Corona-Krise: Geistliche rufen zu Solidarität mit Menschen in Not auf

Vatikanstadt: Papst Franziskus segnet  "Urbi et Orbi".

© Yara Nardi/REUTERS/AP/dpa

Papst Franziskus erteilte am 27.2020 auf dem wegen der Coronavirus-Pandemie leeren Petersplatz den Sondersegen "Urbi et Orbi".

Corona-Krise: Geistliche rufen zu Solidarität mit Menschen in Not auf
Die Corona-Pandemie hat am Sonntag erneut die Predigten leitender Geistlicher beherrscht. Sie appellierten an die Gläubigen, alte und kranke Menschen jetzt nicht alleinzulassen. "Wir sitzen alle im selben Boot", betonte der Papst.

Angesichts der Corona-Pandemie haben leitende christliche Geistliche am Sonntag zur Solidarität mit Menschen in Not aufgerufen. Vielen sei nun besonders bewusstgeworden, "wie zerbrechlich und bedroht das Leben sein kann", sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Sonntag in einem ZDF-Fernsehgottesdienst. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki betonte, alte und kranke Menschen dürften trotz aller Sorge um Ansteckungsgefahren nicht alleingelassen werden. Papst Franziskus hatte in einer Andacht am Freitagabend erklärt, die Epidemie zeige, "dass wir alle im selben Boot sitzen".

Kirchenpräsident Jung sagte, Menschen seien von den Folgen der Krankheit und dem Tod bedroht, und berufliche Existenzen stünden auf dem Spiel. Jetzt sei es besonders wichtig, solidarisch zu handeln. Gerade das Gebet könne Hoffnung und die Kraft zur Geduld geben, sagte er am Sonntag in der Saalkirche im rheinhessischen Ingelheim. Der Gottesdienst stand unter dem Motto "Nur Mut!". In den kommenden Wochen werden wegen der Corona-Krise alle evangelischen ZDF-Fernsehgottesdienste aus Ingelheim gesendet.

Jung ging in seiner Predigt auch auf die wirtschaftlichen Befürchtungen, die Belastungen in Medizin und Pflege sowie die politischen Herausforderungen ein. Viele Menschen wüssten nicht, wie es nach der Corona-Krise weitergehen solle. "Ich bin dankbar, in einer Gesellschaft zu leben, die darum ringt, gerade die Schwachen und besonders Verwundbaren zu schützen", sagte er. "Diesen Weg müssen wir weitergehen."

"Wir sind für dich da"

Woelki betonte, gerade jetzt sei es wichtig, allein lebenden alten und kranken Menschen zu zeigen: "Wir sind für dich da." Eine notwendige Hilfe sei die Erledigung des Einkaufes. "Aber auch auf das Gespräch - ob am Telefon oder durch das geöffnete Fenster von draußen - darf nicht verzichtet werden", sagte der Kardinal am Sonntag im Kölner Bistumssender Domradio.de.

Papst Franziskus betonte die Auslöschung von Unterschieden durch die Krankheit Covid-19. Die Epidemie zeige, "dass wir alle im selben Boot sitzen", sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Freitagabend auf dem leeren Petersplatz. In dieser Situation komme nicht jeder für sich voran, sondern nur alle gemeinsam, betonte Franziskus in der Andacht auf dem für das Publikum geschlossenen Platz. Zum Abschluss der Andacht sprach der Papst den Segen "Urbi et Orbi", den er gewöhnlich nur an Ostern und Weihnachten erteilt.

Motto #verbundenbleiben

Ein Fernsehgottesdienst der besonderen Art wurde am Sonntag aus der evangelischen Hauptkirche Sankt Michaelis ausgestrahlt: Die Kirchenbänke blieben keineswegs leer, sondern waren mit Fotos im DIN-A4-Format bestückt. Die Bilder zeigten Gottesdienstbesucher, die normalerweise hier gesessen hätten - was in Corona-Zeiten nicht geht. Unter der Motto #verbundenbleiben hatte die Hauptkirchengemeinde zu der Foto-Aktion aufgerufen. "Die Rückmeldungen, die wir erhalten haben, zeigen uns deutlich, dass viele Menschen durch diese Übertragung Ermutigung und Trost gefunden haben", sagte Michel-Hauptpastor Alexander Röder.

Der Bischof der Erzdiözese Freiburg, Stephan Burger, warnte vor Aggression und Egoismus in der Corona-Krise. Das deutschlandweite Kontaktverbot sei ein "Stresstest für unsere Gesellschaft", sagte Burger am Samstag in einer Videobotschaft. Der Evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher betonte ebenfalls am Samstag, neben Behörden, Krankenhäusern, Pflegeheimen und der Wirtschaft müssten sich auch Pastorinnen und Pastoren auf die Extremsituation der Pandemie einstellen. Sie würden jetzt zunehmend als Seelsorgerinnen und Seelsorger gebraucht.

 

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