Konfirmanden-Unterricht sollte digitale Formen fortführen

Nach Corona sollten Geistliche weiter auf digitale Formate setzen im Konfirmandenunterricht.

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In den Wochen der Corona-Beschränkungen fand auch so mancher Konfiunterricht als Videokonferenz statt. Auch nach Corona sollten digitale Formate weiter genutzt und durch reale Treffen ergänzt werden.

Konfirmanden-Unterricht sollte digitale Formen fortführen
Die Konfirmanden- und Jugendarbeit der Kirchen sollte aus Sicht des Experten Andreas Behr auch nach dem Ende der Corona-Epidemie weiter auf digitale Formate setzen. Für das Gemeinschaftsgefühl seien aber reale Treffen unverzichtbar.
27.05.2020
Gunnar Müller
epd

"Es ist zynisch, aber die Pandemie hat uns in der Hinsicht einen enormen Schub gegeben", sagte Pastor Andreas Behr dem Evangelischen Pressedienst. Behr ist Dozent für Konfirmandenarbeit am Religionspädagogischen Institut der hannoverschen Landeskirche in Loccum bei Nienburg.

Nach mehreren Wochen im Lockdown hat die niedersächsische Landesregierung inzwischen wieder Konfirmandenarbeit unter Auflagen ermöglicht. Allerdings ist der Unterricht in vielen evangelischen Gemeinden noch nicht wieder angelaufen. Die Konfirmationen, die sonst im Frühjahr stattfinden, wurden zumeist in den Herbst verschoben. In Niedersachsen sollten mehr als 20.000 Jugendliche konfirmiert werden.

Mit Jugendlichen Kontakt halten

In den Wochen der Beschränkungen hätten sich viele Pastorinnen und Pastoren durch den Einsatz von Computerspielen, Filmen und Apps intensiv mit digitalen Medien beschäftigt, sagte Behr. Zugleich hätten die Jugendlichen aber auch vermehrt ein Bedürfnis nach realen Treffen. Die künftige Konfirmanden-Arbeit werde mit Blick auf die Hygiene- und Abstandsregeln vor allem in Kleingruppen stattfinden, sagte der Pastor.

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Ich und meine Konfirmationskleidung

Elise, Johanna und Linda haben ein bisschen länger gebraucht, ihre Konfikleider auszusuchen.

Foto: Anika Kempf

Elise, Johanna und Linda haben ein bisschen länger gebraucht, ihre Konfikleider auszusuchen.

Foto: Anika Kempf

Elise Knigge (links) findet es toll, am Tag ihrer Konfirmation vor der Gemeinde und ihrer Familie in der Kirche zu stehen - "Konfirmation ist ein ganz toller Tag, wie Geburtstag", sagt sie. Johanna Kitzmann freut sich, dass zu ihrer Feier auch die Familie aus dem Ausland kommt. Ihr Kleid auszusuchen hat ziemlich lange gedauert, erzählt sie - genauso wie bei Linda Klepper (rechts). Alle Konfis bekommen zur Konfirmation eine Kette mit einem Fisch- oder Kreuzanhänger von Pfarrer Martin Diehl überreicht. Die möchte sie dann öfter tragen, sagt Linda.

Tom findet seinen Anzug unbequem

Foto: Anika Kempf

Tom Redling findet seinen Anzug unbequem. Der Verkäufer habe ihm dazu geraten - und seine Eltern. Auf die Konfirmationsfeier freut er sich dennoch: Mit dem Geld möchte er sich entweder einen PC oder ein Trampolin kaufen. Sein Konfispruch ist Psalm 23,6: "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."

Isabel Rustler und Jule Pausch in rosafarbenen Kleidern

Foto: Anika Kempf

In Isabel Rustlers Familie (links) ist es Tradition konfirmiert zu werden. Zudem freut sie sich darauf, zu den erwachsenen Christen der Gemeinde zu gehören. Jule Pausch (rechts) hat mit ihrer Patin und ihrer Mutter gemeinsam das Kleid ausgesucht; ihr Konfirmationsspruch ist 1. Johannes 4,7, "...lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott".
Isabel hat sich Epheser 4,32 ausgesucht: "Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus."

Maurice Hauser trägt ein altes Samt-Sakko

Foto: Anika Kempf

Maurice Hauser trägt ein altes Samt-Sakko seines Vaters. Hose, Schuhe und Hemd sind neu. Zur Konfirmation wünscht er sich ein Fahrrad. Maurice' Konfirmationsspruch erinnert daran, es geht bei der Aufnahme in die Gemeinde nicht nur um Äußerlichkeiten. 1. Samuel 16,7: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an."

Elise Knigge hat ihr Kleid schon lange vor der Konfirmation gekauft.

Foto: Anika Kempf

Elise Knigge hat ihr Kleid schon lange vor der Konfirmation gekauft, weil es ihr und ihrer Mutter so gut gefallen hat. Ihr Konfirspruch ist 2. Timotheus 1,7: "Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit."

Klassische versus bequeme Konfi-Kleidung

Foto: Anika Kempf

Sebastian Scherneck (links) und Max Finger freuen sich beide auf die Feier mit ihrer Familie. Max' Mutter hat die Sachen im Internet bestellt, er wollte was Bequemes - und hat ein Stoffsakko und ein Polohemd bekommen. Sebastian war es wichtig, sich klassisch zu kleiden - in schwarz und weiß. Sebastians Konfispruch ist Psalm 18,30: "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen." Max' Spruch lautet: "Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1. Johannes 4,16)

Linda geht nicht nur im klassischen schwarz, sondern auch in blau zu ihrer Konfirmation

Foto: Anika Kempf

Das kurze schwarze Jäckchen musste ihre Mutter noch ein bisschen enger nähen - jetzt passt es super. Linda Kleppers Konfispruch ist der gleiche wie von Max: "Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1. Johannes 4,16) Seit kurzem spielt sie Gitarre in der Kirchenband - das möchte sie natürlich auch nach der Konfirmation noch machen. Ihre Lieblingslieder sind: "Meine Angst" und "Wie ein Fest nach langer Trauer".

Diese beiden tragen zu ihrer Konfirmation einen Anzug m it Fliege - und passende Anzugschuhe

Foto: Anika Kempf

Rico Battisti (links) trägt auf diesem Bild zu große Schuhe - das sind nicht die, die er zur Konfirmation tragen wird. Auch Leo Lindenblatt (rechts) will die Turnschuhe bei der Konfirmation gegen Anzugschuhe eintauschen. Beide freuen sich auf die Feiern mit ihren Familien. Rico hat sich 1. Johannes 1,5 ausgesucht: "Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis." Leos Spruch lautet: "Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn traut mein Herz und mir ist geholfen."

Zur Konfirmation geht sie ganz klassisch in einem schwarzen Kleid.

Foto: Anika Kempf

Johanna Kitzmann hat sich Psalm 139,9-10 als Konfispruch ausgesucht: "Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten." Zur Konfirmation geht sie ganz klassisch in einem schwarzen Kleid.

Einer kommt in blauem Anzug, der andere in schwarz.

Foto: Anika Kempf

Semion Raitsev (links) hat sich im März taufen lassen. Er und René Waldmann (rechts) haben auf der Konfi-Freizeit beschlossen, die Konfirmanden des kommenden Jahrgangs als Mitarbeiter zu betreuen. Sie wollen also KUMA sein - Konfirmations-Unterrichts-Mitarbeiter. Semions Tauf- und Konfirmationsspruch ist Römer 12,21: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."

Johanna geht in einem dunkelblauen, ärmellosen Kleid zur Konfirmation

Foto: Anika Kempf

Johanna Standhardingers Patenonkel wohnt nicht in Deutschland. Trotzdem haben sie immer was unternommen, wenn er da war. Sie freut sich, bald zu den erwachsenen Christen der Gemeinde zu gehören. 1. Johannes 4,18 ist ihr Konfirmationsspruch: "Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus."

Domink und Julian haben sich gegen schwarz zu ihrer Konfirmation entschieden. Und gegen einen klassischen Anzug. Stattdessen tragen sie weiße Jeans.

Foto: Anika Kempf

Dominik und Julian Theuerkauf sagen, sie haben immer Hunger - deswegen freuen sie sich schon auf's Essengehen nach der Konfirmation mit der Familie. Dominik wäre gerne im Jogging-Anzug zur Konfirmation gegangen; die Eltern waren dann doch für was Schickeres. Immerhin, die weißen Hosen und Turnschuhe können sie auch nach der Feier im Alltag gut tragen. Mit ihren Konfirmationssprüchen schlagen sie einen fröhlichen und zuversichtlichen Ton an: Psalm 23,6: "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar." Und Jesaja 55,12: "Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen."

Die sechs Jungs sind vorwiegend klassisch in schwarz und weiß zu ihrer Konfirmation gekleidet

Foto: Anika Kempf

Leo Lindenblatt, Rico Battisti, Sebastian Scherneck, Tom Redling, Max Finger und Maurice Hauser werden Ende Mai 2019 in Egelsbach konfirmiert. Sie gehören dann zu den erwachsenen Christen ihrer Gemeinde - dürfen den Gemeindevorstand wählen, ein Patenamt übernehmen und die (Jugend-)arbeit der Gemeinde aktiv mitgestalten.

Behr schlägt in der künftigen Arbeit Mischformen vor. "Vieles Digitale wird uns die Arbeit erleichtern." Aber für ein Gemeinschaftsgefühl müssten sich die Jugendlichen auch in wechselnden Teilgruppen treffen können.

Die Gemeinden sollten mit Jugendlichen, die in diesen Wochen eigentlich ihre Konfirmation feiern wollten, engen Kontakt halten, riet Behr. "Aber sie haben ihren Unterricht erfüllt, alles andere wäre Nachsitzen." Damit die Konfirmanden in den Gemeinden sichtbar bleiben, sollten die Ergebnisse ihrer digitalen Aufgaben auf den Internetsieten der Kirchen hochgeladen werden. Für die kommenden Konfirmanden mache es keinen Unterschied, einige Zeit später mit der Konfirmandenarbeit zu beginnen.

Über Gefühle sprechen

Der Tag der ursprünglich geplanten Konfirmation könne auch mit einer Video-Schalte gemeinsam gefeiert werden, sagte Behr. Allerdings stelle eine "Online-Konfirmation" aus seiner Sicht keine geeignete Lösung dar: "Bei der Konfirmation geht es um die Religionsmündigkeit und um den Segen Gottes." In dieser Hinsicht emanzipierten sich die Jugendlichen vom Elternhaus. Stattdessen empfehle er eine zeitgleich gefeierte festliche Mahlzeit mit Familie und Bekannten, die von den Konfirmanden zu Hause selbst gestaltet wird, aber nicht der Konfirmation vorgreift.

Im Zentrum der Sorgen stünden jedoch die jetzigen Hauptkonfirmanden. Behr schlug vor, mit diesen über ihre Gefühle wegen der Corona-Epidemie zu sprechen. "Wir sind in erster Linie Seelsorgende." Manche Jugendliche hätten in der Zeit der geschlossenen Schulen familiären Stress oder häusliche Gewalt erleben müssen. Die Schule könne das häufig nicht thematisieren. "Aber wir können ihnen sagen, dass wir für sie da sind."

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