Haseloff vermisst das Miteinander der Konfessionen in der DDR

Haseloff vermisst das Miteinander der Konfessionen in der DDR

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vermisst eine in der DDR gelebte selbstverständliche Verbundenheit der beiden großen christlichen Kirchen. "Auf Grund der Minderheiten-Situation gab es ein geistliches Miteinander", sagte der bekennende Katholik der in Weimar erscheinenden mitteldeutschen Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" (Ausgabe zum 19. Juli). Das habe bis zu den Wahlen im Jahr 1990 angehalten. "Auch wenn wir für unterschiedliche Parteien angetreten sind, saßen wir doch auf den gleichen Kirchenbänken", erinnerte er sich. Im Einigungsprozess sei dann auf einmal wenig Platz gewesen, diese Erfahrungen aus der Diktatur einzubringen.

Er bedauere, dass dieses gemeinsame Unterwegssein nicht fortgeführt wurde, sagte Haseloff. Heute könnten die Erfahrungen hilfreich sein, "weil wir als Christen, jetzt bundesweit, wieder eine Minderheit sind." Deshalb sehe er die Kirchen als eine Gemeinschaft, die zusammengehöre. "Das Gemeinsame ist viel stärker als das Trennende", unterstrich Haseloff.

Dennoch halte er ein Marginalisieren der Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten für die schlechtere Variante. "Ich sehe das an der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die ja nicht lutherisch ist", erklärte er. Das finde er als Ministerpräsident des Luther-Landes schade. Sollten die Sakramente keine Rolle mehr spielen, dann sei man schnell bei einer Beliebigkeit angelangt. Die Sakramente sind die wichtigsten Feiern der Kirche. Nach katholischer Lesart gibt es sieben Stück, nach evangelischer Deutung mit Taufe und Abendmahl nur zwei.

Thüringens Altbischof Christoph Kähler wandte sich entschieden gegen die Darstellung Haseloffs, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland sei nicht "lutherisch". Diese Aussage sei "grundfalsch", schrieb der emeritierte Theologieprofessor in einem Gastbeitrag für "Glaube+Heimat". Kähler, von 2001 bis 2009 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, verwies auf die Präambel der EKM-Kirchenverfassung. Darin stehe eindeutig, dass sie eine Kirche der lutherischen Reformation sei.

Auch dass die Sakramente in der evangelischen Kirche keine Rolle mehr spielten, wie Haseloff an anderer Stelle des Interviews bemerkt habe, hält der 76-Jährige für einen "veralteten Verdacht". Mit der ernsthaften Abendmahlspraxis in evangelischen Gemeinden habe das nichts zu tun, so der Altbischof, der maßgeblich an der Fusion seiner Landeskirche mit der der Kirchenprovinz Sachsen 2009 beteiligt war.

epd lob/cez

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