Ziemlich "Engagierter Ruhestand" im Seniorentreff

Pensionär Wolfgang Hauck

© epd-bild/Seebald

Wolfgang Hauck schied als Telekom-Beamter vorzeitig aus dem Job und machte einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Pirmasenser Begegnungszentrum „Mittendrin“ der pfälzischen Diakonie. Dort organisierte er den Seniorentreff mit.

Ziemlich "Engagierter Ruhestand" im Seniorentreff
Pensionär Hauck hilft Begegnungszentrum "Mittendrin" der pfälzischen Diakonie
Der Jung-Pensionär Wolfgang Hauck hat einen Bundesfreiwilligendienst in einer diakonischen Einrichtung absolviert und ein Jahr lang einen Seniorentreff organisiert. Beide Seiten profitierten davon.

Wolfgang Hauck schied als Telekom-Beamter vorzeitig aus dem Job. Möglich machte es das Programm "Engagierter Ruhestand" im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes. Der heute 60-Jährige aus der Südwestpfalz war der erste Teilnehmer bei der Diakonie.

Hauck hilft nun 15 Stunden in der Woche ehrenamtlich weiter mit im Begegnungszentrum "Mittendrin" der pfälzischen Diakonie in Pirmasens. "Man braucht eine Beschäftigung und ein Ziel", sagt der ehemalige Telekom-Mitarbeiter aus Höheinöd im Landkreis Südwestpfalz. Gemeinsam mit einer anderen Helferin organisierte er ein Jahr lang den Seniorentreff in der Einrichtung: Er besuchte ältere Menschen, veranstaltete Gesprächsrunden und Vorträge. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte Hauck seinen Bundesfreiwilligendienst (BFD) abgeleistet, vermittelt hatte ihn das Referat für Freiwilligendienste der Diakonie in Speyer.

Abschlagsfrei war Hauck, der auch Presbyter in seiner Heimatgemeinde ist, aus seinem Job in das Programm "Engagierter Ruhestand" gewechselt - als erster Absolvent überhaupt im Bereich der pfälzischen Diakonie. Es bietet Beamtinnen und Beamten der Postnachfolgeunternehmen Deutsche Post, Postbank und Telekom ab 55 Jahren die Möglichkeit, früher in den Genuss des Ruhestands zu kommen. Voraussetzung: Sie müssen einen zwölfmonatigen Bundesfreiwilligendienst absolvieren, eine gemeinnützige Tätigkeit im Umfang von 1.000 Stunden verrichten oder einen Familienangehörigen pflegen.

"Die Leute suchen eine Station, um anzudocken"

Als Mittfünfziger habe er sich bei der Telekom als "unerwünschter Posten" gefühlt und sei gerne ausgeschieden, erzählt Hauck. Ursprünglich arbeitete er im Bereich Fernsprech-Entstörung und übernahm dann verschiedene Verwaltungstätigkeiten. Sein berufliches Wissen konnte der junge Ruheständler gut für sein Ehrenamt nutzen. Er kümmerte sich um Senioren, machte für sie Erledigungen, führte durch eine Fotoausstellung mit Ansichten von Alt-Pirmasens. Das Begegnungszentrum sei gerade für ältere Bewohner in der unter Armut und hoher Arbeitslosigkeit leidenden Stadt eine wichtige Adresse, sagt er. "Die Leute suchen einen Halt, eine Station, wo sie andocken können."

Mehr als 8.000 Besucherkontakte habe das vor zwei Jahren eröffnete "Mittendrin" im vergangenen Jahr gezählt - und sei deshalb sehr dankbar für den Einsatz von älteren Ehrenamtlichen, sagt Sozialpädagogin Hanna Neu. Diese könnten in allen Arbeitsbereichen ihre Lebenserfahrung einbringen und das hauptamtliche Team ergänzen. Die BFD-Absolventen höheren Lebensalters bildeten eine Schnittstelle zu älteren Bürgerinnen und Bürgern in der Stadt.

"Ein offenes Miteinander"

Damit die Ehrenamtlichen des Diakonischen Werks sich bei ihrer Tätigkeit wohlfühlen, werden sie betreut. Regelmäßig gibt es Seminare, wo sie sich gegenseitig austauschen und mögliche Sorgen ansprechen können. Ein 65-jähriger Nachfolger von Wolfgang Hauck kümmert sich derzeit um die Gäste des Begegnungszentrums.

Besonders den Austausch mit den meist jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei Seminartagen schätzte BFD-Absolvent Hauck. "Es war ein offenes Miteinander", erinnert er sich. Wichtig sei es für ältere Menschen, die sich für den ehrenamtlichen Dienst interessieren, dass sie auf andere offen zugehen und gut zuhören könnten, sagt er.

Seine Frau, Freunde und Bekannte hätten seinen Einsatz als "engagierter Ruheständler" übrigens prima gefunden. Einen solchen Dienst würde er jederzeit wieder machen, versichert Wolfgang Hauck. "Es bringt einem selbst etwas, und man lernt viele Leute kennen."