"Ursache des Frankfurter Corona-Ausbruchs gründlich prüfen"

Evangeliums Christen Baptisten Gemeinde in Frankfurt am Main

© epd-bild/Heike Lyding

Von dem Corona Ausbruch nach dem Babtisten Gottesdeinst sind Gläubige aus Frankfurt und umliegenden Landkreisen wie dem Wetterau-, dem Hochtaunus- und dem Main-Kinzig-Kreis betroffen.

"Ursache des Frankfurter Corona-Ausbruchs gründlich prüfen"
Inzwischen 112 Infizierte nach Baptisten-Gottesdienst
Der Würzburger Hygieniker Ulrich Vogel hat nach dem Covid-19-Ausbruch in einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt am Main vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Es komme darauf an, genau zu dokumentieren, was die Ursache des Ausbruchs sei, sagte er dem epd.
26.05.2020
epd-Gespräch: Franziska Hein
epd

Ulrich Vogel ist Sprecher der Ständigen Arbeitsgemeinschaft "Allgemeine und Krankenhaushygiene" der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Die genaue Aufarbeitung sei wichtig, weil der Ausbruch sonst alle Bemühungen der Kirchen diskreditiere, wieder Gottesdienste unter strengen Hygienevorschriften zu feiern, betonte er.

Ein Schild mit der Aufschrift "Bitte halten Sie 1,5 Meter Abstand. Vielen Dank!" am Bethaus einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt.

Die Regeln zum Mindestabstand von 1,50 Metern, zur Begrenzung der Personenzahl, zu gesonderten Ein- und Ausgängen, Desinfektionsmitteln, Mund-Nasen-Bedeckungen und zum Verzicht auf gemeinsamen Gesang könnten Ansteckungen gut verhindern, sagte Vogel. Ein gewisses Restrisiko, das sich nicht weiter minimieren lasse, bleibe aber immer.

Wichtig sei auch, bei Gottesdiensten das Raumvolumen zu beachten und regelmäßig zu lüften, sagte Vogel, der am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg arbeitet. Auch müsse sichergestellt sein, dass Gläubige mit Symptomen oder Kontakt zu Covid-Infizierten nicht am Gottesdienst teilnehmen. Inwieweit das im Fall der Frankfurter Gemeinde geschehen sei, müsse geklärt werden.

Ohne Mund-Nasen-Schutz gesungen

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass sich in einer Frankfurter Baptistengemeinde mehr als 100 Menschen mit dem Coronavirus infiziert hatten, nachdem sie dort am 10. Mai an einem Gottesdienst teilgenommen hatten. Die Gemeinde erklärte auf ihrer Internetseite, sich zwar an die Abstandsregeln gehalten zu haben, aber ohne Mund-Nasen-Schutz gesungen zu haben.

Wesentlich für die Übertragung des Coronavirus sind große Tröpfchen aus den oberen Atemwegen, die beim Husten oder Niesen freigesetzt werden und recht schnell im Abstand von etwa 1,50 Meter zu Boden fallen. Wenn allerdings kräftig und viel gesungen werde, sei nicht auszuschließen, dass es zusätzlich zu erregerhaltigen feinen Aerosolen komme, die sich in der Raumluft verteilen, sagte Vogel. Nur wenn ausreichend gelüftet werde, verdünnten sich diese Tröpfchen so weit, dass sie nicht mehr ansteckend seien.

"Intensives Gemeindeleben und Zusammenkommen vieler Großfamilien"

Von den 112 Personen, die sich im Umfeld der Frankfurter Evangeliums-Christen-Baptisten-Gemeinde mit dem Coronavirus angesteckt haben, haben 49 ihren Wohnsitz in der Stadt Frankfurt. 47 von ihnen hätten typische Krankheitssymptome entwickelt, teilte der Gesundheitsdezernent Stefan Majer am Montag mit. Zwei Personen würden derzeit stationär behandelt, drei weitere seien bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Verursacht worden seien die Infektionen "durch das intensive Gemeindeleben und das Zusammenkommen vieler Großfamilien rund um den 10. Mai, den Muttertag", sagte der Grünen-Politiker.   

Das Frankfurter Gesundheitsamt sowie die ebenfalls zuständigen Gesundheitsämter im Umland arbeiten laut Majer seit der Meldung des ersten positiven Covid-19-Befundes aus der freien Baptisten-Gemeinde mit vor allem russlanddeutschen Mitgliedern an der Ermittlung und Information von Kontaktpersonen. Für alle Kontaktpersonen sei eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet worden, beziehungsweise werde eine solche angeordnet.

Teilnehmer-Listen für Gottesdienste angeregt

"Dieses Infektionsgeschehen zeigt uns erneut, wie schnell eine Infektion sich ausbreiten kann, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Ich appelliere an die Eigenverantwortung von allen, dieses Virus ernst zu nehmen und sich weiterhin an die Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen zu halten", betonte Majer. Für mehrere Kontaktpersonen ende am 25. Mai die zweiwöchige Quarantänezeit, allerdings erfolge in vielen Familien eine weitere Absonderung aufgrund von Folgefällen. Die Gemeinde sei aufgefordert worden, ihr Hygiene- und Schutzkonzept, das für religiöse Zusammenkünfte verpflichtend ist, dem Gesundheitsamt zuzusenden und darzulegen, wie seine Einhaltung gewährleistet worden sei.

Majer regte an, dass generell und landesweit wie bei den Gaststätten alle Teilnehmer von religiösen Zusammenkünften namentlich erfasst und diese Listen bei einem Infektionsfall den Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt werden. "Wir sehen in dem vorliegenden Fall, wie kompliziert die Nachverfolgung ist, wenn die Anwesenden erst mühsam recherchiert werden müssen. Dabei geht viel wertvolle Zeit verloren."

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