Heinrich Bedford-Strohm verteidigt EKD-Zukunftspapier

Heinrich Bedford-Strohm im Interview

©epd-bild/Norbert Neetz

Heinrich Bedford-Strohm hat das Zukunftspapier der evangelischen Kirche gegen Kritik verteidigt, in dem es unter anderem um die Gliederung in Gemeinden geht.

Heinrich Bedford-Strohm verteidigt EKD-Zukunftspapier
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat das Zukunftspapier der evangelischen Kirche gegen Kritik verteidigt. Darin gehe es etwa nicht um die Aufgabe der ortskirchlichen Gemeindestruktur der Kirche, sagte Bedford-Strohm.

Das Zukunftspapier hatte eine Debatte unter Theologen ausgelöst. Die Autoren des Papiers wollten die Ortskirchengemeinden schwächen, hieß es unter anderem. Die Leitsätze sollen im November auf der EKD-Synode diskutiert werden.

Nicht nur Menschen wie er, "die geprägt sind von der Erfahrung des Gemeindepfarramts, sehen natürlich genau, welche Bedeutung ein weit verzweigtes Netz aus ortsnahen Gemeinschaften besitzt, in denen jeder weiß, dass da jemand ist, an den man sich wenden kann", sagte Bedford-Strohm in dem Interview des evangelischen Magazins "zeitzeichen". Das stehe aus seiner Sicht nicht infrage. Aber dennoch müssten auch diese "parochialen Strukturen auf den Prüfstand". Parochie meint die regionale Struktur einer Kirche, im engeren Sinn die Gliederung in Gemeinden.

Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist, warb für eine stärkere Verknüpfung der kirchlichen Angebote: "Sie alle müssen sich vernetzen, noch viel mehr, als sie es jetzt schon tun. Wir müssen an diesem Punkt viel mehr Dynamik entwickeln und endlich damit aufhören, in zwei oder mehr benachbarten Parochien etwas parallel zu machen, was man auch gut gemeinsam machen könnte." Die neuen digitalen Medien seien dabei eine große Hilfe. Die digitalen Vernetzungsmöglichkeiten könnten auch die Pfarrerinnen und Pfarrer entlasten. Das schaffe mehr Raum, mehr Zeit für die Seelsorge.

"Wir müssen jetzt das Neue machen"

Die Kirche müsse mit Blick auf ihre Zukunft zudem fragen, "was die Menschen brauchen und ersehnen und welche Institution Kirche es dazu braucht, um die gute Botschaft des Evangeliums da hineinzusprechen". "Wenn man diese Frage so radikal stellt, dann ist alles auf dem Prüfstand", sagte Bedford-Strohm. Dann gebe es keine Dinge mehr, die nicht antastbar sind. "Wir neigen dazu, Dinge fortzuführen, die ihre Zeit eigentlich schon gehabt hatten, und fügen dann neue Dinge hinzu", erklärte er. "Das geht nicht mehr, auch deshalb nicht, weil wir das Geld dazu nicht mehr haben. Wir müssen jetzt das Neue machen."

Unter dem Titel "Kirche auf gutem Grund" hat die EKD Ende Juni elf Leitsätze veröffentlicht. Angesichts schwindender wirtschaftlicher Ressourcen und zunehmender gesellschaftlicher Säkularisierung soll das Papier die Basis der Diskussion und Entscheidungsfindung für die Zukunft der evangelischen Kirche sein. In dem Dokument heißt es wörtlich: "Parochiale Strukturen werden sich wandeln weg vom flächendeckenden Handeln hin zu einem dynamischen und vielgestaltigen Miteinander wechselseitiger Ergänzung."

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