Bedford-Strohm: Flüchtlingssommer 2015 war Erfolgsgeschichte

Bedford-Strohm: Flüchtlingssommer 2015 war Erfolgsgeschichte
11.08.2020
epd-Gespräch: Christiane Ried
epd

Dass seit dem Spätsommer 2015 Hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland ein neues Leben beginnen konnten, ist für den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, eine "Erfolgsgeschichte für unser Land". Natürlich habe es Schwierigkeiten gegeben, sagte Bedford-Strohm dem Evangelischen Pressedienst (epd) in München: "Wir mussten ja erst einmal lernen, wie wir all diese Menschen integrieren können." Inzwischen seien rund eine halbe Million Flüchtlinge entgegen aller anfänglichen Befürchtung in Arbeit oder Ausbildung. "Das ist doch eine riesige Leistung", betonte der bayerische Landesbischof.

Der Spätsommer 2015 ist in die Geschichte eingegangen: Tag für Tag kamen damals in der ersten Septemberhälfte Tausende Flüchtlinge über die Balkan-Route nach München. Am Hauptbahnhof wurden sie unter Beifall von zahlreichen Münchner begrüßt und von Ehrenamtlichen mit Essen und Trinken versorgt. Die Bilder der deutschen Willkommenskultur gingen damals um die Welt. Bedford-Strohm, der sich zusammen mit dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx damals selbst einen Blick von der Lage am Hauptbahnhof gemacht hatte, zeigt sich selbst fünf Jahre danach immer noch bewegt von der damaligen Hilfsbereitschaft. "Das war ein starker Moment in unserer deutschen Geschichte", sagte er.

Aber natürlich habe es infolge der Ereignisse Hetze und Hass von rechtspopulistischer Seite gegeben, räumte Bedford-Strohm ein. Verstärkt habe sich diese Dynamik durch die sozialen Netzwerke - Angst- und Hassbotschaften würden nun mal häufiger angeklickt. Daher sei es nicht gerade förderlich gewesen, dass Politiker Begriffe wie "Asyltourismus" oder "Asylmissbrauch" in den Mund genommen hätten, bedauerte Bedford-Strohm: "Das hat den Rechtspopulisten nur in die Hände gespielt." Er sei daher froh, dass sich am Ende doch die Stimmen der Vernunft durchgesetzt hätten. "Man holt sich ja keine Stimmen von der AfD zurück, indem man selbst deren Wortwahl gebraucht", sagte er.

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