75 Jahre Hiroshima: Rotes Kreuz warnt vor neuem Atombomben-Einsatz

75 Jahre Hiroshima: Rotes Kreuz warnt vor neuem Atombomben-Einsatz

Das Rote Kreuz hat 75 Jahre nach dem ersten Atombombenabwurf in einem Krieg über Hiroshima vor einem neuen Einsatz der Massenvernichtungswaffen gewarnt. Das Risiko sei so groß wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr, betonte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, am Dienstag in Genf. Die katholische Friedensorganisation "Pax Christi" fordert die weltweite Ächtung von Atomwaffen.

Das Rote Kreuz erklärte, zunehmend seien Staaten mit Nuklearwaffen in Konflikte verwickelt, die Drohungen mit einem Einsatz nähmen zu. Verträge zum Abbau der Atomwaffen würden ignoriert oder nicht verlängert. Zudem würden neue Waffen entwickelt. Die Welt sei einem neuen furchteinflößenden atomaren Wettrüsten ausgesetzt, mahnte der Rot-Kreuz-Präsident.

Maurer forderte alle Staaten auf, dem Atomwaffenverbotsvertrag von 2017 beizutreten. Das Abkommen ächtet die Entwicklung, die Tests, die Produktion, die Lagerung, die Stationierung, die Weitergabe, den Einsatz und die Drohungen mit Atomwaffen. Die Vereinbarung ist jedoch noch nicht in Krafft. Die fünf offiziellen Atommächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien lehnen den Vertrag ab. Auch die Bundesregierung hat sich dagegen ausgesprochen.

Am 6. August 1945 hatte ein US-Militärflugzeug durch den Abwurf der Bombe auf die japanische Stadt Hiroshima schätzungsweise 70.000 Menschen sofort getötet. Drei Tage später fiel eine Atombombe auf Nagasaki. Weitere Zehntausende Menschen kamen sofort ums Leben. Bis 1950 starben laut IKRK insgesamt 340.000 Menschen an den Folgen wie Verstrahlungen. Mit den Angriffen wollten die USA im Zweiten Weltkrieg Japan zum Aufgeben zwingen.

Heute verfügen laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri neun Staaten über 13.400 teilweise hochmoderne Sprengköpfe, von denen mehr als 3.700 gefechtsbereit sind. Die USA und Russland kontrollieren über mehr als 90 Prozent der Kriegsinstrumente.

Pax Christi forderte die weltweite Ächtung von Atomwaffen und appellierte an die Bundesregierung, den Atomwaffenverbotsvertrag der UN zu unterzeichnen. Die Bedrohung des gesamten Lebens auf der Erde durch diese Waffen sei auch noch 75 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki "grausame Realität", erklärte der Präsident der deutschen Sektion von Pax Christi, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Die mehr als 200.000 Opfer der Angriffe vom August 1945 "mahnen uns alle eindringlich, für Abrüstung und für eine Welt ohne Atomwaffen einzutreten".

epd her/lmw ug

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