Kerzen im Fenster und Glockengeläut - interreligiöse Aktion in Coronazeiten

Aktionen zur Corona-Krise des Dialogkreis der Abrahamsreligionen in Dortmund.

© Getty Images/EyeEm/Johannes Sill

Die Kerze im Fenster und auch das tägliche Glockenläuten aller Kirchen gehören zur interreligiösen und interkonfessionellen Gebetsaktion zur Corona-Krise Dialogkreis der Abrahamsreligionen in Dortmund.

Kerzen im Fenster und Glockengeläut - interreligiöse Aktion in Coronazeiten
Der Dialogkreis der Abrahamsreligionen in Dortmund zieht eine positive Zwischenbilanz einer interreligiösen und interkonfessionellen Gebetsaktion zur Corona-Krise mit Kerze im Fenster und täglichem Glockenläuten aller Kirchen.

"Wir beten nicht dasselbe, aber wir beten gleichzeitig", sagte der evangelische Pfarrer Friedrich Stiller, Sprecher des Dialogkreises von Christentum, Judentum und Islam, dem epd. Angesichts der alle bedrohenden Krise gehe es darum, ein Zeichen der Hoffnung zu setzen und zu zeigen, "dass die religiösen Menschen nicht sprachlos sind, und dass wir die Gemeinschaft stärken trotz der sozialen Distanz".

Seit Mitte März beteiligten sich die evangelischen und katholischen Kirchen in Dortmund bereits mit abendlichem Glockenläuten um 19.30 Uhr an der bundesweiten Gebetsaktion "Licht der Hoffnung". Auch zwei Moscheevereine waren von Anfang an dabei. Am 4. April rief der Dortmunder Dialogkreis "die Gläubigen aller Abrahamsreligionen" auf, um 19.30 Uhr zu Hause eine Kerze gut sichtbar ins Fenster zu stellen und ein Gebet angesichts der Pandemie zu sprechen. Für Christen könne das das Vaterunser sein, für Muslime die erste Sure des Koran Al Fatiha und für Juden das Gebet Ana Adonaj.

"Das Virus kennt keine Grenzen - unsere Gebete auch nicht"

"Das Virus kennt keine Grenzen - unsere Gebete auch nicht" lautet das Motto der interreligiösen Aktion. Laut Stiller erklingt der Gebetsruf Ezan in den Moscheevereinen teilweise per Lautsprecher aus dem offenen Fenster, der Eingangstür oder vom Dach.

Angesichts der sozialen Isolation sei es schwierig zu beurteilen, wie viele möglicherweise auch religiös ungebundene Menschen sich in den eigenen vier Wänden an der Aktion beteiligten, räumte der Theologe ein, der das Referat für Gesellschaftliche Verantwortung im Kirchenkreis Dortmund leitet. Angesichts der weit verbreiteten Verunsicherung und Angst sei das Gebet aber "ein Ort des Trostes und der Stärkung". Im besten Fall könne es auch dazu führen, dass Menschen in der Not das Religiöse als Kraftquelle wiederentdeckten. Für ihn persönlich sei es spirituell bereichernd, gleichzeitig mit Juden und Muslimen zu beten: "Das wärmt das Herz."

Begleitet wird die Aktion von einer gemeinsamen Video-Botschaft im Internet mit Gebeten und Grußworten aller beteiligten Religionsgemeinschaften auf der Website des Dortmunder Dialogkreises der Abrahamsreligionen. Die Gebetsaktion soll zunächst bis zur voraussichtlichen Wiederaufnahme von Gottesdiensten in Dortmund am 10. Mai weitergehen und bis dahin weiter entschieden werden.

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