Landessynode: Hannoversche Kirche ringt mit Folgen der Corona-Krise

Kirchensteuer

© Hendrik Schmidt/zb/dpa

Die Corona-Pandemie reißt riesige Löcher in die Etats der hannoverschen Landeskirche.

Landessynode: Hannoversche Kirche ringt mit Folgen der Corona-Krise
Finanzchef erwartet dramatische Ausfälle bei der Kirchensteuer

Die hannoverschen Landeskirche steht aufgrund der Corona-Krise vor großen finanziellen Herausforderungen. "Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Finanzlage der Landeskirche sind dramatisch", sagte Finanzchef Rolf Krämer am Freitag vor der in Hannover tagenden evangelischen Landessynode, dem Kirchenparlament. Allein im Jahr 2020 könnten am Ende bis zu 90 Millionen Euro in der Kasse fehlen, um den Haushalt von 640 Millionen Euro auszugleichen. Kredite könne die Kirche nicht aufnehmen: "Wer sollte diese Kredite denn zurückzahlen?"

Viele Kirchenmitglieder seien durch die Krise arbeitslos geworden oder in Kurzarbeit und zahlten somit keine Kirchensteuern, erläuterte Krämer. Im vergangenen Jahr hatte Deutschlands größte evangelische Landeskirche noch 611 Millionen Euro an Kirchensteuern eingenommen. Zwar gebe es eine Risikorücklage von 130 Millionen Euro, aus der das Haushaltsloch für 2020 gedeckt werden könnte. Der Finanzchef plädierte jedoch dafür, das Defizit möglichst durch Einsparungen auszugleichen. Die Planungen für die nächsten Jahre würden zum "Drahtseilakt". Mitgliederverluste verschärften die Situation zusätzlich.

In der Debatte sagte die Synodale Christine Lührs, viele junge Menschen träten aus der Kirche aus, weil sie sich die Kirchensteuern sparen wollten. Die Kirche müsse ihre Arbeit verändern und "auf den Marktplatz gehen", um diese Menschen zu erreichen. Finanzchef Krämer antwortete, durch alternative Modelle zur Kirchensteuer ließen sich die Einnahmen nicht steigern. "Das Gegenteil wird in ganz dramatischer Weise der Fall sein."

Landesbischof Ralf Meister bezweifelte, dass Reformen bei der Kirchensteuer den Mitgliederschwund in der Kirche bremsen können. "Ich bin skeptisch, ob Veränderungen am Kirchensteuermodell oder der Höhe der Kirchensteuer wirklich etwas an den Austrittszahlen ändern würden", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande der Synodentagung. Ermäßigte Kirchensteuersätze für Berufseinsteiger etwa würden am Ende nicht viele Austritte verhindern. Die Kernfrage sein, ob die Menschen grundsätzlich bereit seien, die Kirche mit einem Teil ihres Einkommens zu unterstützen.

Im vergangenen Jahr hatten bundesweit rund 540.000 Menschen der evangelischen oder der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. In der hannoverschen Landeskirche waren es mehr als 30.000. Trotz der Mitgliederverluste schloss die Landeskirche das zurückliegende Haushaltsjahr mit einem leichten Plus ab. Der Etat für 2019 weist Einnahmen von 669,8 Millionen Euro und Ausgaben von 662,7 Millionen Euro aus.

Der Ausschussvorsitzende Jörn Surborg rief die Delegierten dazu auf, die Innovationen aus den Anfängen der Corona-Krise mit in den kirchlichen Alltag zu nehmen. "Wir müssen uns verstärkt neuen Angeboten öffnen", sagte er. "Ich bin etwa ein Fan unserer sonntäglichen Internet-Gottesdienste." Zur hannoverschen Landeskirche gehören 1.235 Gemeinden mit 2,4 Millionen Mitgliedern zwischen Hann. Münden und der Nordsee.

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