Zentralrat der Muslime stellt sich hinter Mitgliedsorganisation Atib

Zentralrat der Muslime stellt sich hinter Mitgliedsorganisation Atib

Der Zentralrat der Muslime (ZMD) stellt sich hinter den in der Kritik stehenden Verband Atib ("Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa"). "Der ZMD begrüßt nach ersten Gesprächen mit dem Atib-Vorstand, dass dieser einen unabhängigen Wissenschaftler einzusetzen bereit ist", teilte der Zentralrat dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch mit. Dieser solle nun untersuchen und aufarbeiten, inwiefern die Behauptungen einer Verbindung zu den sogenannten Grauen Wölfen und weiteren rechtsextremen Kreisen zutreffend seien. Der Zentralrat bemühe sich zudem um einen Termin beim Bundesamt für Verfassungsschutz, "um rechtlich einwandfreie Wege zu erörtern, diesen Eintrag zu revidieren".

Nach der Veröffentlichung des Verfassungsschutzberichts 2019 gab es aus der Unionsfraktion und von den Linken Kritik an der Zusammenarbeit der Politik mit dem Zentralrat der Muslime. Im aktuellen Bericht rechnet das Bundesamt für Verfassungsschutz erstmals den Verband Atib den türkischen Rechtsextremisten der "Grauen Wölfe" zu. Atib ist Gründungsmitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland.

Wenn der Zentralrat weiterhin Gesprächspartner des deutschen Staates sein wolle, müsse er sich von der Mitgliedsorganisation Atib trennen, hatte der innenpolitische Sprecher Mathias Middelberg (CDU) der "Welt" (Mittwoch) gesagt. Andernfalls werde der in Köln ansässige Islamverband seinem Anspruch nicht gerecht, die Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft zu fördern. "Das türkisch-nationalistische Wirken der Atib verhindert Integration und ist Gift für unsere Gesellschaft", hatte Middelberg erklärt.

Auch die Linke hatte Kritik geäußert. Es könne nicht angehen, dass etwa bei antirassistischen Gedenkveranstaltungen Vertreter der Atib "unter dem Deckmantel des Zentralrats neben Vertretern von Bundes- und Landesregierungen" teilnehmen, sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, der Zeitung.

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