 14-köpfigen Konvents werden können.

Das Kloster Amelungsborn wurde 1135 aus dem niederrheinischen Kloster Altenkamp heraus gegründet. Das Kloster Loccum wurde 1163 vom thüringischen Volkenroda aus gegründet und trat 1593 der Reformation bei.

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