Württembergische Landeskirche debattiert über virtuelle Abendmahlsfeiern

Württembergische Landeskirche debattiert über virtuelle Abendmahlsfeiern
Die württembergische Landeskirche wird sich eingehend mit der Möglichkeit von "medialen Abendmahlsfeiern" auseinandersetzen. Landesbischof Frank Otfried July sagte am Samstag in Stuttgart vor der Synode, vorschnelle Entscheidungen seien auch im Blick auf die Ökumene nicht hilfreich. 

Ob überhaupt und - wenn Ja - in welcher Form sie möglich werden könnten, will das Kirchenparlament erst entscheiden, wenn sich der Theologische Ausschuss der Synode und bei einem Fachtag voraussichtlich die gesamte Synode mit dem Thema beschäftigt haben. Landesbischof Frank Otfried July sagte am Samstag in Stuttgart vor der Synode, vorschnelle Entscheidungen seien auch im Blick auf die Ökumene nicht hilfreich. 

Es herrsche "dringender Klärungsbedarf", sagte der Vorsitzende des Theologischen Ausschusses der Synode, Hellger Koepff. Durch die infolge der Corona-Pandemie gottesdienstlose Passionszeit sei das Thema digitaler Abendmahlsfeiern auf die Tagesordnung gerückt. Für viele Protestanten ist die Passionszeit und speziell der Karfreitag ohne Abendmahl undenkbar. Da dieses Jahr zu der Zeit keine Gottesdienste stattfinden durften, gab es Abendmahlsfeiern bei Internetgottesdiensten. Die Kirchenleitung betrachtete dies jedoch kritisch.

Temporärer Abendmahl-Verzicht

Oberkirchenrat Ulrich Heckel, Leiter des Theologischen Dezernats der Landeskirche, verwies bereits auf die ökumenische Dimension von Entscheidungen zum Abendmahl. Das gab auch Landesbischof Frank Otfried July später zu bedenken. Er sagte, der Lutherische Weltbund plädiere eher für einen temporären Verzicht auf das Abendmahl, als vorschnell theologisch nicht abgesicherte Formen zu praktizieren. Heckel sprach sich für eine intensive Diskussion aus, deren Ziel sein müsse, "die Abendmahlskultur zu stärken, das Verständnis dafür zu profilieren und die anstehenden Fragen im Kontext einer digitalisierten Welt zu klären".

Professor Jürgen Kampmann von der Theologischen Fakultät in Tübingen erklärte, dass zwar die Vermittlung der biblischen Botschaft, des Evangeliums, in allen Medien möglich sei. Ein Abendmahlsgottesdienst enthalte aber Elemente, die eine "materiale Ebene" umfassen, nämlich die erlebte Gemeinschaft und Brot und Wein. Die Einsetzungsworte und diese Elemente des Abendmahls gehörten "unlöslich" zusammen.

Drei Anträge eingereicht

Offener betrachtete dagegen Steffen Kern, Synodaler und Vorsitzender des Evangelischen Gemeinschaftsverbands Württemberg, die Frage. Der Theologe sagte, es seien verschiedene Formen und Auffassungen eines virtuellen Abendmahls denkbar. So könnte beispielsweise der virtuelle Gottesdienst ein Zeitfenster bieten für ein Abendmahl in der Hausgemeinschaft. Jesus sei "nicht an Raum und Zeit gebunden", sondern nur an den Glauben, sagte Kern. 

Synodale stellten drei Anträge zum Thema. Einer zielt darauf ab, Online-Abendmahlsfeiern als gleichberechtigte weitere Form eines Abendmahls zuzulassen. Kern brachte den Antrag ein, "Fragen der Abendmahlspraxis in Sozialen Medien und Rundfunk breit zu erörtern und der Pluralität der Praxis Rechnung zu tragen". Der dritte Antrag lautete, zu "prüfen ob und wie bei und mittels Video- und Livestream-Gottesdiensten ein Abendmahl möglich ist" und wie dieses zu gestalten sei.

 

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