TV-Tipp: "Eltern mit Hindernissen"

Altmodischer Fernseher vor einer Wand

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Eltern mit Hindernissen"
3.6., ARD, 20.15 Uhr
Die einfallslose "Hindernis"-Titelbürde wird die Reihe natürlich nicht mehr los, weshalb Teil drei nun nach "Familie mit Hindernissen" und "Trauung mit Hindernissen", "Eltern mit Hindernissen" heißt. Außerdem gehören die Filme eigentlich auf den Freitagssendeplatz im "Ersten".

Sehenswert ist die Komödie trotzdem, zumal Autorin Sophia Krapoth eine Geschichte erzählt, die ein typisches Corona-Phänomen behandelt: Obwohl Väter und Mütter theoretisch gleichermaßen von den Ausgangsbeschränkungen betroffen sind, steht für die meisten Männer weiterhin die Arbeit an erster Stelle. Zurückstecken müssen vor allem die Frauen, die im Home-Office auch "Home-Schooling" betreiben; vom Haushalt ganz zu schweigen

Das konnte Krapoth, die auch die Drehbücher zu den ersten Teilen der gemeinsam von MDR und ORF in Auftrag gegebenen Reihe geschrieben hat, natürlich nicht ahnen, als sie sich das dritte "Hindernis" für das Leipziger Lehrerehepaar Wiedemann/Esch (Nicolette Krebitz, Hary Prinz) ausgedacht hat: Schulrektorin Schulze-Stadler (Sophie Rois) hat die hochschwangere Katrin zu ihrer Nachfolgerin erkoren; Philipp wird die Elternzeit übernehmen. Weil die kleine Isalie jedoch ein ausgesprochen nachtaktives Baby ist, findet die Mutter kaum noch Schlaf und ist entsprechend erschöpft. Die Rektorin überredet Philipp daher, sich seinerseits um den Rektorenposten zu bewerben; zwar ausdrücklich nur vorübergehend, doch die empörte Katrin fühlt sich trotzdem vom Gatten hintergangen.

Die Geschichte ließe sich problemlos auch als Drama erzählen. Krapoth hat sie jedoch konsequent als Komödie verpackt und den ernsten Kern dennoch nicht verraten. Für die Umsetzung durch Anna-Katharina Maier gilt das nicht minder. Die Regisseurin hat auch "Trauung mit Hindernissen" und die kürzlich gestartete höchst vergnügliche Amazon-Serie "Der Beischläfer" inszeniert. Immer wieder spitzen Buch und Regie die Situationskomik zu, ohne den Film je zur Klamotte werden zu lassen. Komischer Höhepunkt ist eine sich kontinuierlich steigernde lange Szene im letzten Akt, als es im Haus der Familie zugeht wie im Taubenschlag, weil sich Katrins verwitweter Vater (Peter Prager), seine sexuell sehr fordernde und deutlich jüngere Ex-Freundin (Nicole Beutler), Katrins Schwiegermutter aus erster Ehe (Daniela Ziegler) sowie Katrins Liebhaber (Michael Steinocher) aus dem letzten Film die Klinke in die Hand geben; und ausgerechnet jetzt taucht eine Mitarbeiterin (Milena Dreißig) vom Jugendamt auf.

Warum das Amt überhaupt auf die Familie aufmerksam geworden und das Ehepaar unversehens bloß noch Eltern auf Bewährung ist, gehört zu den vielen weiteren in der Theorie aberwitzig anmutenden, in der Praxis des Films jedoch völlig plausiblen Momenten. Diese Schlüssigkeit ist nicht zuletzt eine Frage der vorzüglichen Darstellerführung, selbst wenn Krapoth einige Nebenfiguren knapp am Klischee konzipiert hat. Vater Horst zum Beispiel nistet sich bei seiner Tochter wie ein viertes Kind ein, lässt sich von vorn bis hinten bedienen und verbringt seine Freizeit damit, ein kompliziertes Lego-Spielzeug zusammenzusetzen. Für sich genommen sind seine egozentrischen Auftritte absurd, aber das Gesamtbild der Rolle ist stimmig. Bei Diana, der Großmutter von Katrins älteren Kindern, ist es ähnlich: Sie leidet unter beginnender Demenz, doch Maier hat es geschickt vermieden, die entsprechenden Aussetzer klamottig wirken zu lassen. Diese Gratwanderung zwischen zugespitztem Witz und dennoch überzeugender Realitätsnähe ist der Regisseurin auch bei "Der Beischläfer" vorzüglich gelungen: Kaum ist Isalie endlich eingeschlafen, wirft Horst im Garten den Freischneider an.

Außerdem hat Maier offenkundig ein gutes Händchen für die Führung ihrer Schauspieler; das gilt in "Eltern mit Hindernissen" nicht zuletzt für die Kinder, wobei Emilie Neumeister ihre Sache als jugendliche Tochter, die sich angesichts der kleinen Schwester überflüssig fühlt, besonders gut macht. Und dann sind da neben den lustigen Dialogen auch noch die vielen kleinen und großen Einfälle, mit denen Krapoth die Geschichte gewürzt hat. Die Geburt zum Beispiel findet im Streifenwagen statt, weil Philipp vor lauter Aufregung den Polizeinotruf gewählt hat. Auf diese Weise wirkt auch Matthias Brenner wieder mit, und wenn der Autorin überhaupt etwas vorzuwerfen ist, dann dies: Wie schon in "Trauung mit Hindernissen" ist der Polizist, der große Sympathie für Katrin hegt, bloß eine Gastrolle.

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