Evangelische Bibliotheken kämpfen gegen Geldnot und um Leser

Bibeln in der ev.-luth. Johanniskirche in Soltau

© epd-bild/Jens Schulze

Evangelische Büchereien kämpfen um ihre Leser.

Evangelische Bibliotheken kämpfen gegen Geldnot und um Leser
Finanzielle Probleme und sinkende Besucherzahlen beuteln die evangelischen Büchereien in Baden und Württemberg. Doch eine Lesergruppe bleibt ihnen treu - Kinder. Das Angebot soll daher noch besser auf sie zugeschnitten werden.
14.07.2020
Leonie Mielke
epd

Wann genau Brigitte Fuchs die Leitung der evangelischen Gemeindebücherei Rüppur übernommen hat, weiß sie gar nicht mehr. "Das muss über 40 Jahre her sein, aber ich mache es immer noch total gern", erzählt die Rentnerin. Damit ist sie in gewisser Weise eine "klassische Vertreterin" der evangelischen Büchereien in Baden und Württemberg, in denen zahlreiche langjährig engagierte Ehrenamtliche tätig sind. Doch viele der Büchereien ringen um ihr weiteres Bestehen.

Zum einen leiden sie unter finanziellen Problemen. Die Rüppurer Bücherei bekommt beispielsweise jährlich 500 Euro von der Gemeinde, damit könne sie ihren Bücherbestand aber nicht erhalten. "Wir zehn Ehrenamtliche verdienen deshalb noch auf zwei großen Basaren Geld dazu", sagt sie. Hinzu kämen noch Spenden.

Brigitte Fuchs leitet seit über 40 Jahren die Gemeindebücherei in Rüppur - ehrenamtlich.

Ähnlich ist auch die Situation der 22 anderen aktiven evangelischen Büchereien in Baden. "Es gibt keine einheitlichen Finanzkonzepte", berichtet Elvira Jung, Vorsitzende des Verbandrats der Evangelischen Büchereien in Baden und Leiterin der Bibliothek der Luthergemeinde Karlsruhe. Früher hätten alle Zuschüsse von ihrer Stadt, der Landeskirche und der Kirchengemeinde bekommen, inzwischen seien die Gelder der Stadt und der Landeskirche aber weggefallen. "Und die Gemeinden können ihre Büchereien mal mehr, mal weniger großzügig unterstützen", so Jung. Ergänzend nehmen die Büchereien oft an Flohmärkten oder Adventsbasaren teil.

Bildergalerie

Lesefutter: Kinderbücher zu religiösen Festen

Kommt, wir entdecken das Kirchenjahr

© eliport/Don Bosco Verlag, Martina Helms-Pöschko u. Christian Hüser, Illustrationen von Antje Bohnstedt, Petra Lefin u.a.

Kommt, wir entdecken das Kirchenjahr

© eliport/Don Bosco Verlag, Martina Helms-Pöschko u. Christian Hüser, Illustrationen von Antje Bohnstedt, Petra Lefin u.a.

Eselin Zippora erzählt Geschichten aus der Bibel oder über Menschen, die für Kirchenfeste wichtig sind. Damit verbinden sich Informationen zu zwanzig Kirchenfesten und Anregungen zu deren Gestaltung. Neben den zentralen christlichen Festen werden auch typisch evangelische und katholische Festtage mit ihrer Ursprungsgeschichte ihren Ritualen und Symbolen vorgestellt .Das Praxisbuch mit Liedern, Geschichten und bewegten Spielen eignet sich für die Gruppenarbeit in Kindertageseinrichtungen oder Kindergottesdienst.

Die Erzählung von Ostern und Pfingsten

© eliport/Gabriel Verlag, Rainer Oberthür. Ill. von Renate Seelig

Das Bibelbilderbuch umfasst Geschichten zu den Festen Ostern und Pfingsten - bibelnah, theologisch reflektiert und kindgerecht nacherzählt. In der "schwer zu erzählenden" Geschichte von Jesu Tod und Auferstehung stellt Rainer Oberthür Jesu Leben und Lehre in einen engen Zusammenhang.
Die Pfingstgeschichte verknüpft er mit der Schöpfungsgeschichte, der Erzählung von Jesu Taufe und weiteren biblischen Geschichten. Die detailreichen Illustrationen unterstreichen und ergänzen die Texte. Gut für jede Gemeinde- und Schulbücherei.

Der Chamäleonvogel

© eliport/Gütersloher Verl.ag, Hermann-Josef Frisch, Illustration Ivan Gantschev

Ein ungewöhnlicher Zugang zur Ostergeschichte, der Gefühle in den Blick rückt. Leitfigur dieses Bilderbuches ist der Chamäleonvogel, dessen Federkleid sich entsprechend der Stimmung und der Bedeutung des Geschehens verfärbt. Der Vogel erzählt in bunten Farben von Jesus Wirken und seiner frohen Botschaft. Zunächst werden die großflächigen Bilder zunehmend dunkel, bis hin zu fast gänzlicher Schwärze bei Jesu Tod am Kreuz. Über den Gang der Frauen zum offenen Grab hellen sich die Darstellungen wieder auf, bis hin zu einer strahlend-bunten Ostersonne, die von der Auferstehung kündet. Empfehlenswert für Kinder im Alter von 4 bis 7 Jahren.

Erkläre mir die Taufe

© eliport/Verlag Coppenrath, Antoinette Lühmann, Ill.ustrationen Kerstin M. Schuld

Was bedeutet Taufe eigentlich und was passiert da? Das Bilderbuch erklärt eines der ältesten Rituale des Christentums für die Allerjüngsten mit einfachen Worten und in farbenfrohen Bildern. Auch der biblische Bezug über die Geschichte von Johannes dem Täufer sowie den Auftrag Jesu an seine Jünger wurde aufgenommen. Gut einzusetzen in Familie und Krippe, aber durchaus auch interessant für etwas ältere Kinder in Tagesstätte und Bücherei.

Wir feiern durch das ganze Jahr

© eliport/ Gerstenberg,Ilka Sokolowski, Illustrationen Sophie Schmid.

Warum feiern wir Silvester eigentlich am 31. Dezember? Und was ist ein Rummelpott? Auf diese und viele andere Fragen bietet dieses Hausbuch Antworten an. Die Autoren wollen aber auch neugierig machen und Anregungen geben für lebendiges Brauchtum im Wandel der Zeit - quer durch alle Religionen und mit Blick auf die verschiedenen Kulturkreise, die unser Miteinander prägen. Das Buch macht Vorschläge für Gestaltung, Basteln, (alte) Gedichte, Reime, Sprüche, Traditionen und Rituale. Ein gutes Nachschlagewerk für die Familie, die Arbeit in Kindergruppen und Kindertageseinrichtungen.

Das Kirchenjahr für kleine Entdecker

© Verlag katholisches Bibelwerk, Stuttgart

Am Heiligabend sausen Papierflieger durch die Kirche. Beim Osterfeuer rückt die Feuerwehr an. Und die große Prozession gerät außer Rand und Band. Andrea Deininger hat die Höhepunkte des Kirchenjahrs in süße Bilder verpackt - mit viel Liebe für die kleinen Missgeschicke, die nun mal passieren. Ein Wimmelbuch zum Kirchenjahr für Kinder ab 2 Jahren.

Du bist für mich da

© eliport/Gabriel Verlag /Hg. von Erwin Grosche. Ill. von Alison Jay.

Eine Sammlung von Kindergebeten für alltägliche und besondere Anlässe. Vertreten sind Texte von Dietrich Bonhoeffer, Matthias Claudius, Paul Gerhard, Hanns Dieter Hüsch und anderen. Die Gebete orientieren sich an Tages- und Jahreszeiten, aber auch an Themen wie Gemeinschaft, Schöpfung, Trost und Stille. Auch Gebete aus der Bibel, vor allem Psalmen sind aufgenommen. Sie sind gut verständlich formuliert, manche in Reimform. Geeignet für Familien mit Kinder ab 3 Jahren, für die Arbeit im Kindergottesdienst und in Kindertageseinrichtungen.

Warum haben wir sonntags frei?

© eliport/Verlag Kösel, Hg. von Albert Biesinger, Helga Kohler-Spiegel u. Simone Hiller. Ill. von Mascha Greune

Ein Buch vereint Kinderfragen und Expertenantworten zu religiösen Festen. Heranwachsenden den Sinn der Feste im Jahreskreis und ihre Hintergründe gut verständlich nahezubringen ist der Sinn. Siebzehn Forscherinnen und Forscher stellen sich der Aufgabe. Auch die Feste von Muslimen, Buddhisten und Juden bleiben nicht unberücksichtigt. Ein kluges Nachschlagewerk das auch Erwachsene noch gut informiert. Impulse zum Weiterdenken am Schluss jedes Kapitels regen zu Gesprächen in Familie und Schule an. Für jede Haus-, Gemeinde- und Schulbibliothek zu empfehlen

Es stand ein Stern in Bethlehem

© eliport/Annette Betz Verlag, Willi Fährmann. Ill. von Annegret Fuchshuber

Eines der schönsten Weihnachtsbilderbücher, 2011 erstmalig erschienen, erlebt nun, im Todesjahr des Autors Willi Fährmann, seine Neuauflage. Fährmanns gereimte Erzählung hat Annegret Fuchshuber großformatig illustriert. Die Verse wirken zum Teil sehr altertümlich und dürften in manchen Formulierungen für Kinder nur schwer verständlich sein. Doch das kan auch inspirieren, über unverständliche Begriffe ins Gespräch zu kommen und sie umzureimen? Geeignet zum Vorlesen für Kinder ab 5 in Kita, Familie und Kindergottesdienst. Auch eine gute Vorlage zur Gestaltung von Weihnachtsfeiern.

Sternenbote

© eliport/Tyrolia Verlag, Reinhard Ehgartner. Ill.ustrationen Linda Wolfsgruber

Seit uralten Zeiten haben Menschen in den Sternenhimmel geblickt, waren fasziniert von seiner Schönheit und zugleich verstört von seiner unendlichen Weite. Sie haben versucht, den Lauf der Gestirne zu erforschen und sich durch Himmelserscheinungen in ihrem religiösen Denken anregen lassen. Kein Wunder, dass auch in der Bibel der Stern von Bethlehem eine ganz besondere Rolle spielt. Der kindliche Ich-Erzähler taucht hinein in das Erleben der Weihnachtszeit. Die Erzählung verknüpft Sternenkunde, Alltagserlebnisse und Rituale mit der Weihnachtsbotschaft und zeigt, dass Forscherdrang und religiöses Nachdenken sich nicht entgegenstehen müssen. Ein traumhaft schönes Weihnachtsbuch für alle Sternengucker ab 5 Jahren.

Das letzte Schaf

© eliport/Carlsen Verlag, Ulrich Hub, Illustration von Jörg Mühle.

Die Weihnachtsgeschichte, humorvoll erzählt aus Schafsperspektive. Ist ein Ufo gelandet? Oder warum ist das ganze Feld hell erleuchtet? Und die Hirten sind verschwunden! Die Schafe machen sich machen sich schließlich auf, um selbst herauszufinden, was passiert ist. Unterwegs stolpern sie über viele Fragen und Missverständnisse und erkennen zum Schluss, dass die Geschichte, die sie erlebt haben, noch lange nicht zu Ende ist. Ulrich Hubs Erzählung ist mit vielen Anspielungen auf den gegenwärtigen Zeitgeist versehen. Die Zeichnungen von Jörg Mühle geben dem Buch zusätzlichen Charme.
Empfohlen für Büchereien und alle Menschen, die sich immer wieder neu über Weihnachten Gedanken machen.

Die Weihnachtsgeschichte in Reimen

© eliport/ Verlag Carlsen , Thomas Krüger, Illustration von Jörg Mühle

Das kleinformatige Pappbilderbuch erzählt die Geschichte von der Geburt Jesu in kurzen gereimten Versen nach. Durch die direkte Ansprache, griffige Bilder, den rhythmischen Ton und einen leichten Witz eignet sich der Text gut zum Vorlesen. Zum gemeinsamen Betrachten laden die stimmungs- und humorvollen Illustrationen von Jörg Mühle ein. Zum Vorlesen und gemeinsamen Betrachten mit Kindern ab 2 Jahren, auch wenn sie noch nicht jedes Wort verstehen. Gut einsetzbar auch in Kindergruppen und eine gute Anschaffung für die Bücherei.

Vor diesem Problem stehen auch die 110 Gemeindebüchereien in der württembergischen Landeskirche. Wie viel die einzelne Bücherei erhalte, sei abhängig von ihrem jeweiligen Träger. Die Beträge liegen jährlich zwischen 250 Euro bis mehreren tausend Euro. "Manche beschaffen mit Fundraising weitere Gelder, aber nicht alle trauen sich das", sagt Julia Barthelmeß von der Büchereifachstelle der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Kinder im Fokus

Eine weitere Herausforderung sind sowohl in Württemberg als auch in Baden die sinkenden Besucherzahlen. "Das Lesen wird weniger", sagt die Brigitte Fuchs. Da brauche man sich nichts vorzumachen. Sowohl in der Luthergemeinde als auch in Rüppur seien Kinder die besten Kunden. "Möglicherweise ist die Auswahl für Erwachsene zu gering", mutmaßt Jung. Vielleicht haben Erwachsene aber auch weniger Zeit zum Schmökern oder greifen in ihrer Freizeit lieber zum E-Book.

In der Gemeindebücherei der evangelischen Luthergemeinde Karlsruhe, geleitet von Elvira Jung, liegt der Fokus auf Kinderbüchern.

Beide Bibliotheken führen schon Bilderbuchstunden und Bibliotheksführungen mit Kindergärten durch. "Kindern Bücher mit auf den Weg zu geben, halte ich für ein unschätzbares Gut", sagt Fuchs. Zukünftig soll der Fokus aber noch mehr auf die Kleinen gerichtet werden. Die Bücherei der Luthergemeinde plant eine Spielecke, die Rüppurer gehen noch weiter: "Jugendliche kommen selten zu uns, daher werden wir die Jugendbuch-Ecke nicht weiterführen", erläutert Fuchs. Stattdessen sollen Spiele für Kinder bis zehn Jahre angeschafft werden. "Das Gemeindehaus soll insgesamt zu einem Treffpunkt für Familien umgestaltet werden", erzählt sie. Die am Eingang gelegene Bücherei solle dann ein Ort für Kinder sein.