Käßmann erntet Widerspruch für "Deal" der Generationen bei Corona

Käßmann erntet Widerspruch für "Deal" der Generationen bei Corona
Wenn sie wüsste, dass die Jüngeren wieder rauskönnen, wenn die über Sechzigjährigen zu Hause bleiben, dann würde sie sich in der Corona-Krise darauf einlassen, sagt Margot Käßmann. Irmgard Schwaetzer und Henning Scherf widersprechen scharf.

Margot Käßmann erntet Widerspruch für Äußerungen zu einem Zurückstecken der Älteren in der Corona-Krise. Wenn Käßmann fordere, "die Alten sollen freiwillig auf Kontakte, also in der Konsequenz auch Besuche der eigenen Kinder verzichten, muss ich widersprechen: Das geht gegen die seelische Gesundheit", sagte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Der Bremer Altbürgermeister Henning Scherf (SPD) warnte davor, die Generationen gegeneinander auszuspielen. Das sei "auf eine schreckliche Weise befremdlich".

Schwaetzer sagte, zum Lebensschutz und zur Würde des Menschen gehöre nicht nur die physische Unversehrtheit, sondern auch die seelische Gesundheit. Die werde beeinträchtigt, wenn beispielsweise Alte in Pflegeheimen abgeschottet werden.

Die 61 Jahre alte frühere hannoversche Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende Käßmann hatte einen "Deal" der Generationen in der Corona-Krise ins Gespräch gebracht. "Wenn ich wüsste, dass die Kleinen und Jüngeren wieder rauskönnen, wenn wir, die über Sechzigjährigen, die Risikogruppen, zu Hause blieben, wenn das der Deal wäre, dann würde ich mich darauf einlassen", sagte die Theologin. Die Älteren hätten ein gutes Leben gelebt. Deshalb sei es angesichts der Bedrohung durch Covid-19 jetzt an ihnen, zugunsten der Kinder zu verzichten.

Die frühere Bundesministerin und FDP-Politikerin Schwaetzer sagte, sie könne es "überhaupt nicht ertragen, dass uns älteren Menschen keine Lebensklugheit zugetraut wird". Natürlich verhielten auch sie sich so, dass sie sich selbst und anderen möglichst wenig schaden. "Die Älteren - jedenfalls alle, die ich kenne - richten sich ohnehin derzeit eher zu Hause ein, weil sie das Virus nicht erwischen wollen. Ich kenne da keinen, der demonstrieren geht", sagte Schwaetzer. "Dazu brauche ich keine Ratschläge."

Die 78-Jährige warnte davor, die Generationen gegeneinander auszuspielen: "Wir sitzen wirklich alle in einem Boot." Auch sie sehe, "dass die Kinder wieder raus müssen". "Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass sich Politiker nicht alle Mühe geben, Kinder wieder in den Alltag zurückkehren zu lassen", sagte Schwaetzer.

Der 81 Jahre alte Scharf nannte einen "Deal" der Generationen "völlig verdreht". "Wir sind alle Kinder Gottes, alle schutzbedürftig und müssen in dieser Krise alle solidarisch aufeinander aufpassen", sagte Scherf, der zusammen mit seiner Frau Luise drei Kinder und neun Enkel hat. Er schätze Käßmann als kluge Frau: "Aber in diesem Punkt hat sie sich verrannt."

Seit Wochen seien er und seine Frau mit Kindern und Enkeln digital verbunden, sagte Scherf: "Wir sind nahe beieinander, wir sorgen für uns, so erlebe ich das." Er wünsche sich, dass jeder in der Gesellschaft seinen Teil dazu beitrage, um rücksichtsvoll miteinander umzugehen, "besonders jetzt in der Corona-Krise".

epd lnb/co/kfr mih

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