Paula soll kein Stiefkind sein

Paula soll kein Stiefkind sein
Lesbisches Paar kämpft nach der Geburt der Tochter für gemeinsame Mutterschaft
Paulas Geburt verlief dramatisch. Doch während ihre leibliche Mutter noch im OP lag, stand ihre zweite "Mama" der Neugeborenen bei. Das lesbische Eltern-Paar will nun die gemeinsame Mutterschaft für Paula.
19.02.2020
Von Martina Schwager (epd)
epd

Hannover, Schellerten (epd). Das lesbische Paar Gesa Teichert-Akkermann und Verena Akkermann will nach der Geburt von Tochter Paula am 13. Februar weiter für die Anerkennung einer gemeinsamen Mutterschaft kämpfen. Beide hätten beim zuständigen Standesamt in Hannover eine Geburtsurkunde für Paula mit zwei weiblichen Eltern beantragt, sagte die leibliche Mutter Gesa Teichert-Akkermann (44) am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Das Paar aus Schellerten hatte bereits einige Wochen vor der Geburt beim Amtsgericht Hildesheim eine Klage zur Feststellung der "Mitmutterschaft" von Verena Akkermann (46) eingereicht. Darüber ist nach Auskunft des Gerichtes bislang nicht entschieden. Teichert-Akkermann sagte, die Klage sei nun zunächst ruhend gestellt.

Das weitere Vorgehen hänge von der Antwort des Standesamtes ab. Dieses müsse nach dem geltenden Gesetz den Eintrag von Verena Akkermann als Mutter ablehnen. Die Akkermanns, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, wollen notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

Bei lesbischen Elternpaaren muss in Deutschland bislang die zweite Mutter vor einem Familiengericht beantragen, das Kind als Stiefkind zu adoptieren. Nur dann kann sie als gleichberechtigter Elternteil in die Geburtsurkunde eingetragen werden. Die Bearbeitung einschließlich Besuchen durch das Jugendamt dauert in den meisten Fällen rund ein Jahr. Die Akkermanns empfinden das als diskriminierend.

Gesa Teichert-Akkermann berichtete, nach einem Notkaiserschnitt habe Paula, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurde, zunächst nicht selbstständig atmen können. Aber ihre Frau sei "wie eine Löwenmama" an der Seite ihrer Tochter gewesen, während sie selbst noch im Operationssaal gelegen habe. Verena habe darauf bestanden, dass Paula ihr auf die nackte Brust gelegt wurde.

Ab diesem Moment habe sich die Atmung der Neugeborenen stabilisiert. "So war genau die Mama, die das Gesetz nicht vorsieht, diejenige, die den Start ins Leben unserer Kleinen begleitete und leichter machte", schreibt Gesa Teichert-Akkermann auf Twitter. Das zeige, wie absurd die aktuelle Rechtslage sei. Mittlerweile gehe es ihnen allen sehr gut, und sie seien seit Montag zu dritt zu Hause.

Auch der Deutsche Juristinnenbund sieht die Rechte der betroffenen Familien massiv verletzt und das Kindeswohl gefährdet. Der Gesetzgeber habe es versäumt, bei der Öffnung der "Ehe für alle" eine Regelung zu treffen, die mit den Regeln für heterosexuelle Paare vergleichbar sei, sagte Präsidentin Maria Wersig. Eine Vaterschaft hingegen wird automatisch anerkannt oder kann bei Nichtverheirateten auf Antrag direkt anerkannt werden.

Nach Auskunft des Bundesjustizministeriums ist eine Reform des Abstammungsrechts in Arbeit. Danach solle "neben der Mutter des Kindes auch eine Frau die Elternschaft anerkennen können", sagte ein Sprecher. Einen Terminplan für einen entsprechenden Gesetzentwurf gebe es aber noch nicht.