Studie: Eine Krankenversicherung für alle bringt niedrigere Beiträge

Studie: Eine Krankenversicherung für alle bringt niedrigere Beiträge

Die Zusammenführung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung könnte einer Studie zufolge eine spürbare Beitragssenkung für Kassenpatienten zur Folge haben. Wenn alle Bundesbürger gesetzlich versichert wären, würde die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) jährlich ein finanzielles Plus in Höhe von rund neun Milliarden Euro erzielen, heißt in der am Montag vorgestellten Prognose des Berliner Iges-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Der Beitragssatz könne entsprechend um 0,2 bis 0,6 Prozentpunkte sinken.

Jedes derzeit in einer gesetzlichen Kasse versicherte Mitglied und sein Arbeitgeber könnten demnach pro Jahr zusammen durchschnittlich 145 Euro an Beiträgen sparen, wenn auch Gutverdiener, Beamte und einkommensstarke Selbstständige mit in die GKV einzahlten. Würden die Honorarverluste der Ärzte, die bislang gegenüber der Privaten Krankenversicherung mehr abrechnen können, ausgeglichen, wären es 48 Euro jährlich, hieß es. Statt Bürgerversicherung, wie es unter anderem die SPD nennt, spricht die Bertelsmann Stiftung hier von einer "integrativen Sozialversicherung für Gesundheit und Pflege".

Privat Versicherte verdienten im Durchschnitt 56 Prozent mehr als Kassenpatienten und könnten bei einer Fusion zu einem deutlich höheren Beitragsaufkommen beitragen, hieß es. Laut Studie nehmen zudem Privatpatienten im Vergleich medizinische Leistungen weniger in Anspruch. So suchen sie nicht so oft den Arzt auf wie GKV-Versicherte und werden deutlich seltener stationär behandelt. Während 17 Prozent von ihnen ein Mal im Jahr im Krankenhaus sind, beträgt der Anteil bei GKV-Versicherten 23 Prozent. Das liege mit daran, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder Pflegebedürftigkeit in den meisten Fällen gesetzlich versichert seien, erklärte der Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung, Stefan Etgeton.

Die unterschiedliche Vergütung ärztlicher Leistungen bei privaten und gesetzlichen Patienten leistet seiner Ansicht nach Ungleichheiten im Gesundheitswesen Vorschub. So ergab die Analyse am Beispiel Bayerns, dass überdurchschnittlich viele Ärzte in Städte und Regionen mit einer hohen Anzahl von Privatpatienten ansässig sind. "Einen ursächlichen Zusammenhang konnten wir in der Studie zwar nicht nachweisen", sagte Etgeton. "Ich gehe aber davon aus, dass die im Schnitt 2,5-fach höhere Vergütung ärztlicher Leistungen für Privatpatienten die Anreize für Ärzte verstärkt."

Die Studie stützt sich auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels, das auf einer Langzeitbefragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung beruht. Außerdem zogen die Iges-Forscher Daten der Privaten Krankenversicherer von 2019 und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns hinzu und verglichen sie mit Statistiken von Gemeinden und Kreisen in dem Bundesland.

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