TV-Tipp: "Tatort: Meta" (ARD)

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Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Tatort: Meta" (ARD)
21.2., ARD, 22 Uhr
Nach einigen offenbar allzu anspruchsvollen Sonntagskrimis hatte die ARD 2017 angekündigt, beim "Tatort" deutlich weniger Experimente zu wagen. Zum Glück hat man davon wieder Abstand genommen, und das ist auch gut so; es wäre ein enormer künstlerischer Verlust gewesen, wenn Geschichten wie "Meta" (2018) in Zukunft keine Chance mehr gehabt hätten.

Regisseur Sebastian Marka und Autor Erol Yesilkaya stehen ohnehin für Krimiunterhaltung auf höchstem Niveau. Die beiden haben bereits für einige gute gemeinsame "Tatort"-Beiträge gesorgt, darunter auch den letzten Auftritt von Joachim Król als Frankfurter Kommissar ("Das Haus am Ende der Straße", 2015). Mit der 2016 ausgestrahlten Episode "Die Wahrheit", einem verstörenden Krimi über die Machtlosigkeit der Polizei und einer der besten "Tatort"-Beiträge aus München, hat das Duo sein Meisterstück abgeliefert. Im anschließenden Serienmörder-Thriller "Es lebe der Tod", ein Tukur-"Tatort", trieben sie ein perfides Spiel mit Hauptkommissar Murot, nun sind die Berliner Kollegen dran: Karow (Mark Waschke) kommt einem Komplott auf die Spur, das sämtliche Voraussetzungen für eine völlig versponnene Verschwörungstheorie erfüllt. Die Hinweise sind scheinbar erdrückend, aber letztlich ist alles, was Karow zu bieten hat, ein Kinofilm.

Fernsehzuschauer schätzen "Film im Film"-Konstruktionen erfahrungsgemäß nicht so sehr, aber diese Idee ist ein echter Knüller, zumal die Geschichte höchst raffiniert eingefädelt ist. Sie beginnt mit der Zustellung eines Päckchens, das einen abgetrennten Finger enthält. Im Krimi pflegt erfahrungsgemäß kurz drauf auch der Rest des Körpers aufzutauchen, und das ist hier nicht anders: Der Finger gehört einer seit zwei Jahren vermissten minderjährigen Prostituierten. Fingerversand und Leichenfund sind von langer Hand geplant. Der Mann, der dafür verantwortlich war, ist allerdings bereits tot: Peter Koteas hat sich in der Haft das Leben genommen. Sein Vermächtnis ist das detailgetreu umgesetzte Drehbuch für den Kinofilm "Meta", der just jetzt im Rahmen der Berlinale seine Weltpremiere feiert. Er handelt von einem Finger, einer toten jungen Prostituierten, einem Ermittlerduo (Ole Puppe, Fabian Busch) und einem Komplott, das in die Nachkriegszeit zurückreicht, als der ehemalige NS-Generalmajor Reinhard Gehlen im Auftrag der amerikanischen Besatzer einen Geheimdienst gründete, aus dem später der Bundesnachrichtendienst wurde. Die sogenannte Organisation Gehlen ist jedoch offiziell nie aufgelöst worden und kümmert sich als dunkle Seite der Macht angeblich um jene Fälle, mit denen der BND seine saubere Weste beschmutzen würde; und Koteas (Simon Schwarz) ist der mann, der die Drecksarbeit erledigt. Je tiefer sich Karow in die Materie hineinwühlt, desto größer wird seine Überzeugung, dass Koteas' Geschichte wahr ist; erst recht, als ihm und der skeptischen Kollegin Rubin (Meret Becker) all' das widerfährt, was auch die beiden Filmkollegen erleben.

Virtuos wechselt der "Tatort" ständig die Ebenen, zumal Yesilkaya schließlich auch noch "Taxi Driver" eingebaut hat. Die entsprechenden Szenen nebst der großartigen Musik von Bernard Herrmann sind mehr als nur eine Hommage, sondern unverzichtbarer Bestandteil der Geschichte, weil Karow eine ähnliche Besessenheit an den Tag legt wie Martin Scorseses Antiheld. Die entsprechenden Szenen funktionieren auch, wenn man den Klassiker nicht kennt, aber Buch und Regie haben für Cineasten noch weitere Verweise eingebaut, deren Entdeckung natürlich großen Spaß macht. Der eigentliche Reiz des Films besteht jedoch in Karows zunehmender Obsession. Hier entwickelt "Meta" eine derartige Faszination, dass die Nebenebene mit Rubins mütterlichen Selbstzweifeln noch überflüssiger wirkt als in den bisherigen "Tatort"-Episoden aus Berlin.

Während diese Ausflüge ins Privatleben vermutlich eine Vorgabe des Senders waren, sind Yesilkaya zwei Missgeschicke unterlaufen, die auch deshalb auffallen, weil sein Drehbuch ansonsten so clever ist: Wie im Film, so wird auch der "echte" Regisseur schließlich ermordet; damit hätte Karow eigentlich rechnen müssen, schließlich hat er "Meta" detailliert analysiert. Deshalb ist ein zweiter Fehler auch unverzeihlich: Am Ende einer geschickt eingefädelten Schnitzeljagd findet er schließlich eine DVD, die ihm den Beweis für das Komplett liefern soll. Die Aufnahmen zeigen jedoch nicht etwa wie erwartet den leitenden Beamten (Stephan Grossmann) aus dem Innenministerium mit der (damals noch lebendigen) jungen Prostituierten, sondern einen ganz anderen Mann. Den Zuschauern offenbaren Yesilkaya und Marka die Lösung dieses Rätsels erst später mit dem entsprechenden Filmausschnitt, aber Karow hat ihn ja längst gesehen. Von diesem Einwand abgesehen ist "Meta" auch dank der vorzüglichen Bildgestaltung (Kamera: Willy Dettmeyer) ein spannendes, witziges und kurzweiliges Vergnügen voller Überraschungen. Beiden Ebenen, dem Krimi wie auch dem Film im Film, einem fröhlichen Trash-Stück, ist anzumerken, wie viel Spaß Autor und Regisseur an ihrem zum Teil recht makabren Treiben hatten. Beide sind 2019 für "Meta" mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden.

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