Altbischöfin Maria Jepsen wird 75

Hamburger Bischöfin Maria Jepsen

© epd-bild/Stephan Wallocha

Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen in der Hauptkirche St. Michaelis (Michel). Am 19. Januar wird sie 75 Jahre alt.

Altbischöfin Maria Jepsen wird 75
Am 4. April 1992 wurde Maria Jepsen im Hamburger Michel zur ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin der Welt gewählt. Damals war sie 47 Jahre alt - jetzt wird sie 75 und genießt seit bald zehn Jahren ihren Ruhestand.

Unvergessen ist die kirchengeschichtliche Stunde im Hamburger Michel, als Maria Jepsen zur weltweit ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin gewählt wurde. Blitzlichtgewitter und ein Blumenmeer begleiteten das Ereignis - knapp 28 Jahre liegt es zurück. Es folgten eine 18-jährige Amtszeit und ein mutiger, konsequenter Rücktritt im Juli 2010. Seitdem hat sich Maria Jepsen weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am 19. Januar wird sie 75 Jahre alt.

Ihre Wahl fand weit über Deutschlands Grenzen hinaus Beachtung, sogar "Radio Vatikan" berichtete. Über Nacht avancierte Jepsen zum Medienstar, Interview-Anfragen kamen aus aller Welt. Für eine Hamburger Zeitschrift gab sie sogar den Inhalt ihrer Handtasche preis, einem überregionalen Magazin verriet sie, dass sie privat gerne mal eine Pfeife rauche - Fotos davon gab es allerdings nie.

"Ich verstehe meine Wahl als Ermutigung für alle Frauen und Männer, aus patriarchalischen Strukturen auszubrechen und Kirche insgesamt offener zu gestalten", kündigte die neue Bischöfin an. Und die Zeit dafür war reif: Zweimal waren Anfang der 90er Jahre Frauen im Norden bei einer Bischofswahl knapp gescheitert - in Schleswig (1990) und in Lübeck (1991). Doch in Hamburg klappte es: "Wir werden in einen anderen Alltag zurückkehren als vorher", sagte Vorgänger Bischof Peter Krusche bei der Übergabe des Amtskreuzes. Schon ein Jahr später formulierte die Nordelbische Kirche ihre Verfassung in frauengerechter Sprache. 

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Von der Pfarrfrau zur Bischöfin
Von der Pfarrfrau zur Bischöfin

Jepsen galt als fortschrittliche, dem Feminismus zugewandte Theologin. Das brachte ihr von Beginn an heftige Kritik kirchenkonservativer Kreise ein. Schon mit ihrer Kandidatur wurde der Untergang des Abendlandes beschworen. Doch Maria Jepsen trat dem resolut entgegen. "Wie Kinder fromm und fröhlich sein", beschrieb sie oft ihr Lebensmotto. Geschlechterprobleme gehörten "geschwisterlich gelöst". Wichtiger als die Frage nach Mann oder Frau sei es, kirchliche Meinungen und Positionen überhaupt in die Öffentlichkeit zu bringen - nur so werde die Kirche weiterhin wahrgenommen und um Rat gefragt.

Die Bischöfin pflegte die Basisnähe. Unermüdlich war sie in der Stadt unterwegs, besuchte soziale und diakonische Einrichtungen und Initiativen. "Kirche muss Stimme der Stummen sein" - diese Devise führte sie fast zwangsläufig auch zu den Randgruppen der Gesellschaft. Zentrale Themen waren für sie der ökumenische und der interreligiöse Dialog. Beste Kontakte knüpfte sie zur russisch-orthodoxen Kirche, die kirchlich-diakonische Beteiligung an der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und St. Petersburg gerieten ihr zur Herzensangelegenheit.  

Maria Jepsen bei ihrer Predigt während des Einführungsgottesdienstes.

Im April 2002 wurde sie ohne Gegenkandidaten für eine zweite zehnjährige Amtszeit wiedergewählt, sogar mit 20 Stimmen mehr als beim ersten Mal. Doch acht Jahre später trat die damals 65-Jährige überraschend zurück: Sie wolle und müsse "ein Zeichen setzen", erklärte sie. Anlass waren die Anfang 2010 bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in der Hamburger Umlandgemeinde Ahrensburg. In manchen Medien wurde der Bischöfin Untätigkeit vorgeworfen - was sie zutiefst erschütterte. Sie ließ sich nicht umstimmen und übernahm öffentlich und kirchenpolitisch die Verantwortung. Sie wolle "Schaden abwenden" von Kirche und Bischofsamt, sagte sie. 

Im September 2010 verließ sie Hamburg Richtung Nordfriesland und bewohnt seitdem mit ihrem Ehemann Peter ein rothölzernes Schwedenhaus am Stadtrand von Husum. Dort engagiert sich die Altbischöfin für die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing. Sie ist Vorsitzende des Freundeskreises und nutzt ihre Erfahrungen im Umgang mit Gremien, Behörden und Politik. 

Sporadisch taucht sie auch noch in Hamburg auf, so im vergangenen Jahr zum 25jährigen Bestehen der Hamburger Aids-Seelsorge und der Gruppe "Lesben und Kirche". Eine Anfrage zu ihren Plänen für 2020 ließ sie unbeantwortet - auch ein einstiger Medienstar hat ein Recht auf den Ruhestand.

Maria Jepsen schrieb Kirchengeschichte, als sie am 30. August 1992 im Hamburger Michel als erste evangelisch-lutherische Bischöfin der Welt in ihr Amt eingeführt wurde. 18 Jahre lang übte sie das Amt aus - so lange wie keiner ihrer Amtsvorgänger.

19. Januar 1945
Maria Bregas wird im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg geboren. 

1964-1970
In Tübingen, Marburg und Kiel studiert sie Altphilologie und Theologie. 

25. August 1972
In ihrer Vikariatszeit im Hamburger Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt heiratet sie Peter Jepsen, der ebenfalls Vikar in der Gemeinde war.

1972-1990
Nach ihrer Ordination übernimmt Maria Jepsen eine Pfarrstelle in Meldorf (Dithmarschen), fünf Jahre später in Leck (Nordfriesland).

1991-1992
Als erste Frau in der damaligen Nordelbischen Kirche wird sie Pröpstin im Kirchenkreis Hamburg-Harburg.

4. April 1992
Weltweit zum ersten Mal wird eine Frau ins evangelisch-lutherische Bischofsamt gewählt. 

30. August 1992
Maria Jepsen empfängt im Michel das Amtskreuz von ihrem Vorgänger Bischof Peter Krusche.

28. April 2002
Bei ihrer Wiederwahl für eine zweite, zehnjährige Amtszeit bekommt sie 20 Stimmen mehr als bei der Premiere.

1. Oktober 2008
Nach der Neugestaltung der nordelbischen Bischofsbezirke wird Maria Jepsen Bischöfin im Sprengel Hamburg-Lübeck. 

16. Juli 2010
Die Bischöfin tritt zurück. Sie beklagt, dass ihr im Zuge der Ahrensburger Missbrauchsfälle fehlende Glaubwürdigkeit vorgeworfen wurde. Im Abschiedsgottesdienst am 19. November sagt sie, die traumatisierten Opfer hätten ein sichtbares Zeichen gebraucht.