Impfallianz Gavi bekommt mehr Mittel als erwartet

Impfallianz Gavi bekommt mehr Mittel als erwartet
Staatengemeinschaft stellt 7,7 Milliarden Euro bereit
Regierungschefs aus aller Welt betonen die Notwendigkeit eines universellen Impfschutzes. Auf einer internationalen Geberkonferenz stellten sie rund 7,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Der Betrag ist höher als erhofft.

Frankfurt a.M., London (epd). Die internationale Gemeinschaft stellt 8,8 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, um Impfstoffe gegen gefährliche Krankheiten weltweit zugänglich zu machen. Staats- und Regierungschefs aus allen Teilen der Welt betonten bei einer virtuellen Geberkonferenz für die Globale Impfallianz (Gavi) am Donnerstag, dass Infektionskrankheiten keine Grenzen kennen und deshalb Solidarität und gemeinsames Handeln gefragt seien.

Mit den Geldern sollen in den kommenden fünf Jahren unter anderem Impfkampagnen in Entwicklungsländern gegen Krankheiten wie Masern, Meningitis, Tuberkulose, Polio und Tetanus gefördert werden, aber auch die Suche nach einem Corona-Impfstoff. Mit der Summe von insgesamt 8,8 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) haben die Länder mehr Mittel bereitgestellt als erhofft.

Die Impfallianz hatte vor der Konferenz auf neue Mittel in Höhe von 7,4 Milliarden US-Dollar (6,6 Milliarden Euro) gehofft. Mit den Beiträgen sollen bis 2025 weitere 300 Millionen Kinder in armen Ländern gegen lebensbedrohliche Krankheiten geschützt werden. Die Gavi-Aufsichtsratsvorsitzende und frühere nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala sagte, das Ergebnis zeige, dass die Welt an diesem entscheidenden Moment zusammenstehe.

Der britische Premierminister Boris Johnson erklärte zum Abschluss der Konferenz, gemeinsam sei es möglich, Krankheiten zu besiegen. Großbritannien, das der größte Beitragszahler der Impfallianz ist, hatte zu der virtuellen Geberkonferenz eingeladen und für die nächsten fünf Jahre umgerechnet rund 1,83 Milliarden Euro angekündigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Gavi auf der Konferenz am Donnerstag 600 Millionen Euro für denselben Zeitraum zu. Hinzu kämen 100 Millionen Euro zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Mehrere Entwicklungsorganisationen, darunter Plan International, Save the Children und World Vision erklärten jedoch, Routineimpfungen dürften angesichts der Fokussierung auf die Corona-Pandemie nicht vernachlässigt werden.

Auch der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, warnte davor, die Erfolge eines umfassenden Impfschutzes für Kinder zu gefährden. Wegen der Corona-Pandemie seien Impfprogramme für 80 Millionen Kinder gegen Polio, Tuberkulose und Masern unterbrochen worden. Der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahama, rief zu weiteren Anstrengungen auf. Gavi setze 60 Prozent seiner Mittel in Afrika ein, wo aber immer noch Millionen Kinder ohne Impfschutz seien.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, Impfungen seien ein universelles Menschenrecht. Mit Hilfe von Impfschutz habe sich die Kindersterblichkeit seit dem Jahr 2000 halbiert. Die EU sagte Gavi 300 Millionen Euro zu.

Die Impfallianz mit Sitz in Genf wurde vor 20 Jahren als Zusammenschluss von Pharmakonzernen, internationalen Organisationen, Stiftungen sowie Industrie- und Entwicklungsländern gegründet. Seither wurden nach Angaben von Gavi 760 Millionen Kinder in Entwicklungsländern gegen lebensbedrohliche Krankheiten geimpft.

epd bdr/et jup