Segen von der Wäscheleine

Seelsorge am Gartenzaun

© Akinshin Vladimir/tramp5/stock.adobe

In Zeiten von Corona sind Pfarrerinnen und Pfarrer und die vielen kirchlich engagierten Menschen gefragt und sind kreativ für die Menschen da: Das kann beim Gespräch über den Gartenzaun sein oder einem "Besuchsdienst per Telefon".

Segen von der Wäscheleine
Seelsorge in Zeiten der Corona-Epidemie
Ob Seelsorge am Gartenzaun, Telefon-Besuchsdienst oder persönliche Osterpost: Auch wenn an Ostern Gottesdienstfeiern in Kirchen verboten bleiben feiern, gehen Pfarrerinnen und Pfarrer und Ehrenamtliche kreativ mit der Krise um.

Gottesdienste dürfen wegen der Corona-Pandemie auch an Ostern nur in leeren Kirchen gefeiert und im Fernsehen oder Internet übertragen werden. Trotzdem sind Pfarrerinnen und Pfarrer und die vielen kirchlich engagierten Menschen gefragt und sind kreativ für die Menschen da. Das kann beim Gespräch über den Gartenzaun sein oder einem "Besuchsdienst per Telefon". Persönlich gestaltete Osterbriefe werden mit einer Gottesdienst-CD, gefalteten Papier-Schmetterlingen oder einer Portion Kaffee geliefert, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab.

Auch viele Kirchen sind weiter offen zum Gebet. Oft seien Andachten, Gebete oder Lieder ausgelegt, sagte die Geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Seelsorge (ZfS), Kirchenrätin Sabine Kast-Streib, dem Evangelischen Pressedienst (epd). In diesen Krisenzeiten seien die Pfarrerinnen und Pfarrer besonders gefragt und auf vielen Kanälen erreichbar, nicht nur am Telefon oder E-Mail, per Internet-Chat oder Videokonferenz aber auch in Person.

Einige Kirche haben Wäscheleinen gespannt, an den Segens- und Grußkarten hängen, wie etwa in der Gottmadinger Lutherkirche (Kreis Konstanz). Dort dürfen an Karfreitag und Ostern Briefe zum Thema "Botschaft für Dich" mitgenommen werden. Die Evangelische Kirche Wutachtal in Stühlingen (Kreis Waldshut) hat sogar gleich um ihr ganzes Gotteshaus eine Wäscheleine gespannt - damit an Ostern ringsherum gemalte, bunte Bilder von Kinder hängen.

Die evangelische Gemeinde in Waldshut hat für Karfreitag und Ostersonntag eine Auto-CD erstellt mit Gebet und Predigt, Orgelmusik und Liedbegleitung. Zusammen mit einem Textheft wurde sie an etwa 300 Gemeindeglieder verteilt. Im nordbadischen Wertheim haben Kinder und Erwachsene bunte Origami-Schmetterlinge gebastelt, die in einer Osterpost an alle evangelischen Haushalte verteilt werden.

Bildergalerie

Tipps für ein christliches Osterfest zu Hause

Schwebende Dornenkrone als Symbol für Karfreitag

© Flügelwesen / Photocase/Flügelwesen / Photocase

Schwebende Dornenkrone als Symbol für Karfreitag

© Flügelwesen / Photocase/Flügelwesen / Photocase

Der Karfreitag ist ohnehin ein sogenannter stiller Feiertag, für den besondere Regeln gelten. In Corona-Klausur kann man die mal ernst nehmen: Ruhe halten und in der Bibel lesen - die Passionsgeschichten in den vier Evangelien oder die berühmte Vorahnung des Leidens in Jesaja 53,4. Wer kein Buch zur Hand hat, findet die Texte auch auf <a href=https://www.die-bibel.de/>www.die-bibel.de</a>. Zur schwierigen Frage nach dem Sinn von Karfreitag gibt es <a href=https://fragen.evangelisch.de/frage/6303/warum-der-kreuzestod-jesu>hier ein paar Gedanken:</a>

Kruzifix vor farbigem Kirchenfenster

Die Abstandsregeln gelten auch für Kirchen - doch man kann Gottesdienste auch im Internet feiern: Inzwischen bieten unzählige Kirchengemeinden Livestreams und/oder Aufzeichnungen an. Das meiste findet man auf dem Portal <a href=https://www.youtube.com/>youtube</a>. Vom Hamburger Michel bis zur Dorfkirche - jeder kann sich das für ihn passende Setting aussuchen.

...Gebet auch

© Getty Images/iStockphoto/palidachan

Beten schafft Gemeinschaft - das gilt auch in Corona-Zeiten. Auch hier spielen Internet-Angebote eine Schlüsselrolle: Unter <a href=https://coronagebet.evangelisch.de/>coronagebet.de</a> etwa finden Beterinnen und Beter aus aller Welt zusammen - rund um die Uhr.

Eine Reihe von Osterkerzen unterschiedlicher Größe

© © epd-bild / Matthias Rietschel/Matthias Rietschel

Eine selbst gebastelte Osterkerze macht schwer was her - und sie hält und trägt die Osterfreude durch das ganze Jahr. Man kann bei der örtlichen Kirchengemeinde nach einer Kerze fragen, oder man bekommt sie in der Drogerie. Zum Verzieren eignen sich die Wachsreste von Weihnachten.

Eier färben mit Naturfarben

© Getty Images/GMVozd

Eierfärben gehört in vielen Familien an Ostern zum Standardprogramm. Das geht auch in der Corona-Krise. Natürliche Farben lassen sich in Kühlschrank oder Speisekammer aufstöbern: Safran, Petersilie, Rotkohl, Zwiebel, Rotwein, Blaubeeren, Kaffee, Rote Beete-Saft, Kurkuma oder Spinat eignen sich bestens für einen Sud. Zunächst sollte man die weißen Eier - am besten aus dem Bioladen oder vom Marktstand - kurz in ein Essigbad (circa 1 EL pro Liter) legen. Nach dem Färben die Eier mit ein paar Tropfen Pflanzenöl einreiben - dann glänzt es. In Zeiten von Corona empfehlen Experten, beim Auspusten der Eier Hilfsmittel zu verwenden. Manche Drogerien bieten dafür kleine Blasebälge an.

Osterei mit Kressesamen

© marshi / Photocase/marshi / Photocase

Einmal ausgeblasen und bemalt, lässt sich so ein Osterei noch weiter aufpeppen: Kressesamen, Weizen- oder Dinkelkerne auf Watte vorziehen, in ein Ei einsetzen und den Nachbarn als kleinen Ostergruß vor die Tür stellen.

Teig in einer Lamm-Form nach dem Backen

© Getty Images/iStockphoto/GMVozd

Das gebackene Lämmchen ist ein Klassiker für den Oster-Frühstückstisch. Mann kriegt es beim Bäcker, kann es aber auch selber machen. Dafür benötigt man eine spezielle Backform, ein wenig Geduld und Fingerspitzengefühl. Rezepte für den Teig und Anleitungen zum Backen gibt es zahlreich im Internet.

Teelicht leuchtet in der Hand

© designritter / Photocase/designritter / Photocase

Es ist ein Schlüsselmoment der Osternacht, wenn die erste Kerze die dunkle Kirche erleuchtet. Dieses Erlebnis können Frühaufsteher auch zu Hause haben. Ein Teelicht reicht dafür vollkommen aus. Wer es feierlich mag, kann dazu den Osterchoral "Christ ist erstanden" singen (im Gesangbuch ist das die Nr. 99)

Frau blickt von Balkon in die aufgehende Sonne

© Getty Images/iStockphoto/lolostock

Wer Mut hat, tritt auf den Balkon und singt das Lied in die aufgehende Sonne des Ostermorgens.

Osterglocken - nicht nur in der Vase

© as_seen / Photocase/as_seen / Photocase

Rund um Ostern beginnt es überall zu Blühen, und wir holen uns die Blumenpracht auch gern ins Haus. Osterglocken sind besonders passend - man stelle sie sich auf den Tisch, gekauft oder selbst gepflückt, und höre dazu am geöffneten Fenster das Ostergeläut aus der nächsten Kirche.

Gestalt tritt durch eine lichtdurchflutete Tür - Symbolbild zu Ostern/Auferstehung

© Getty Images/VladGans

Rund um Ostern bieten die Fernsehsender vermehrt Bibelfilme an. Wer also während der Feiertage Jesus im Film erleben will findet <a href=https://www.epd-film.de/themen/bilder-der-passion-jesus-im-film>hier</a> Anregungen und Tipps.

Mann von hinten mit Kopfhörer

Wer weniger gucken will, für den gibt es auch was zu hören - die neue Serie <a href=https://www.evangelisch.de/serien/168377/06-04-2020/ohrenweide>"Ohrenweide"</a> zum Beispiel: eine Reihe von täglichen Podcasts mit Texten aus Bibel und Literatur, gelesen vom Schauspieler Helge Heynold

Brennendes Kaminfeuer

© Naonak / Photocase/Naonak / Photocase

Die ganze Urkraft eines Feuers ist spürbar, wenn es in der Osternacht vor einer Kirche entzündet wird - die Wärme und das Leben kehren zurück. Wer zuhause einen Kamin oder Garten hat, kann das nachspielen. Aber immer zuerst auf die Sicherheit achten!

Im südbadischen Wehr können Christen ein Lebenszeichen der Verbundenheit in die evangelische Kirche bringen. Das könne etwas Gebasteltes, ein Bild, ein Gebet, eine Geschichte, ein Gedicht sein. Die Lebenszeichen werden in der Kirche auf die Kirchenbänke als Zeichen der symbolischen Anwesenheit gelegt.

Beliebt sind auch bunt bemalte Steine als Hoffnungszeichen. In Mannheim hat die Konfirmandengruppe der Evangelischen Gemeinde Feudenheim bunt bemalte Steine an Spazierwegen ausgelegt zum Mitnehmen.  

Wortimpulse verteilen

Nicht nur an Gemeindemitglieder, die den Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst vermissen, richtet sich eine Aktion der Weinheimer Pfarrerin und Dekanin Monika Lehmann-Etzelmüller. Für Gemeindemitglieder, die allein zu Hause sind, verteilt sie eine schriftlichen Impuls mit einem Tütchen Instantkaffee für "eine Tasse Trost". Einen "Telefonbesuchsdienst" gegen die Einsamkeit hat die Gemeindediakonin Margit Rothe der evangelischen Kirche in Schwetzingen gestartet.

"In diesen Zeiten sind seelsorgliche Besuche in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen mehr Schaden als Nutzen", bedauert die Klinikseelsorgerin Karin Lackus aus dem Diakoniekrankenhaus Mannheim. Auch wenn sie die Patienten an Ostern nicht persönlich besuchen könne, hoffe sie, "dass wir in Gedanken und im Gebet über Grenzen und Mauern hinweg miteinander verbunden sind". Auf der Straße und im Garten von Alten- und Pflegeheimen in Konstanz will ein Bläser-Familienquartett der Petrus- und Paulusgemeinde Choräle spielen, ergänzt von kurzen Wortimpulsen von Pfarrerin Barbara Kündiger.

Im Odenwald geht die evangelische Pfarrerin Angelika Schmidt regelmäßig in Michelbach und Unterschwarzach spazieren, um sich mit den Menschen im Ort zu unterhalten und ihren Sorgen zu erfahren - "Seelsorge am Gartenzaun" nennt sie es.