Trauerfeier für Anschlagsopfer in Hanau

Zentrale Trauerfeier in Hanau am 4.3.2020.

©Boris Roessler/dpa

Mit Mahnwachen, Trauermärschen und Kundgebungen gegen Rassismus reagierte die Hanauer Bevölkerung unmittelbar in den Tagen danach auf die Tat. Heute gibt es eine zentrale Trauerfeier in Hanau.

Trauerfeier für Anschlagsopfer in Hanau
Zwei Wochen nach den rassistischen Morden von Hanau werden knapp 700 geladene Gäste zu einer zentralen Trauerfeier in der Stadt erwartet. Unter den Gästen werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesratspräsident Dietmar Woidke (SPD) und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sein. Bei der Trauerfeier sollen auch Angehörige der Opfer zu Wort kommen.

Neben 400 Angehörigen der Opfer seien bei der Feier im Congress Park Hanau auch Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie Stadtverordnete vertreten, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Hanau. Die Trauerfeier wird live auf Großleinwänden in der Stadt gezeigt. Darüber hinaus wird der Hessische Rundfunk ab 17.40 Uhr die gesamte Trauerfeier im Fernsehen und online als Live-Stream sowie im Radiosender hr-info übertragen.

Öffentliche Anteilnahme nimmt zu

Der Arbeitgeberverband Nordmetall und die IG Metall im Bezirk Küste rufen bereits um 12 Uhr zu einer Gedenkminute für die Opfer des rechtsextremistischen Terroranschlags in Hanau auf.

In den späten Abendstunden des 19. Februar waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln Opfer eines rassistisch motivierten Anschlags geworden. Danach wurden der Täter und dessen Mutter tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Der Generalbundesanwalt sprach von einer "zutiefst rassistischen Gesinnung" des Täters.

Mit Mahnwachen, Trauermärschen und Kundgebungen gegen Rassismus reagierte die Hanauer Stadtgesellschaft unmittelbar in den Tagen danach auf die Tat. Auch an öffentlichen Totengebeten und Beisetzungen der Mordopfer sowie an einem Friedensgebet nahmen Tausende Menschen aus der Region teil.

Die öffentliche Anteilnahme nach Unglücken oder Terrorakten wie in Hanau nimmt nach Ansicht des Trauer-Experten Reiner Sörries zu. "Man gewinnt den Eindruck, dass beinahe jede Gelegenheit wahrgenommen wird, um in dieser Art zu trauern", sagte der frühere Direktor des Kasseler Museums für Sepulkralkultur zu Sterben, Bestatten und Gedenken dem Evangelischen Pressedienst. "Die Schwelle von der Trauer zur Empörung ist dann niedrig, wenn Schuldige an den Vorkommnissen auszumachen sind", sagte Sörries: "Dabei ist die Suche nach Schuldigen elementar, weil für den Tod von Menschen immer jemand verantwortlich sein muss. Dann ist der Tod, der eigentlich nicht sein darf, leichter zu ertragen."

Die Stadt Hanau möchte eine gedenkstätte für die Opfer des rassistischen Anschlags errichten. Sie solle auf dem Hauptfriedhof entstehen, auf dem einige der Opfer beerdigt sind, teilten Sprecher der Stadt mit. 

 

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