Umstrittenes "Reformationsfenster" ist in Arbeit

Kirchenfenster-Entwurf von Markus Lüpertz

© epd-bild/Harald Koch

Ausschnitt des Entwurfs für ein von dem Künstler Markus Lüpertz gestaltetes und von Alt-Kanzler Gerhard Schröder gestiftetes Kirchenfenster für die Marktkirche in Hannover.

Umstrittenes "Reformationsfenster" ist in Arbeit
Ungeachtet eines Rechtsstreits haben die Arbeiten für das geplante "Reformationsfenster" des Künstlers Markus Lüpertz (78) für die Marktkirche in Hannover begonnen. Das Fenster ist eine Stiftung von Altkanzler Gerhard Schröder und soll bis Jahresende fertig sein.

"Die ersten Glasstücke wurden schon gefertigt", sagte Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Marktkirche habe die Herstellung des Fensters bereits bei den "Glasstudios Derix" in Taunusstein bei Wiesbaden in Auftrag gegeben. Die Fertigung werde sehr lange dauern.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder (76, SPD), ein Freund von Lüpertz, will der evangelischen Kirche das rund 150.000 Euro teure Glaskunstwerk als Ehrenbürger von Hannover schenken. "Wenn das Fenster fertiggestellt ist, aber nicht eingebaut werden darf, müssen wir mit dem Stifter und dem Künstler nach einer anderen Lösung suchen", sagte Kreisel-Liebermann. Die Marktkirchen-Pastorin betonte aber: "Aus unserer Sicht gehört es hier hin."

Kontroverse um fünf schwarze Fliegen

Das 13 Meter hohe Buntglasfenster sorgt in Hannover für kontroverse Diskussionen. Der Erbe des Architekten Dieter Oesterlen (1911-1994), der in Tokio lebende Rechtsanwalt Georg Bissen, hatte Klage beim Landgericht Hannover gegen den Einbau eingelegt. Als Inhaber der Urheberrechte macht er geltend, dass das Fenster nicht in den Innenraum der gotischen Kirche passe, die von Oesterlen nach dem Krieg wiederaufgebaut und neu gestaltet wurde.

Das Glaskunstwerk zeigt eine große weiße Figur, die Martin Luther darstellen soll, sowie Motive mit Bezug zur Reformation. Es soll in einen gotischen Fensterausschnitt an der Südseite der Kirche eingebaut werden, die bisher mit einer einfachen Verglasung versehen ist. Der Entwurf von Lüpertz ist vor allem wegen fünf großer schwarzer Fliegen auf dem Bild umstritten. Sie stehen für das Böse und die Vergänglichkeit.

Fertigstellung bis Jahresende

Projektleiter Roland Prahl von der Glasmanufaktur Derix sagte: "Die Farbgläser für die Hälfte des Fensters sind bereits zugeschnitten." Sie müssten nun noch veredelt, abgeätzt, bemalt, gebrannt und verbleit werden. Bis zum Ende des Jahres könne die Produktion abgeschlossen sein. Der Künstler Lüpertz habe die ersten Schnitte bereits begutachtet. Nun müssten die Farben noch mit der Denkmalpflege abgestimmt werden.

Altkanzler Schröder hatte vor drei Jahren die Idee, der Marktkirche ein Reformationsfenster zu stiften. Anlass waren die Feiern zum 500. Reformationsjubiläum. Zur Finanzierung will Schröder Vortragshonorare von Verbänden und Unternehmen in Deutschland weitergeben. Die im 14. Jahrhundert aus Backstein errichtete zentrale Marktkirche ist die größte Kirche in Hannover. Sie gilt als ein Wahrzeichen der Stadt.

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