Dresden gedenkt der Opfer des Krieges

Dresden gedenkt der Opfer des Krieges
Steinmeier ruft zum Einsatz für Demokratie auf - 11.000 Teilnehmer bei Menschenkette
Dresden hat an die Bombardierung der Stadt vor 75 Jahren erinnert. Redner warnten vor Hass und Hetze und dem Missbrauch des Gedenktages durch Rechtsextremisten. Bundespräsident Steinmeier reihte sich in die Menschenkette um die Altstadt ein.
13.02.2020
Von Katharina Rögner (epd)
epd

Dresden hat am Donnerstag an Tausende Kriegsopfer und die Zerstörung der Stadt vor 75 Jahren erinnert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte in seiner Gedenkrede vor einer Aushöhlung des Rechtsstaates und der Demokratie. "Wir alle müssen Hass und Hetze zurückweisen, Beleidigungen widersprechen, Vorurteilen entgegentreten", appellierte er. So erbittert der Streit in der Sache auch sein mag, Diskussionen seien mit Vernunft und Anstand zu führen, die Institutionen der Demokratie zu schützen. Am Abend reihte sich das Staatsoberhaupt vor der Frauenkirche mit Tausenden Menschen in eine Menschenkette um die Altstadt ein.

Die Angriffe der Alliierten im Februar 1945 erinnerten immer auch an "nationalistische Selbstüberhebung und Menschenverachtung, an Antisemitismus und Rassenwahn", sagte Steinmeier vor rund 1.600 geladenen Gästen im Dresdner Kulturpalast. Er befürchte, dass diese Gefahren bis heute nicht gebannt seien.

Der Bundespräsident verurteilte einen Missbrauch des Gedenkens: "Wer heute noch die Toten von Dresden gegen die Toten von Auschwitz aufrechnet, wer versucht, deutsches Unrecht kleinzureden, wer wider besseres Wissen historische Fakten verfälscht, dem müssen wir als Demokratinnen und Demokraten die Stirn bieten, dem müssen wir laut und entschieden widersprechen", betonte Steinmeier unter großem Applaus.

Bei Bombenangriffen der Alliierten zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 kamen rund 25.000 Menschen ums Leben. Nahezu die gesamte Innenstadt wurde zerstört. Am Abend umschlossen rund 11.000 Dresdner und ihre Gäste Hand in Hand und unter Glockengeläut die Altstadt mit einer Menschenkette. Seit zehn Jahren wird jeweils am 13. Februar dieses Zeichen des Friedens, der Versöhnung und Toleranz gesetzt. Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender reihten sich vor der Frauenkirche in die Kette ein, ebenso Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Auch der Regierungschef rief dazu auf, für ein friedliches Zusammenleben und gegen Spaltung, Gewalt und Ausgrenzung einzustehen: "Wir alle tragen Verantwortung für unsere Demokratie und ein friedliches Miteinander." Kretschmer wandte sich zugleich gegen "jegliche Versuche, den Tag des Gedenkens und die Trauer um die Toten für ideologische Zwecke zu missbrauchen". Es dürfe keine Umdeutung dieses Tages geben". Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) betonte, von Dresden müsse ein Zeichen der Versöhnung ausgehen.

Mehrere Veranstaltungen auf Friedhöfen erinnerten an die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Auf dem städtischen Heidefriedhof wurden über den Tag hinweg die Namen von knapp 4.000 Opfern der Bombenangriffe vor 75 Jahren gelesen.

Gegen einen Informationsstand der AfD auf dem Altmarkt trommelten augenscheinlich linke Demonstranten lautstark. Die Polizei trennte beide Gruppen räumlich voneinander. Für den Abend hatte die AfD eine Kranzniederlegung auf dem Altmarkt angemeldet - in unmittelbarer Nähe des Ortes, wo im Februar 1945 die Leichen der Opfer verbrannt worden waren. Auch dagegen war Protest angekündigt worden.

Zu einem stillen Gedenken hatte die Fördergesellschaft der Dresdner Frauenkirche am Gedenktag eingeladen. Auf dem Platz vor der wiederaufgebauten Kirche wurden Kerzen angezündet. Jedes Jahr läuten um 21.45 Uhr, zum Zeitpunkt des ersten Alarms vor den Angriffen, die Kirchenglocken der Stadt.

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