EKD-Ratsvorsitzender kritisiert Verantwortungslosigkeit Europas bei der Seenotrettung

Vorgereitungen  auf der Seawatch4

© flickr/ Philipp Guggenmoos

Rettungswesten sind ein elementarer Teil der Sicherheitsausrüstung der "Sea-Watch 4" , denn viele Menschen an Bord der kleinen Boote tragen keine Rettungswesten. Das von der Kirche mit finanzierte Schiff "Sea-Watch 4" soll Mitte August auslaufen.

EKD-Ratsvorsitzender kritisiert Verantwortungslosigkeit Europas bei der Seenotrettung
Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat die private Seenotrettung im Mittelmeer erneut gegen Kritik verteidigt. Das von der Kirche mit finanzierte Schiff "Sea-Watch 4" soll Mitte August auslaufen.

"Eigentlich müssten die Staaten Europas die Seenotrettung übernehmen. Das tun sie aber nicht, und deshalb braucht es Schiffe wie die 'Sea-Watch 4'. Damit nicht noch mehr Menschen ertrinken", sagte Heinrich Bedford-Strohm in einem Interview der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Die "Sea-Watch 4" wurde vom Bündnis "United4Rescue" finanziert, das maßgeblich von der EKD initiiert wurde. Wie eine Sea-Watch-Sprecherin sagte, soll das Schiff Mitte August auslaufen.

"Sollte die Mission behindert werden, werden wir uns für die Crew und die geretteten Menschen einsetzen", fügte Bedford-Strohm hinzu. Politiker, die sich auf das Christentum beziehen und gleichzeitig zivile Seenotretter behindern, müssten sich die Frage gefallen lassen, "wie sich die christlichen Grundorientierungen eigentlich in ihrem politischen Handeln niederschlagen", sagte der Theologe, der auch bayerischer Landesbischof ist. Dass mehr Menschen auf die Schlauchboote gehen, wenn gerettet wird, stimme laut entsprechenden Studien schlicht nicht: "Menschen ertrinken zu lassen, ist unabhängig davon keine humane Option", sagte Bedford-Strohm.

Die Idee eines kirchlichen Seenotrettungsschiffs im Mittelmeer geht auf den evangelischen Kirchentag in Dortmund 2019 zurück. Im Januar ersteigerte das Bündnis das Schiff für 1,3 Millionen Euro - 1,1 Millionen Euro waren Spenden. "United4Rescue" gehören mittlerweile mehr als 500 Organisationen und Unternehmen an. Im Februar wurde die "Sea-Watch 4" getauft und an den Verein Sea-Watch übergeben, der das Schiff im Auftrag des Bündnisses betreibt. Nach den ursprünglichen Plänen sollte das Schiff schon zu Ostern in See stechen. Die Einschränkungen wegen der Corona-Krise verzögerten dies. Derzeit liegt das Schiff im spanischen Burriana vor Anker, wo es umgebaut wurde.

Meldungen

Top Meldung
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zur Interkulturellen Woche
Hass, Antisemitismus oder Ausgrenzungen nicht tatenlos zusehen: Bei der bundesweiten Eröffnung der Interkulturellen Woche haben Religionsvertreter gemahnt, gemeinsam für Werte einzustehen.