Coronavirus trifft das Heilige Land

Grabeskirche in Jerusalem ist gesperrt wegen Corona.

© epd-bild/Thomas Lohnes

Die Corona-Krise trifft auch Bethlehem im Westjordanland. Auch die Geburtskirche für Touristen in den nächsten 30 Tagen nicht erreichbar.

Coronavirus trifft das Heilige Land
In Israel lösen die Maßnahmen gegen den Coronavirus die schlimmste Tourismus-Krise der vergangenen Jahre aus. Auch die Geburtsstätte Jesu Christi in Bethlehem ist davon betroffen.

In Israel leidet vor allem die Tourismusbranche unter den Auswirkungen des Coronavirus. Wer in Israel einreist, muss zwei Wochen in Quarantäne. Touristen müssen nach Ankunft am Ben-Gurion-Flughafen ein Dokument vorweisen, in dem sie die Miete einer isolierten Unterkunft nachweisen können. Sonst werden sie nicht ins Land gelassen. Bisher hatte diese Vorschrift bloß für Touristen aus Ländern gegolten, die mit dem Coronavirus stark belastet sind. Dazu gehörten unter anderem Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Die Corona-Krise trifft auch Bethlehem im Westjordanland. Die palästinensischen Behörden haben die Stadt abgeriegelt. Damit ist auch die Geburtskirche für Touristen in den nächsten 30 Tagen nicht erreichbar. Für Christen in Bethlehem gilt, dass sie sich nur in kleinen Gruppen von bis zu 15 Menschen zum Gebet versammeln sollen. Das katholische Lateinische Patriarchat von Jerusalem hat die Priester angewiesen, die Messe über soziale Medien zu verbreiten, damit die Gläubigen nicht in die Kirche gehen müssen.

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus treffen die israelische und die palästinensische Tourismuswirtschaft kurz vor Ostern und dem jüdischen Passahfest brutal. Zu dieser Zeit hat die Branche sonst Hochkonjunktur mit einer sehr hohen Auslastung der Hotels. Jetzt stehen sie praktisch leer, und Dutzende von Hotels stehen vor dem Aus.

Amir Hayek, Präsident des Branchenverbandes, beziffert den erwarteten Schaden für den israelischen Fremdenverkehr auf 1,7 Milliarden Dollar im laufenden Jahr. Er rechnet mit "massiven" Entlassungen. Betroffen sind in Israel vor allem Jerusalem und Tel Aviv, wo die Auslastung in den vergangenen Wochen unter 40 Prozent fiel. Nach dem allgemeinen Einreiseverbot wird sie weiter fallen.

Flugverkehr stark reduziert

Viele Airlines haben ihre Flüge nach Tel Aviv drastisch reduziert oder gar eingestellt. Dazu gehören auch die Lufthansa-Gruppe, Air France, Alitalia, Iberia und Wizz Air. Die israelische Fluggesellschaft El Al will Destinationen in Europa, in den USA und in Afrika weiter bedienen, will das Angebot aber an der Nachfrage ausrichten, will heißen: stark reduzieren. Die Eröffnung der neuen Route nach Düsseldorf wird auf Sommer verschoben.

In Israel waren am Dienstag 50 Coronavirus-Infektionen bekannt, in den palästinensischen Gebieten waren es 25. Mehrere Zehntausend Israelis sind zur Isolation verpflichtet. In Bethlehem gilt die Ausgangssperre, Lehranstalten sind geschlossen, alle Hotelreservationen und Konferenzen wurden annulliert. Der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat für die nächsten 30 Tage den Notstand ausgerufen.