Nach Hanauer Gewalttat: Muslime fordern Schutz und Solidarität

Nach Hanauer Gewalttat: Muslime fordern Schutz und Solidarität
Entsetzt reagieren muslimische Verbände auf die Gewalttat von Hanau. Sie fordern mehr Schutz und Solidarität und machen eine jahrelange Verharmlosung rechter Gewalt und rechtsextremer Kampagnen mitverantwortlich für die neuen Opfer.

Muslime und in Deutschland haben entsetzt auf die Gewalttat von Hanau reagiert und Politik und Gesellschaft aufgerufen, sich klar an ihre Seite zu stellen. Zahlreiche Verbände forderten am Donnerstag Schutz für Muslime und ein entschiedenes Vorgehen gegen rassistische Gewalt.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, erklärte in Berlin, wer antimuslimischen Rassismus verharmlose, mache sich mitschuldig an der blutigen Gewalt gegen Minderheiten. Rechtsextreme Terroristen fühlten sich durch die jahrzehntelange Untätigkeit von Politik und Sicherheitsbehörden zum Schutz deutscher Muslime und Minderheiten ermutigt, derartig mörderische Taten zu verüben, erklärte Mazyek, der am Abend an der geplanten Mahnwache in Hanau teilnehmen wollte.

Allein in den vergangenen Tagen habe es ein halbes Dutzend Bombendrohungen gegen Moscheen gegeben, sagte Mazyek. Muslimische Gotteshäuser und Repräsentanten der Religionsgemeinschaft müssten besser geschützt werden, forderte er und rief zugleich die Muslime auf, selbst mehr Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Der mutmaßliche Täter von Hanau hatte laut Generalbundesanwalt Peter Frank eine "zutiefst rassistische Gesinnung". Frank sagte in Karlsruhe, das gehe aus einer Art Manifest und Videobotschaften des Mannes hervor. Alle neun Menschen, die in der Nacht zu Mittwoch in zwei Shisha-Bars erschossen wurden sowie fünf der sechs Verletzten haben Frank zufolge einen Migrationshintergrund. Die Polizei fand den mutmaßlichen Täter und dessen Mutter danach tot in deren Wohnung.

Der Koordinationsrat der Muslime, die Dachorganisation der muslimischen Verbände, erklärte, die Orte des Angriffs und das bekanntgewordene Bekennerschreiben zeigten, dass Migranten, insbesondere Muslime das Ziel gewesen seien. Es sei jetzt die Zeit, zusammenzurücken und zusammenzustehen, betonte Koordinationsratssprecher Zekeriya Altug. Der Terror bedrohe alle, Muslime und Nichtmuslime.

Zuvor hatte bereits die Kurdische Gemeinde in Deutschland erklärt, unter den in Hanau getöteten Menschen befänden sich auch junge Kurden. Sie verlangte, "die Bekämpfung des Rechtsterrorismus endlich ganz oben auf unsere politische Agenda stellen." Deutschland sei die Heimat vieler Menschen, die zugezogen sind und "dieses Land aufbauen, voranbringen und schützen".

Die Türkische Gemeinde in Deutschland verlangte Sensibilität im Umgang mit rassistisch motivierten Verbrechen, auch in den Medien: "Die Opfer waren nicht fremd! Diese Menschen waren Hanauerinnen und Hanauer", heißt es in einer Erklärung des Verbandes. Über sie müsse genauso berichtet werden, "mit Namen, Geschichten und Mitgefühl", wie im Fall Walter Lübcke.

Der Ditib-Bundesverband und die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs zogen eine Verbindung von dem Anschlag in Hanau zu den tödlichen Brandanschlägen auf türkischstämmige Familien in Mölln und Solingen in den 1990er Jahren, denen "ebenfalls eine unsägliche politische und gesellschaftliche Debatte vorausging", so Ditib in einer in Köln veröffentlichten Erklärung. Hanau markiere eine weitere Zäsur im kollektiven Gedächtnis, erklärte Milli Görüs. In allen Moscheen werde an diesem Freitag der Toten und Verletzten gedacht und für sie und ihre Angehörigen gebetet, erklärten die Verbände.

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