Mennonitengemeinde in Euskirchen unter Quarantäne

Mennonitengemeinde in Euskirchen unter Quarantäne

Rund 500 Mitglieder einer Freikirchen-Gemeinde im rheinländischen Euskirchen stehen Medienberichten zufolge wegen Corona-Verdachts unter Quarantäne. Der Landrat Günter Rosenke (parteilos) hatte bereits am Freitag eine zweiwöchige Quarantäne für Mitglieder der mennonitischen Brüdergemeinde angeordnet. Die Regeln gelten laut der Verfügung seit Samstag für alle Menschen, die an Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen teilgenommen haben sowie für alle Gemeindemitglieder und deren Haushalte. Zuvor waren Corona-Infektionen in einer zwölfköpfigen Familie festgestellt worden, die der freikirchlichen Gemeinde angehört.

Im Mai war es auch in anderen Freikirchen in Deutschland zu Corona-Infektionen gekommen: bei einer Baptistengemeinde in Frankfurt am Main und einer freikirchlichen evangelischen Pfingstgemeinde in Bremerhaven. Im aktuellen Fall in Euskirchen sollen nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" (Dienstag) alle Gemeindemitglieder bis Ende der Woche getestet werden. Gottesdienste seien in der Gemeinde verboten. Die Gemeinde habe dem Kreis eine Liste mit allen Mitgliedern zur Verfügung gestellt, damit das Gesundheitsamt schnellstmöglich die Kontaktpersonen ermitteln könne. Zudem sei die Mennonitische Schule geschlossen worden, die die Kinder der infizierten Familie besucht hatten.

Die Mennoniten gelten als eine der historischen Friedenskirchen, weil sie schon früh gegen jede Form von Krieg und Gewalt ihre Stimme erhoben haben. In Deutschland gibt es nach eigenen Angaben derzeit rund 40.000 Mennoniten in etwa 200 Gemeinden. Die Glaubensbewegung entstand Ende des 16. Jahrhunderts, sie ist nach dem niederländisch-friesischen Theologen Menno Simons (um 1496-1561) benannt. Die heutigen Mennoniten sind Nachfahren der Täufer-Bewegung, die auch als "linker Flügel" der Reformation gilt und - auch von anderen Protestanten - grausam verfolgt wurde. Die Täufer setzten sich für radikalere soziale Reformen im Christentum ein als etwa die Reformatoren Martin Luther und Ulrich Zwingli. Im 19. Jahrhundert wanderten viele Mennoniten aufgrund rechtlicher Beschränkungen und Verfolgungen in die USA und nach Kanada aus.

epd lwd/cez kfr

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