Barbusiger Protest gegen umstrittenen Bremer Pastor

Proteste gegen den umstrittenen Pastor der Gemeinde, Olaf Latzel

© epd-bild/Dieter Sell

Vor der evangelischen St.-Martini-Kirche in Bremen gibt es Proteste gegen den umstrittenen Pastor der Gemeinde, Olaf Latzel. Eine Aktivistin protestierte mit nackten Brüsten in Regenbogenfarben.

Barbusiger Protest gegen umstrittenen Bremer Pastor
Der Bremer Pastor Olaf Latzel polarisiert: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Volksverhetzung vor, seine Anhänger feiern ihn als bibeltreuen Christen. Am Sonntag gab es Protest beim letzten Gottesdienst Latzels vor einem verordneten Urlaub.
06.07.2020
Von Dieter Sell und Jörg Nielsen
epd

Eine einzelne Aktivistin hat am Sonntag eine besondere Form des Protests gegen den umstrittenen Bremer Pastor Latzel gewählt: Um ihre Ablehnung kundzutun, tauchte sie mit in Regenbogenfarben bemalten nackten Brüsten vor der evangelischen St.-Martini-Kirche in Bremen auf - kurz bevor dort der Gottesdienst beginnen sollte. Was Latzel predige, sei "ein Unding", sagte die Demonstrantin dem epd.

Der 52-jährige Theologe hatte im Oktober 2019 während eines "Ehe-Seminars" homosexuelle Menschen diffamiert. Die Staatsanwaltschaft hat ihn deshalb in der vergangenen Woche wegen Volksverhetzung und Verletzung der Menschenwürde angeklagt. "Wir befinden uns in einer schweren Auseinandersetzung", erklärte Martini-Kirchenvorsteher Jürgen Fischer am Sonntag nach dem Gottesdienst.

Nach der Anklage seien Kirchenleitung und Gemeinde in einem Dienstgespräch übereingekommen, dass der Pastor vom 9. Juli bis zum 24. August in den Urlaub gehe, erläuterte Fischer. Disziplinarrechtliche Schritte werde es in dieser Zeit nicht geben. Für Mitte August habe man sich erneut zu einem Dienstgespräch verabredet, um über das weitere Vorgehen zu reden.

Latzel hatte am Sonntag noch einmal gepredigt. Neben den Besuchern in der Kirche verfolgten im Internet knapp 2.600 Gäste seines Youtube-Kanals die Predigt.

Die Klage gegen Latzel wurde vor dem Amtsgericht in Bremen eingereicht, das nun prüft, ob es ein Gerichtsverfahren eröffnet. Im Verlauf des Seminares, das über Monate als Audio-Mitschnitt auf dem Youtube-Kanal des Pastors abrufbar war, hatte Latzel homosexuelle Menschen als Verbrecher und "todeswürdig" bezeichnet. Später hatte er sich entschuldigt und von einem Missverständnis gesprochen.

Disziplinarverfahren gegen Pastor eingeleitet

Die Bremische Evangelische Kirche hat ein Disziplinarverfahren gegen ihren Pastor eingeleitet, das bis zu einem Urteil des Gerichts aber ruht. Falls es ein Verfahren gebe, so nicht vor dem letzten Quartal des laufenden Jahres, sagte eine Gerichtssprecherin dem epd. Der Oldenburger Jura-Professor Volker Boehme-Neßler sagte dem epd, Latzel müsse im Falle einer Verurteilung aufgrund seiner Äußerungen mit einer Entlassung rechnen.

Kirchgänger reagierten mit Kritik auf die Klage der Staatsanwaltschaft und das kirchliche Disziplinarverfahren und lobten Latzel als bibeltreuen Theologen. "Homosexualität ist gegen die biblische Ordnung", sagte eine Gottesdienstbesucherin am Sonntag. Eine andere betonte, Latzel "ist mein Pastor". Die Vorwürfe seien unverständlich, hieß es mehrfach.

Latzel sollte eigentlich in den nächsten Wochen noch mehrfach predigen. Das dies jetzt nicht geschehe "war nicht vorgesehen", sagte er nach seiner letzten Predigt vor dem verordneten Urlaub.

Am Freitag hatte Bremens leitender evangelischer Theologe Bernd Kuschnerus gesagt, der Tatvorwurf und die Klage seien schwerwiegend. Evangelische Pastoren seien als Kirchenbeamte mit staatlichen Beamten vergleichbar. Beide unterlägen einer eingeschränkten Meinungsfreiheit, sagte der Experte für Öffentliches Recht und Rechtstheorie, Boehme-Neßler. Sie dürften weder in ihrer Arbeitszeit noch in ihrer Freizeit durch ihre Äußerungen oder ihr Verhalten dem Ansehen des Staates beziehungsweise der Kirche schaden.

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